Papst-Beschluss zu Tebartz-van Elst: Der Herr hat's genommen

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Franz-Peter Tebartz-van Elst muss das Bistum Limburg verlassen - auf unbestimmte Zeit. Die Anordnung des Vatikans verunsichert die Katholiken: Kommt der Skandal-Bischof später zurück? Papst Franziskus zögert mit einer endgültigen Entscheidung.

Roma locuta: Papst Franziskus will, dass der Skandalbischof von Limburg eine Auszeit nimmt und zunächst einmal durch einen Verwalter vertreten wird. Causa finita? Nein, denn im Bistum Limburg reagieren Katholiken verunsichert auf die Entscheidung des Papstes: Franz-Peter Tebartz-van Elst könnte, so wird spekuliert, nach einer kurzen Auszeit vielleicht gleich schon nach Weihnachten wieder ins Amt zurückkehren.

Der bisherige Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch soll, so teilte der Vatikan mit, ab sofort als neuer Generalvikar die bischöflichen Amtsgeschäfte in Limburg führen. Rösch, hieß es in Wiesbaden, könne noch nichts dazu sagen, denn er sei momentan auf einem Pilgerweg nach Santiago de Compostela unterwegs. Er stand bereits als Nachfolger des bisherigen Limburger Generalvikars Franz Josef Kaspar fest, sollte seinen neuen Posten jedoch eigentlich erst zum 1. Januar 2014 antreten.

Selbst mancher Kirchenfunktionär im Ordinariat hat nun Mühe zu verstehen, was die Nachricht aus Rom genau bedeutet. Ein Mitarbeiter in der Limburger Kirchenzentrale Am Roßmarkt seufzt schwer, er mag es einfach nicht glauben: "Kann der suspendierte Bischof in ein paar Monaten etwa hier nach Limburg wieder zurückkommen?" Er hofft dies nicht, so würde er den Papst am liebsten verstehen.

"Da gibt es absolut keine Zukunft mehr mit ihm"

Doch Franziskus hat sich die endgültige Entscheidung über Tebartz-van Elst noch vorbehalten. Ein altgedienter Caritas-Mann stöhnt: "Das Bistum ist doch durch Tebartz-van Elst völlig gegen die Wand gefahren worden, da gibt es absolut keine Zukunft mehr mit ihm. Wissen die in Rom wirklich, was hier passiert ist, oder will man es nicht wahr haben?"

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Tebartz-van Elst: Auszeit von den Amtsgeschäften
Dem Papst war von verschiedenen Seiten aus Limburg berichtet worden: Im September war ein päpstlicher Gesandter, Kurienkardinal Giovanni Lajolo, nach Limburg gereist. In der vergangenen Woche sprach der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, mit Franziskus über die Affäre. Am Montag schließlich hatte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eine Audienz beim Papst, danach war Tebartz-van Elst selbst an der Reihe.

Der Papst versicherte nun, er sei über die Lage in Limburg "zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden". Und weil es in der Lahnstadt zu einer Situation gekommen sei, "in welcher der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann", sei es angeraten, ihm eine Auszeit außerhalb von Limburg zu gönnen.

"Noch keine vollständige Befreiung"

Offenbar aber wollte das Oberhaupt der katholischen Kirche sich nicht von außen unter Druck setzen lassen, und seinen Bischof einfach ganz absetzen. Die Hintertür zu einem Comeback zu welchem Zeitpunkt auch immer beunruhigt deshalb die Limburger Katholiken. Immerhin ist die Causa Tebartz-van Elst auch aus kirchenrechtlicher Sicht längst nicht erledigt. Es steht die Entscheidung des Hamburger Amtsgerichts aus, die dazu führen kann, dass der Bischof von Limburg der erste verurteilte, womöglich vorbestrafte Bischof in der Geschichte der Bundesrepublik wird.

Zudem liegen der Staatsanwaltschaft Limburg Anzeigen gegen den Bischof vor wegen Untreue beim Umgang mit den Geldern des Bischöflichen Stuhls. Hinzu kommt die Untersuchung der von der Bischofskonferenz eingesetzten, dreiköpfigen Kommission zur Geldverschwendung und nicht-transparenten Geldtransfers in Limburg. Sie hat am Freitag ihre Arbeit aufgenommen, wann ein Ergebnis zu erwarten ist, bleibt offen.

Damit droht Tebartz-van Elst gleich von drei Seiten neues Ungemach. Im günstigsten Fall, so scheint es, könnte er sich während seiner Auszeit immer noch aus Limburg freiwillig ganz zurückziehen und sich einer anderen Aufgabe widmen.

Mit Blick auf die Kommission teilte der Vatikan mit, der Heilige Stuhl halte "es für angeraten", Tebartz-van Elst "eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren". Die Papstentscheidung zeige aber "die Schwierigkeit der Kirche, mit einer solchen Krise umzugehen", so ein Mitglied des Limburger Domkapitels - denn: "Dies bringt noch keine vollständige Befreiung für unser Bistum."

Dienstwagen und Residenzen: So leben Deutschlands Bischöfe. Klicken Sie auf die einzelnen Fotos und erfahren Sie mehr über die Kollegen von Franz-Peter Tebartz-van Elst.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 280 Beiträge
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    Seite 1    
1. Der Herr hat's genommen
hanspetersen 23.10.2013
Der Bischoff kann jetzt Demut und Bescheidenheit üben.
2. Der kommt nicht mehr zurück,...
tempus fugit 23.10.2013
...der kriegt jetzt eine Auszeit und danach ist aus - die arme Kirchenmaus!
3. Mir missfällt die Wortwahl
teekaysevenfive 23.10.2013
Liebes SPON Team, mit missfällt die Wortwahl Skandalbischof und die absolute Fokussierung der Kritik auf eine Person ganz gewaltig. Das ist unsachlich und dem Vorfall nicht angemessen. Ich binmir sicher, dass der Vermögensverwaltungsrat sehr viel mehr wusste, als er in der Öffentlichkeit äußert. Zudem ist ein Bistum doch mit einer großen Zahl von Verwaltungsangestellten ausgestattet. Glaubt irgendjemand, dass der Bischof Rechnungen selber bezahlt und alle Bankgeschäfte erledigt? Da gibt es doch ganz offensichtlich sehr viele Menschen in der Bistumsverwaltung, die ebenfalls Bescheid gewusst haben musste. Von daher ist es absolut unseriös alles auf einer Person abzuladen.
4. schade..
bochumschalke 23.10.2013
...wäre es, wenn die Deutschen sich aufgrund der Vorkommnisse vom Christentum abwenden würden. Selbst die Katholische Kirche hat, und ich bin Protestant, meiner Meinung nach einen fairen Umgang, eine Chance auf Besserung verdient. Es war teilweise medial etwas billig, nur auf Tebartz herumzureiten. In Köln und anderswo sind ganz andere Summen unsinnig verausgabt worden! Das Gute an dieser Sache war und ist: es findet eine überfällige Diskussion und Anschauung darüber statt, wie unsinnig in Deutschland eine Kirchensteuer ist, und welche Reichtümer von manchem Kirchenfürst in Jahrhunderten aufgehäuft wurden. DIESE müssen endlich, und zwar vorrangig vor Steuern auch für die Kirche, für die Menschen, für Hilfsbedürftige eingesetzt werden! Die Kirchensteuer gehört abgeschafft. Napoleon ist gottlob lange begraben und seit 200 Jahren Geschichte.
5. Auf unbestimmte Zeit heißt auf Nimmerwiedersehen.
mischpot 23.10.2013
und das ist auch gut so. Herr Tebartz van Elst sollte in Armut leben dürfen um seinen Glauben dienen zu können.
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