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Ärger um Restaurant in Islamabad: Trinken nur für Ausländer

Von , Islamabad

Murree-Whisky aus Pakistan: Ausschenken ja, trinken nein? Zur Großansicht
AFP

Murree-Whisky aus Pakistan: Ausschenken ja, trinken nein?

Pakistan ist ein islamisches Land. Weil Alkohol verboten ist, ein französisches Restaurant in Islamabad aber den einen oder anderen Drink ausschenken möchte, hat der Besitzer sich eine einfache Lösung ausgedacht: Einheimische müssen draußen bleiben. Nun gibt es Ärger.

Das erste Mal wurde man in Islamabad auf das Restaurant "La Maison" aufmerksam, als vor ein paar Wochen eine Stellenanzeige im Internet kursierte. Gesucht werde ein Barkeeper, außerdem ein Kellner, eine Küchenhilfe und eine Putzkraft. Die Bezahlung: ortsübliche 15.000 Rupien im Monat, etwa hundert Euro. Aber dann dieser Satz: "Die Kunden sind ausschließlich Ausländer, daher werden Englischkenntnisse verlangt."

Kürzlich eröffnete es dann, und tatsächlich: Einen Tisch gibt es nur mit Reservierung, und wenn man anruft, wird man höflich nach Nationalität und Passnummer gefragt. Pakistaner bekommen zu hören: "Sorry, aber wir haben nur für Ausländer geöffnet." Warum? Der Mann am Telefon murmelt etwas von "pakistanischen Gesetzen". Man schenke schließlich Alkohol aus und verwende auch Rotwein zum Kochen. Pakistanern dürfe man aber keinen Alkohol servieren.

Cyril Almeida ist entsetzt. "Da öffnet mitten in Islamabad, der Hauptstadt von Pakistan, ein Restaurant, und ich als Pakistaner darf da nicht rein?" Almeida ist Kolumnist der Tageszeitung "Dawn", seine Beobachtungen notiert er auch auf Twitter und Facebook. "NoToApartheid" kommentiert er die Regeln des "La Maison". Im Internet bricht ein Sturm der Empörung los. Die Jobanzeige macht jetzt die Runde, versehen mit Kommentaren wie "Pakistaner sollen servieren, aber nicht bedient werden" und "Alkohol ausschenken dürfen wir, aber trinken dürfen wir ihn nicht?"

Die Nachfrage nach Alkohol ist groß

Philippe Lafforgue ist Franzose und lebt seit vielen Jahren in Pakistan. Er ist ein freundlicher Mann mit Sympathie für Land und Leute, viele Pakistaner nennen ihn einen "netten Kerl". Er verdient sein Geld damit, dass er Alkohol importiert, für die internationale Gemeinschaft in Pakistan. Es ist ein schwieriges Geschäft, man braucht gute Beziehungen, viele Sondergenehmigungen und oft eine Menge Schmiergeld, aber wenn's mal richtig läuft, ist man mächtig wie ein General und beliebt wie ein Popstar.

Es war seine Idee, "La Maison" zu eröffnen. "Das ist ein privater Club, kein Restaurant", sagt er. Es gibt Brunch am Wochenende und Kinoabende, in einem Land, in dem es wegen der Taliban und der schwierigen wirtschaftlichen Lage kaum noch Kinos gibt. Und ja, räumt Lafforgue ein, es gebe Alkohol und eine Bar, aber in erster Linie kämen die Leute, um sich zu entspannen und gute französische Küche zu genießen. "Natürlich heißen wir auch Pakistaner willkommen", sagt er. "Sie müssen aber Gast eines Ausländers, also in Begleitung sein." Warum? "Wir schenken Alkohol aus, und ich will keine Probleme mit den Behörden bekommen." Schließlich arbeite er mit der französischen Botschaft zusammen.

Dem Gesetz zufolge darf Alkohol nicht an pakistanische Staatsbürger ausgeschenkt werden. 1977 setzte der eigentlich als liberal geltende Premierminister Zulfikar Ali Bhutto die Prohibition durch, um sich die Unterstützung konservativer islamischer Kreise bei bevorstehenden Wahlen zu sichern. Seither ist dieses Verbot geblieben, obwohl die Nachfrage nach Bier, Wodka, Whisky, Rum groß ist in Pakistan. Viele Mittel- und Oberschichtfamilien haben unauffällige Barschränke und decken sich ein mit Flaschen vom Schwarzmarkt oder mit Schmuggelware aus dem Ausland. Werden sie am Flughafen erwischt, wird die Ware vom Zoll gegen Quittung einkassiert. Vier Wochen lang kann man sie dort, sollte man wieder ausreisen, abholen. Danach wird sie vernichtet, wie auf dem Beleg steht - wie auch immer das gemeint ist.

Muslime müssen mit Softgetränken vorlieb nehmen

Die Behörden prüfen genau, wo und an wen Bier, Wein und Spirituosen ausgeschenkt werden. Auch im "La Maison" schauen die Kontrolleure regelmäßig vorbei. Alle paar Wochen kommt es in chinesischen Restaurants, wo man für umgerechnet vier Euro eine Dose chinesisches Bier bekommt, zu Razzien. In den großen Luxushotels darf Alkohol ebenfalls nur an Ausländer verkauft werden, es gibt versteckte Kellerbars, ansonsten nur per diskreter Bestellung aufs Zimmer. Manche Hotels gehen noch weiter und schenken ausdrücklich nur an Nichtmuslime aus, unabhängig vom Pass. Wer einen muslimisch klingenden Namen hat, muss mit Softgetränken vorlieb nehmen.

In Pakistan leben bald 200 Millionen Einwohner, etwa 97 Prozent sind Muslime. Minderheiten wie Christen dürfen zwar Alkohol kaufen und konsumieren, aber nur unter Vorlage von Sondergenehmigungen und auch nur an bestimmten Stellen. "Außerdem bekommen sie nur lokalen Alkohol, keine importierte Ware", sagt Lafforgue.

Die Aufregung um seinen Club verstehe er nicht, sagt Lafforgue. "Was ich mache, ist doch keine Neuigkeit in Pakistan." Tatsächlich gibt es mehrere Clubs in Islamabad, in denen Alkohol ausgeschenkt wird und die nur für Ausländer zugänglich sind. Es gibt einen französischen Club, einen amerikanischen, einen kanadischen und einen britischen. Es sind Rückzugsorte für Diplomaten und die Mitarbeiter von internationalen Organisationen, in einer Stadt, die wenig bietet zur Freizeitgestaltung. Nur fielen die Clubs den Pakistanern bislang kaum auf, weil sie sich im streng abgeschirmten Botschaftsviertel befinden. Dort, wo Pakistaner normalerweise ohnehin nicht hinkommen, es sei denn, sie wollen irgendwo ein Visum beantragen.

"Ich will, dass die Diplomaten Gelegenheit haben, rauszukommen aus ihrer Enklave", sagt Lafforgue. Aber dann bitteschön Zutritt für alle, sagen die Pakistaner. Da aber steht das pakistanische Recht im Weg. Damit der Club auch wirklich ein Club wird, will Lafforgue demnächst eine Mitgliedschaft einführen. Dann muss niemand mehr bei der Reservierung seine Nationalität nennen, sondern nur noch die Mitgliedsnummer. Und um die Wogen zu glätten, will er ab sofort niemanden mehr nach seinem Pass fragen. Auch wenn den Behörden das missfällt.

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1.
Peter Werner 16.12.2013
In gewisser Weise ist dies doch sogar recht tolerant. Nur Muslime sind an das Alkoholverbot gebunden, Angehöriger anderer Religionen können diesen - wenn auch beschränkt - konsumieren. Vergleichbar wäre es, wenn in Deutschland Staatsbürgern der Niederlande der Konsum sowie das Kaufen von Hasch erlaubt wäre.
2. Doppelmoral?
Kamillo 16.12.2013
Nein, keine Doppelmoral, auch in Pakistan gibt es neben den verbohrten Taliban auch tolerante, weltoffene Menschen! Blöd nur, dass eine extremistische Minderheit die Kontrolle über die Mehrheit hat, und das über Ländergrenzen hinweg, bis zu uns.
3. das ist schon schwer,
RudiLeuchtenbrink 16.12.2013
Zitat von sysopAFPPakistan ist ein islamisches Land. Weil Alkohol verboten ist, ein französisches Restaurant in Islamabad aber den einen oder anderen Drink ausschenken möchte, hat der Besitzer sich eine einfache Lösung ausgedacht: Einheimische müssen draußen bleiben. Nun gibt es Ärger. http://www.spiegel.de/panorama/pakistan-restaurant-in-islamabad-gestattet-nur-auslaendern-eintritt-a-939279.html
mit der Doppelmoral. Muslime trinken wie die Europäer auch Alkohol verstecken sich aber hinter Ausflüchten. Manche große islamische Staaten ignorieren das Alkoholverbot der Scharia, Hardcore Islamisten reisen in den Libanon oder nach Südfrankreich, wenn sie mal die Sau so richtig rauslassen wollen. Englische Wissenschaftler behaupten Alkohol ist einer der wesentlichen Gründe für das Sesshaft werden der Menschheit. Eher wird Pakistan ein sekularer Staat als das Alkoholverbot durchgesetzt.
4.
krassopoteri 16.12.2013
Zitat von Peter WernerIn gewisser Weise ist dies doch sogar recht tolerant. Nur Muslime sind an das Alkoholverbot gebunden, Angehöriger anderer Religionen können diesen - wenn auch beschränkt - konsumieren. Vergleichbar wäre es, wenn in Deutschland Staatsbürgern der Niederlande der Konsum sowie das Kaufen von Hasch erlaubt wäre.
Selbstverständlich sind die Pakistanis tolerant. Seit Jahrzehnten schon kann man als Nichtmoslem eine, wir nannten es Säuferlizenz bekommen. Und zwar für fünf Einheiten monatlich. Fünf Einheiten bedeutet fünf Kästen Bier, übrigens aus Rawalpindi, der Marke Murray oder fünf Flaschen Schnaps oder gemischt Bier und Schnaps, alles einheimischer Produktion. Der Mann arbeitet im völligem Einklang mit geltenden pakistanischen Gesetzen. In jedem guten Hotel bekommen man für eine Feier einen Raum und alkoholische Getränke, sofern kein Moslem unter den Gästen ist. Die Einfuhr ist nicht gestattet aber man bekommt, wie der Spiegel schreibt eine Quittung und den Schnaps zurück, wenn man innerhalb von vier Wochen das Land wieder verlässt, egal wohin. In Karachi lässt man sich von Amerikaner in den Amerikanischen Club einladen oder in den Marines Club, mit dem Motto TGIT. Im Übrigen, ich glaube es gibt sogar Opium auf Lizenz für bestimmte Gruppen.
5. Saekularer Gottesstaat ?
TheGossip 16.12.2013
Zitat von sysopAFPPakistan ist ein islamisches Land. Weil Alkohol verboten ist, ein französisches Restaurant in Islamabad aber den einen oder anderen Drink ausschenken möchte, hat der Besitzer sich eine einfache Lösung ausgedacht: Einheimische müssen draußen bleiben. Nun gibt es Ärger. http://www.spiegel.de/panorama/pakistan-restaurant-in-islamabad-gestattet-nur-auslaendern-eintritt-a-939279.html
Jedes Land ist für seine Regierung und damit für seine Regeln verantwortlich. Wenn Pakistan keine Saekularisierung exekutiert, religiöse Regeln also zu staatlichen macht, können sie alles machen, bis zur Schliessung aller Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wird. Aber solche Lokale dulden und sich dann wundern, dass man als Inländer dort nur Probleme macht? Die Kompromislinien zwischen Gottesstaat und Saekularisierung sind vielfältig, aber immer widersprüchlich.
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Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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