Papstkritik an Rüstungsbranche Christen bauen keine Waffen

"Sie sagen das eine und tun das andere": Beschäftigte und Unterstützer der Waffenbranche können sich laut Papst Franziskus nicht ernsthaft als christlich bezeichnen.

Papst Franziskus: "Geschäftsmänner, die sich als christlich bezeichnen und Waffen herstellen"
AFP

Papst Franziskus: "Geschäftsmänner, die sich als christlich bezeichnen und Waffen herstellen"


Wer Waffen herstellt oder in die Waffenindustrie investiert, kann sich nicht ernsthaft als Christ bezeichnen - das meint zumindest Papst Franziskus. "Alles wird für Geld getan", sagte er in Turin. Der Papst sprach über Vertrauen und sagte, wenn man nur Menschen vertraue, sei man verloren. Er denke dabei an "Leute, Manager, Geschäftsmänner, die sich als christlich bezeichnen und Waffen herstellen. Das führt zu Misstrauen, oder nicht?"

Franziskus kritisierte nicht nur Beschäftigte, sondern auch Investoren der Waffenindustrie. Ihnen warf er Doppelzüngigkeit vor. "Sie sagen das eine und tun das andere."

Bereits mehrfach hatte sich der Papst kritisch über die Waffenbranche geäußert. Vor einem Jahr hatte er die Unternehmen als "Händler des Todes" bezeichnet, vor einem Monat sagte er, die Branche verewige den Krieg, um Gewinn zu machen.

Der Papst äußerte sich auch zum Versagen der "großen Mächte", den Mord an Juden, Christen und Homosexuellen im Zweiten Weltkrieg zu stoppen. "Die großen Mächte hatten Fotos der Bahntrassen, auf denen Züge in Konzentrationslager wie Auschwitz fuhren, um Juden zu töten, genauso wie Christen, wie Roma, wie Homosexuelle", sagte er. "Sagt mir, warum haben sie diese Bahnschienen nicht bombardiert?"

Der Papst sprach auch über die "große Tragödie von Armenien" im vergangenen Jahrhundert. "So viele starben. Ich kenne die Zahl nicht, gewiss mehr als eine Million. Wo waren die großen Mächte damals? Sie haben weggeschaut."

Im Ersten Weltkrieg waren Armenier im Osmanischen Reich als vermeintliche Kollaborateure systematisch vertrieben und umgebracht worden, nach Schätzungen wurden zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen getötet. Der Papst hatte im April die Türkei verärgert, als er dafür den Begriff "Genozid" verwendete.

ulz/AP



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unky 22.06.2015
1. Christen bauen keine Waffen?
Na, dann werden hoffentlich nun alle Waffenschmieden in Deutschland schließen und statt dessen zivile Produkte herstellen. Das löst auch gleich das von der Wirtschaft so lauthals beschworene Fachkräftemangel-Problem.
Butenkieler 22.06.2015
2. Amerikaner
sind die Nation Nr. 1, wenn es gilt Waffen zu bauen, zu verkaufen und andere Nationen niederzuringen. Der Papst sollte also zuerst die USA bekehren. Denn wir sollten dann allen die uns angreifen auch die andere Wange hinhalten.
yvowald@freenet.de 22.06.2015
3. Präsidentenfamilie Bush und die Rüstungsindustrie
Zitat von Butenkielersind die Nation Nr. 1, wenn es gilt Waffen zu bauen, zu verkaufen und andere Nationen niederzuringen. Der Papst sollte also zuerst die USA bekehren. Denn wir sollten dann allen die uns angreifen auch die andere Wange hinhalten.
Die US-Präsidentenfamilie Bush besitzt ein Milliardenvermögen, insbesondere durch Beteiligungen an der Waffen- und Rüstungsindustrie. Dabei geben sich die Bush`s doch so christlich! Der Papst sollte deshalb diejenigen, die nicht von der Munitions-, Waffen- und Rüstungsproduktion lassen wollen, einfach exkommunizieren. Aber leider sind die Bush`s ja nicht römisch-katholisch!
ackergold 22.06.2015
4.
Zitat von unkyNa, dann werden hoffentlich nun alle Waffenschmieden in Deutschland schließen und statt dessen zivile Produkte herstellen. Das löst auch gleich das von der Wirtschaft so lauthals beschworene Fachkräftemangel-Problem.
Es ist wohl eher so, dass die Masse dieser Leute als "Katheter-Christen" zu bezeichnen ist. Die gehen trotzdem sonntags zur Kirche, aber werktags bauen sie Waffen, betrügen ihre Partner, lügen ihre Nächsten an, frönen Lust und Gier und begehren anderer Leute Frau. Diese Leute finden sich in der CDU und ihren europäischen "Schwesterparteien" wieder.
bonowe 22.06.2015
5. Der Papst ,der traut sich was !!
Zitat : Der Papst äußerte sich auch zum Versagen der "großen Mächte", den Mord an Juden, Christen und Homosexuellen im Zweiten Weltkrieg zu stoppen. "Die großen Mächte hatten Fotos der Bahntrassen, auf denen Züge in Konzentrationslager wie Auschwitz fuhren, um Juden zu töten, genauso wie Christen, wie Roma, wie Homosexuelle", sagte er. "Sagt mir, warum haben sie diese Bahnschienen nicht bombardiert?" Zitatende . Das habe ich mich auch schon gefragt . Aber das ist eine von den vielen Pfui Fragen ,die von den deutschen Medien ( und den Besitzern der selbigen ) eher möglichst ignoriert werden . bonowe
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