Missbrauchsskandal Papst verhängt harte Kirchenstrafe gegen chilenische Bischöfe

Der Papst zieht Konsequenzen im Missbrauchsskandal: Franziskus hat zwei chilenische Bischöfe aus dem Klerikerstand ausgeschlossen. Einer der beiden lebt in Deutschland und soll sich hier schuldig gemacht haben.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus zieht im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche neue Konsequenzen: Wegen sexuellen Missbrauchs hat er zwei frühere chilenische Bischöfe aus dem Klerikerstand entlassen.

Damit verhängte Franziskus eine der härtesten Kirchenstrafen gegen den früheren Erzbischof Francisco José Cox Huneeus und den ehemaligen Bischof Marco Antonio Ordenes Fernández, wie der Vatikan mitteilte. Beide verlieren nun ihren Bischofstitel und sind auch keine Priester mehr. Cox lebt seit Jahren in Deutschland.

Grund für die Strafe seien "offenkundige" Misshandlungen von Minderjährigen, teilte der Vatikan mit. Die sogenannte Laisierung ist die schwerste Strafe, die die katholische Kirche gegen Priester verhängen kann. Die Betroffenen verlieren sämtliche Ämter, Rechte und Aufgaben, die mit dem Stand als Kleriker zu tun haben. Auch privat dürfen sie keine priesterlichen Funktionen mehr ausüben.

1997 gab es einen ersten Verdacht gegen Cox Huneeus

Der ehemalige Erzbischof Cox war seit den siebziger Jahren immer wieder des Missbrauchs beschuldigt worden. Der 84-Jährige, der seinen Ruhestand am Rhein in der Priestergemeinschaft Schönstatt-Patres verbringt, sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sich 2004 in Vallendar bei Koblenz an einem zur Tatzeit 17-Jährigen vergangen zu haben. Die Glaubenskongregation des Vatikans hatte deswegen eine Untersuchung eingeleitet. 1997 war Cox Huneeus überraschend als Erzbischof zurückgetreten, nachdem es erste Verdachtsmomente gegen ihn gab. Seit 2002 lebt er in Deutschland.

Die Gemeinschaft erklärte, sie nehme die Nachricht aus dem Vatikan "mit großer Scham auf wegen der Verletzungen, die dadurch den Opfern zugefügt wurden". Sie kündigte an, mit der Justiz zusammenzuarbeiten und eine medizinische Untersuchung zu veranlassen, "um bestimmen zu können, ob eine Rückkehr von Francisco José Cox nach Chile möglich ist". Bis auf weiteres bleibe er auf ausdrücklichen Wunsch des Vatikan in der Obhut der Gemeinschaft.

Fernández trat sechs Jahre nach Bischofsweihe zurück

Fernández wurde 2006 im Alter von nur 42 Jahren zum Bischof geweiht. Er trat jedoch bereits sechs Jahre später zurück, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Später wurde bekannt, dass sowohl staatliche als auch kirchliche Behörden wegen Missbrauchs gegen ihn ermittelten.

Der Vatikan gab die Strafen nach einem Treffen des Papstes mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera bekannt. Die "schmerzhafte Wunde des Missbrauchs von Minderjährigen" sei auch Thema des Gesprächs gewesen.

Die Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen sorgt in der katholischen Kirche in Chile seit Monaten für Aufruhr. Ermittelt wird gegen 167 Verdächtige, darunter 96 Priester. Im Zusammenhang mit der Affäre um Kindesmissbrauch hatten im Mai 34 Bischöfe des Landes geschlossen ihren Rücktritt eingereicht.

Darunter ist Juan Barros, den der Papst 2015 zum Bischof von Osorno ernannt hatte, obwohl er den wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Priester Fernando Karadima gedeckt haben soll. Im Januar nahm er Barros bei einem Chile-Besuch zudem öffentlich in Schutz. Später rückte Franziskus davon ab. Im April räumte er "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal in Chile ein. Angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer äußerte der Papst "Scham" und "Schmerz".

Auch in den USA kämpft die katholische Kirche weiter mit einem massiven Missbrauchsskandal. Am Freitag wurde bekannt, dass Franziskus den Rücktritt des Erzbischofs von Washington akzeptiert hat. Kardinal Donald Wuerl stand seit Wochen unter Druck, weil er in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania an der Vertuschung von Missbrauchsfällen im Klerus beteiligt gewesen sein soll.

Mittlerweile steht aber auch der Papst selbst in der Kritik: Es wird nicht nur bemängelt, dass der Pontifex nicht hart genug gegen Täter und Vertuscher durchgreift. Der konservative Erzbischof Carlo Maria Viganò wirft dem Papst vor, Vorwürfe gegen einen früheren US-Kardinal zu lange ignoriert und Sanktionen gegen Diesen gar rückgängig gemacht zu haben.

sen/AFP/dpa

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