Rom - Ausgeschlafen, entspannt und mit einem Lächeln im Gesicht hat sich Franziskus am Morgen nach seiner ersten Nacht als Papst präsentiert. Der 76-Jährige suchte die wichtige römische Basilika Santa Maria Maggiore für ein Gebet auf. Dutzende Menschen, darunter viele Fotografen, erwarteten das neue Oberhaupt der katholischen Kirche. Etwa 30 Minuten verbrachte Franziskus in einer Kapelle der Basilika, um in aller Ruhe zur Jungfrau Maria zu beten. "Er sprach herzlich zu uns - wie ein Vater", sagte der Priester Ludovico Melo, der mit dem Papst betete.
Der Papst wurde unter anderem begleitet von Georg Gänswein, dem Präfekten des päpstlichen Haushalts. Gänswein ist zugleich weiterhin Privatsekretär des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI., mit dem Franziskus bereits telefoniert hat. Es solle auch ein Treffen des neuen Papstes mit seinem Vorgänger stattfinden, teilte der Vatikan mit. Anders als es ursprünglich hieß, werde Franziskus aber nicht schon an diesem Donnerstag Benedikt in Castel Gandolfo besuchen. Bei der Papstwahl 2005 war Bergoglio der Hauptkonkurrent von Joseph Ratzinger, der sich damals indes durchsetzte und als Papst Benedikt XVI. acht Jahre die römisch-katholische Kirche führte.
Die Marien-Basilika in der Nähe des Hauptbahnhofs gehört zu den bedeutendsten Vatikan-Kirchen in Rom. Es war das erste öffentliche Erscheinen des neuen Papstes nach seiner kurzen Ansprache an die Menge der Gläubigen am Mittwochabend vom Balkon des Petersdoms aus. "Brüder und Schwestern, Guten Abend. Ihr wisst, dass das Konklave die Pflicht hatte, Rom einen Bischof zu geben. Es scheint so, als ob meine Kardinalsbrüder fast bis zum Ende der Welt gehen mussten, aber wir sind nun hier. Ich danke euch für den Empfang", waren seine ersten Worte (Lesen Sie hier die Reportage dazu).
Franziskus muss bereits eine Reihe von Terminen vorbereiten. So empfängt er am Nachmittag in der Sixtinischen Kapelle alle Kardinäle, die in Rom sind, darunter die 114 anderen Purpurträger, die am Konklave teilnahmen. Es wird erwartet, dass sich Franziskus dabei zu den Grundlinien seines Pontifikats äußern wird.
Am Sonntagmittag gegen 12 Uhr will sich der Pontifex den Gläubigen auf dem Petersplatz für das traditionelle Angelus-Gebet zeigen. Am kommenden Dienstag soll Franziskus mit einer Messe im Petersdom feierlich in sein Pontifikat eingeführt werden. In dieser Messe um 9.30 Uhr erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium (eine Art Stola) und den Fischerring. Zu dem Gottesdienst werden Staatschefs und andere führende Persönlichkeiten erwartet.
Entgegen ersten italienischen Medienberichten soll am Mittwoch doch keine Generalaudienz stattfinden. Stattdessen wolle der neue Papst Vertreter anderer Kirchen und Religionen empfangen, meldete Radio Vatikan.
Die erste große Auslandsreise könnte Franziskus im Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro in Brasilien führen. Allerdings geht der neue Papst nach Angaben des Weihbischofs von Buenos Aires, Eduardo García, nicht gerne auf Reisen.
wit/dpa/AP/AFP/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Papst Franziskus | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH