Missbrauchsvertuschung Päpstlicher Kinderschützer nennt Kardinal Pell "soziopathisch"

Der australische Kardinal George Pell steht wegen mutmaßlicher Missbrauchsverschleierung in der Kritik. Jetzt forderte ein Mitglied der päpstlichen Kinderschutzmission seinen Rücktritt - und nannte ihn dickfellig und kaltherzig.

Kardinal George Pell: "Falsche und irreführende Behauptungen"
DPA/ AP

Kardinal George Pell: "Falsche und irreführende Behauptungen"


Als Person unhaltbar, im Umgang mit Missbrauchsopfern "fast soziopathisch": Die Kritik, die Peter Saunders im australischen Fernsehen an Kardinal George Pell übt, ist harsch.

Saunders ist selbst Missbrauchsopfer und wurde von Papst Franziskus in die 17-köpfige Kinderschutzkommission berufen, die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten soll.

"Ich denke, es ist entscheidend, dass George Pell abtritt, dass er zurück nach Australien geschickt wird und dass der Papst die härtesten Maßnahmen gegen ihn ergreift", sagte Peter Saunders dem Programm "60 Minutes" des australischen Senders Channel Nine. "Er verhöhnt die päpstliche Kommission und den Papst selbst, vor allem aber alle Opfer und die Überlebenden."

Pell wird vorgeworfen, vor Jahren als damaliger Erzbischof von Sydney einen pädophilen Priester gedeckt zu haben. Er hat bisher stets alle Vorwürfe, in seiner Amtszeit Hinweisen von Missbrauchsopfern nicht nachgegangen zu sein, zurückgewiesen. Er ist einer der mächtigen Kardinäle im Vatikan und Vertrauter des Papstes.

"Es ist bekannt, dass er Menschen verleumdet, sich dickfellig und kaltherzig verhält, ich würde so weit gehen zu sagen, fast soziopathisch, dieser Mangel an Fürsorge", sagt hingegen Saunders.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte in Rom, Saunders spreche in seinem eigenen Namen und nicht für die gesamte Kommission. Pell habe die Fragen der australischen Justiz stets "eingehend" beantwortet. Ein Sprecher des Kardinals ließ laut "60 Minutes" mitteilen, dass Pell juristische Schritte gegen Sauners erwäge. "Die falschen und irreführenden Behauptungen gegen Seine Eminenz sind unerhört", hieß es.

ala/dpa

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