Heftige Beben im Indischen Ozean: "Da wusste ich, dass es nicht so schlimm wird"
Nach den mächtigen Beben im Indischen Ozean hatten die Menschen in der Region nur ein Ziel: möglichst schnell möglichst weit weg vom Meer zu kommen. Zehntausende flohen zu Fuß, auf Mopeds, mit Autos und Kleinlastern von der Küste - aus Panik vor einem Tsunami wie 2004.
Bangkok - In Thailand steht das Songran-Fest bevor, Tausende Touristen sind gekommen, um das Neujahrsfest am Wochenende mit den Einheimischen zu feiern, die Hotels sind seit langem fast ausgebucht. Am Mittwochmorgen schlug die Vorfreude jedoch in schiere Angst um: Es war 15.19 Uhr Ortszeit, als das Nationale Katastrophenzentrum für sechs Provinzen im Süden, darunter die Touristenhochburgen Phuket und Krabi Tsunami-Alarm ausrief.
Der erste Erdstoß der Stärke 8,6 ereignete sich um 10.38 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit etwa 430 Kilometer vor der Westküste der indonesischen Insel Sumatra rund 25 Kilometer tief im Meeresgrund. Es war eines der stärksten je gemessenen Beben. Das zweite Beben war etwas schwächer. Erdbeben dieser Stärke haben das Potential, verheerende Tsunamis auszulösen.
Millionen Menschen rund um den Indischen Ozean waren in Angst und Schrecken. Schlimme Erinnerungen an die verheerende Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden wach. Damals waren etwa 230.000 Menschen ums Leben gekommen.
Es waren angstvolle Stunden für Touristen und Einheimische, überall entlang der Küsten spielten sich Szenen ab wie im Süden Thailands. Sirenen schrillten, Fischer brachten ihre Schiffe auf hoher See in Sicherheit. Die Strände waren wie leergefegt. Auf Anordnung der Behörden evakuierten die meisten Hotels ihre Gäste auf höher gelegene Gebiete. Die Straßen in Phuket waren mit Flüchtenden verstopft. Der Schweizer Reporter Sascha Ruefer berichtete, dass viele Touristen nicht einmal Zeit hatten, das Nötigste zusammenzupacken, als sie ihre Unterkünfte verlassen mussten.
"Wir hoffen auf eine ruhige Nacht"
Alle Flüge von und nach Phuket wurden eingestellt, der Flughafen wurde bis Donnerstagmorgen geschlossen. Später sagten die Fluggesellschaften auch die Flüge nach Krabi ab. Der deutsche Honorarkonsul auf Phuket, Dirk Naumann, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe mit etwa 3000 Menschen von einer Aussichtsplattform an der Südspitze der Insel das Meer beobachtet. Aber anders als 2004 sei das Wasser diesmal nicht zurückgewichen. "Da wusste ich, dass es nicht so schlimm werden würde."
Die erste Welle sei auch nicht stark gewesen. Aber die Menschen auf der Plattform hätten aufgrund der Nachbeben vor Sumatra voll Ungewissheit auf weitere Wellen gewartet. Um 17.14 Uhr Ortszeit gab das Nationale Katastrophenzentrum dann für Thailand Entwarnung. Direktor Somsak Songkhla sagte, die höchste Welle sei nur etwa 20 Zentimeter hoch gewesen. "Ich bin zuversichtlich, dass es keinen Tsunami geben wird," erklärte er. Die Situation werde allerdings weiterhin beobachtet. Auf Phuket kehrten die Menschen in ihre Häuser und in die Hotels zurück. "Wir hoffen auf eine ruhige Nacht", sagte Honorarkonsul Naumann.
Urlauber waren in der gesamten Region zwischenzeitlich von Hotels und Reiseleitern informiert und zum Teil in höher gelegene Gebiete gebracht worden, wie mehrere Reiseveranstalter mitteilten. "Die Hotels in Ferienregionen wie Phuket und Khao Lak, die direkt am Strand liegen, haben ihre Gäste in höher gelegenes Terrain gebracht", sagte TUI-Chefreiseleiter Ralf Rau in Bangkok. Etwa 2800 deutsche TUI-Urlauber hielten sich in der Umgebung auf. "Der Krisenstab ist sofort alarmiert worden, wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Leitern im Zielgebiet. Die Botschaft ist aber schon jetzt: Die Alarmsysteme funktionieren", sagte eine TUI-Sprecherin.
Erst Panik, dann Erleichterung
Der Reiseveranstalter Thomas Cook betreut derzeit mehrere hundert Gäste in der Region um Phuket und bis zu 300 Urlauber auf Sri Lanka. "Das nach der Katastrophe von 2004 eingerichtete Warnsystem hat gut funktioniert", sagte ein Thomas-Cook-Sprecher. Die Evakuierung der Urlauber in höher gelegene Regionen sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Auch bei Alltours hieß es: "Das Frühwarnsystem in den Zielgebieten scheint funktioniert zu haben."
In der Provinzhauptstadt Banda Aceh auf Sumatra rannten Menschen zwischenzeitlich panisch auf die Straße, Sirenen heulten, Tausende machten sich mit Auto oder Moped auf die Flucht. Nach anfänglichem Schock reagierten die Menschen aber mit Fassung. Die deutsche Entwicklungshelferin Ramona Thiele in Banda Aceh sagte, sie habe bei ihrer Fahrt durch die Stadt weder Verletzte noch Schäden gesehen. Die meisten Geschäfte hätten nach den Erdstößen geschlossen. Der Strom sei ausgefallen.
Hauptsache aufwärts, war die Devise, auf Anhöhen, in die Berge. "Ich bin immer noch traumatisiert von dem Tsunami 2004", sagte eine Frau, die mit Nachbarn aus der Innenstadt von Banda Aceh in den höher gelegenen Stadtteil Matai'i geflohen ist. "Ich gehe nur zurück, wenn ich sicher bin, das die Gefahr vorbei ist."
Das Fernsehen in Banda Aceh zeigte eine fünfköpfige Familie, die auf dem Moped unterwegs ist: Der Vater fährt, sein kleiner Sohn steht vor dem Lenker, Tochter und Mutter sitzen hinten, und die Mutter hat noch ein Baby im Arm. Freiwillige versuchten, den Verkehr in geordnete Bahnen zu lenken.
Auf anderen Bildern war eine junge Frau zusammengesunken am Straßenrand zu sehen. Sie wog zwei kleine Kinder im Arm - ihr Gesicht war Stunden nach dem Beben noch von Angst gekennzeichnet. Auf einem Grünstreifen zwischen zwei Fahrbahnen hockten Menschen, die sich möglichst weit von jedem Gebäude niedergelassen hatten. Die Region wurde immer wieder von Nachbeben erschüttert.
Mit Material von dpa
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- Mittwoch, 11.04.2012 – 18:21 Uhr
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