Katholische Kirche Papst Franziskus spricht deutsche Nonne und Vorgänger Paul VI. heilig

Papst Franziskus hat sieben Katholiken in den Stand der Heiligen erhoben. Zu ihnen gehören eine deutsche Nonne und sein Vorgänger Paul VI. Ein prominenter Deutscher fehlte bei der Zeremonie.


Bei einer Messe auf dem Petersplatz in Rom hat Papst Franziskus sieben Katholiken heilig gesprochen - unter ihnen der wegen seines Verbots der Antibabypille umstrittene frühere Papst Paul VI., der ermordete salvadorianische Erzbischof Óscar Romero und die deutsche Ordensfrau Maria Katharina Kasper.

Reliquien der Heiligen wurden zum Altar gebracht, darunter ein Knochensplitter Romeros und ein Hemd, das Paul VI. 1970 bei einem Messerattentat am Flughafen von Manila getragen hatte.

Franziskus nutzte die Heiligsprechung, um Geldgier und Machtstreben anzuprangern. "Wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen", sagte Franziskus bei der Messe vor rund 70.000 Gläubigen. Reichtum sei "gefährlich". "Das Problem liegt auf unserer Seite: unser Zuviel-Haben, unser Zuviel-Wollen erstickt unsere Herzen und macht uns unfähig zu lieben." Die Menschen müssten "die Sehnsucht nach Status und Macht" loslassen. Alle der insgesamt sieben Heiliggesprochenen stünden für den Einsatz der Kirche für die Armen, wie er auch Franziskus am Herzen liegt.

Maria Katharina Kasper (1820-1898) stammte aus einer Bauernfamilie im Westerwald. 1845 rief sie mit weiteren Frauen aus ihrem Dorf Dernbach einen Verein ins Leben. Die Dernbacher Schwestern kümmerten sich um Alte und Kranke. Später wurde der Verein in eine religiöse Genossenschaft umgewandelt.

1870 erkannte der Vatikan die Vereinigung als Gemeinschaft der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" an. Die Kongregation wurde ihrer Gründerin unterstellt. Kasper wurde bereits 1978 selig gesprochen - von Papst Paul VI., der am selben Tag wie die deutsche Nonne in den Heiligenstand erhoben wurde.

Die Wandteppiche der sieben Katholiken
DPA

Die Wandteppiche der sieben Katholiken

Paul VI. war von 1963 bis 1978 Pontifex. Er beendete erfolgreich das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das als wegweisend für die Erneuerung der Kirche gilt. Bekannt ist er vor allem, weil er am strikten Verbot der Verwendung künstlicher Verhütungsmittel wie der Pille festhielt.

Paul VI. war zudem das erste katholische Kirchenoberhaupt, das - ähnlich wie Franziskus heute - den Prunk des Papsttums ablehnte. So legte er die Tiara, die traditionelle Papstkrone, kurz nach seiner Wahl ab und spendete deren Gegenwert für die Armen. Als erster Papst hielt er zudem wöchentliche Generalaudienzen auf dem Petersplatz ab und bereiste alle Kontinente, um mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen.

Romero, den 1980 ein Mitglied einer rechtsgerichteten Todesschwadron am Altar erschoss, gilt als Märtyrer der katholischen Kirche. Er setzte sich für die Armen ein und brachte damit die reichen Eliten und das Militär in El Salvador gegen sich auf. Seine Ermordung gilt als Auslöser eines brutalen Bürgerkriegs in dem lateinamerikanischen Land. Romero habe "auf weltliche Absicherungen, ja auf seine eigene Sicherheit verzichtet", um den Armen nahe zu sein, so der Argentinier Franziskus.

Papst Benedikt XVI. fehlte bei der Zeremonie

Konservative Gruppen im Vatikan hatten sich lange gegen die Erhebung des ermordeten Erzbischofs in den Heiligenstand gewehrt. Doch 2015 machte Franziskus den Weg zur Seligsprechung frei.

Im Gegensatz zu vorherigen Heiligsprechungen fehlte der emeritierte Papst Benedikt XVI. bei der Zeremonie. Der 91-Jährige sei nicht mehr so "agil" wie noch vor einigen Monaten, hieß es aus dem Vatikan. Dafür besuchte ihn Franziskus am Vorabend. Paul VI. hatte Joseph Ratzinger einst zum Kardinal ernannt.

sen/dpa/AFP



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