Katholische Kirche: Vatikan beruft Gesandten wegen Missbrauchsvorwürfen ab

Wegen Pädophilie-Vorwürfen hat der Vatikan seinen Gesandten aus der Dominikanischen Republik abberufen. Die Behörden vor Ort ermitteln wegen Kindesmissbrauchs gegen Erzbischof Josef Wesolowski, auch die Kirche selbst hat eine Untersuchung eingeleitet.

Santo Domingo - Polizei und Staatsanwaltschaft in der Dominikanischen Republik ermitteln wegen Kindesmissbrauchs gegen den päpstlichen Gesandten im Land, Erzbischof Josef Wesolowski. Nachdem gegen ihn Pädophilie-Vorwürfe laut geworden waren, hatte der Vatikan Wesolowski abrupt von seinem Posten abberufen.

Francisco Dominguez Brito, der Chefankläger der Dominikanischen Republik, bestätigte den Vorgang, schränkte allerdings ein, bislang wisse seine Behörde nur von Gerüchten über den päpstlichen Gesandten. Konkrete Anschuldigungen gebe es bisher nicht.

Auch der Vatikan führt inzwischen eine Untersuchung gegen Wesolowski durch, wie Sprecher Federico Lombardi bestätigte. Er nannte keine Einzelheiten über die Vorwürfe, die gegen den polnischstämmigen Nuntius laut geworden waren. Tatsächlich habe man ihn aber von seinem Posten abberufen. Ein solcher Vorgang gilt als höchst ungewöhnlich.

Behörden erst am Anfang der Ermittlungen

Chefankläger Dominguez zufolge stehen die Behörden erst am Anfang der Ermittlungen. Sie seien zum großen Teil eine Reaktion auf Medienberichte, wonach Wesolowski gemeinsam mit einem befreundeten Priester Kinder missbraucht haben soll. "Wir werden niemandem erlauben, die Kirche oder andere religiöse Institutionen als Schutzschild für kriminelle Handlungen zu benutzen - schon gar nicht, wenn sich diese Handlungen gegen Kinder richten", sagte Dominguez.

Wesolowskis plötzliche Abreise aus der Dominikanischen Republik hatte in den letzten Tagen für heftige Spekulationen in den örtlichen Medien gesorgt. Der Fernsehsender NCDN etwa berichtete, Wesolowski habe in seinem Strandhaus gemeinsam mit mehreren Messdienern im selben Zimmer geschlafen.

Erst kürzlich hatte Papst Franziskus die vatikanischen Behörden instruiert, strikt gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche vorzugehen. Kinder müssten geschützt, die Schuldigen bestraft werden. Im Juli hatte Franziskus eine Gesetzesnovelle veranlasst, nach der Kindesmissbrauch im Vatikan erstmals unter Strafe steht - diese Regelung gilt für Angestellte des Kirchenstaats sowie für päpstliche Vertreter im Ausland.

Entscheidend ist diese Tatsache vor allem deshalb, weil Wesolowski in der Dominikanischen Republik Diplomatenstatus genießt. Sanktionen hat er daher womöglich nur im Vatikan zu befürchten, wie der hochrangige Kirchenvertreter Monsignore Agripino Núñez Collado sagte. Ihm zufolge habe der Vatikan sofort gehandelt, nachdem Papst Franziskus über Wesolowskis "Fehltritte" informiert worden sei.

Wo sich der 65-jährige Wesolowski jetzt befindet, ist unklar. Lombardi zufolge wurde er bereits vor einigen Wochen abberufen; damals gab es vom Vatikan keine offizielle Mitteilung dazu. Auf Anfrage der Nachrichtenagenturen AP und Reuters stand Wesolowski für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Ernannt hatte den päpstlichen Nuntius bereits Benedikt XVI. im Jahr 2008. Zuvor war Wesolowski Gesandter in Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisien, Usbekistan und Bolivien gewesen. Der Posten des apostolischen Nuntius entspricht jenem eines weltlichen Botschafters.

rls/AP/Reuters

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