Sixtinische Kapelle: Franziskus' erste Messe beendet Konklave
Mit einer Messe in der Sixtinischen Kapelle ist das Konklave offiziell zu Ende gegangen. Franziskus leitete seinen ersten Gottesdienst als Papst. In seiner Predigt rief er dazu auf, mutig am Aufbau der Kirche zu arbeiten und der Weltlichkeit zu entsagen.
Rom - Der neue Papst Franziskus hat seine erste Messe im Vatikan gefeiert. Er kam in der Sixtinischen Kapelle mit den 114 wahlberechtigten Kardinälen zusammen, die dort mit ihm am Konklave teilgenommen hatten. Die Kardinäle hatten den Argentinier am Mittwoch im fünften Wahlgang zum neuen Papst gewählt.
In seiner Predigt rief Franziskus dazu auf, den Mut zu haben, in der Gegenwart des Herrn voranzugehen und die Kirche aufzubauen. "Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, aufbauen und bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn."
Er erinnerte daran, die wichtigste Aufgabe der katholischen Kirche nicht zu vergessen - nämlich die Botschaft von Jesus Christus zu verbreiten. Andernfalls riskiere die Kirche, auf eine "mitfühlende Nichtregierungsorganisation" reduziert zu werden. Die Kirche solle der Weltlichkeit entsagen und sich auf die Evangelien konzentrieren. Der Papst sprach wenige Minuten und ohne Notizen.
Der Gottesdienst "Per la Chiesa" ("Für die Kirche") war der Schlussakt des Konklaves - die Zusammenkunft der Kardinäle gilt damit als abgeschlossen. Sein nächster großer Gottesdienst ist für Dienstag geplant. Dann soll seine feierliche Amtseinführung stattfinden, bei der er die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium (eine Art Stola) und den Fischerring, erhält.
Zu der Messe am Dienstag ist unter anderem auch Roms Chefrabbiner Riccardo Di Segni eingeladen. Der neue Papst hofft, zu einer weiteren Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Katholiken "im Geist erneuerter Zusammenarbeit" beitragen zu können. Er wolle so einer Welt dienen, die mehr im Einklang mit dem Willen des Schöpfers sein könne, schrieb er an den Rabbiner.
Am Vormittag hatte Franziskus in der wichtigen römischen Basilika Santa Maria Maggiore zur Jungfrau Maria gebetet. Dutzende Menschen, darunter viele Fotografen, hatten ihn dort erwartet. "Er sprach herzlich zu uns - wie ein Vater", sagte der Priester Ludovico Melo, der mit dem Papst betete.
Zum Ende des Konklaves wurde ein Lapsus bekannt, der direkt nach Franziskus' Wahl italienischen Bischöfen unterlaufen war: Offenbar im festen Glauben, einer der ihren werde Oberhaupt der katholischen Kirche, dankten sie Gott in einer Erklärung "voller Freude" für die Wahl des Mailänder Erzbischofs Angelo Scola zum Papst. Laut italienischen Medien gab es eine entsprechende Mitteilung am Mittwochabend - kurz nachdem der tatsächlich gewählte Bergoglio vor einer jubelnden Menge auf dem Balkon des Petersdoms erschienen war.
Der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, Mariano Crociata, gab schnell eine Berichtigung heraus, aber das Malheur war in der Welt. Scola hatte vor dem Konklave als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Benedikt XVI. gegolten.
ulz/dpa/AFP
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