Im Wortlaut: So begründet der Papst seinen Rücktritt

Der Papst sieht seine Kräfte schwinden, sie seien nicht mehr geeignet, "um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben": Benedikt XVI. gibt sein Amt am 28. Februar auf. Die gesamte Rücktrittserklärung des 85-Jährigen im Wortlaut.

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Bulletin Nr. 0089: Das lateinische Original der Rücktrittserklärung

"Liebe Mitbrüder! Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen.

Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."

Hier finden Sie die Rücktrittserklärung in unterschiedlichen Sprachen.

ulz/dpa

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Ein kluger Papst
aljoschu 11.02.2013
Zitat: "Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen." Alle Achtung. Vielleicht die mutigste und klügste Entscheidung dieses Papstes.
2.
pömpel 11.02.2013
wann tritt endlich der Rest der Kirche zurück? Wäre schön wenn man das ganze Vermögen an allgemeinnützige Vereine verteilt, damit diese Sekte endlich ein Ende hat.
3. Respekt
t-o-m-k-o 11.02.2013
Auch Respekt von meiner Seite. Eine kluge Entscheidung, das Amt in die nächsten Hände zu geben, wenn man merkt, dass das Alter nicht mehr die Kraft gibt, die vielen Aufgaben zu erfüllen. Solche Entscheidungen würde ich mir auch von manch einen Patriarchen in der Wirtschaft wünschen.
4. Freier Wille
Periklas 11.02.2013
Für diesen mutigen Schritt verdient Papst Benedikt allerhöchste Anerkennung und gebührenden Respekt. Für die Akademie die er leitet und für seinen Glauben, der er mit vielen anderen teilt, ist dies ein richtungsweisender Weg. Immer deutlicher wird sein Verständnis, im Namen Jesus auch vom freien Willen zu sprechen. Dafür bedanke ich mich aufrichtig und wünsche noch eine lange Lebenszeit in Gesundheit und geistiger Schöpfung.
5. weise Formulierungen
meyer@savvy.de 11.02.2013
.., die man sich so auch von Hr. Murdoch, Hr. Beitz, Hr. Berlusconi, Hr. Raoul Castro, Hr. Karl Gustav von Schweden, und vielen anderen auch wünschen würde....
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