"Licht des Glaubens" Vatikan veröffentlicht erste Enzyklika von zwei Päpsten

In Rom ist die Enzyklika von Papst Franziskus und Benedikt XVI. veröffentlicht worden. In der Lehrschrift mit dem Titel "Licht des Glaubens" bestärkt das Kirchenoberhaupt die theologische Haltung seines Vorgängers.

REUTERS/ Osservatore Romano

Rom - Premiere in der Geschichte der katholischen Kirche: Erstmals haben zwei Päpste eine gemeinsame Enzyklika veröffentlicht. Diese Lehrschrift ist das wichtigste päpstliche Schreiben und soll der Glaubensgemeinschaft als Wegweiser dienen. Benedikt VXI. hatte das Werk begonnen, Papst Franziskus vollendete es.

In der Enzyklika mit dem Titel "Licht des Glaubens" ("Lumen Fidei") befassen sich Papst Franziskus und sein Vorgänger mit dem Thema "Glauben". Das Licht des Glaubens könne das gesamte Sein des Menschen erleuchten, heißt es in der Einleitung. Glaube sei eine Geschenk Gottes, "wer glaubt, sieht." Sie schreiben, es sei unmöglich, nur für sich selbst zu glauben. "Der Glaube ist keine Privatsache, keine individualistische Auffassung, keine subjektive Meinung."

Aus der 82 Seiten langen Lehrschrift geht hervor, dass Franziskus der theologischen Haltung seines Vorgängers folgt. Die Enzyklika war mit Spannung erwartet worden: Benedikt XVI. war im Februar zurückgetreten und hatte seine vierte Enzyklika nicht mehr abschließen können.

Unterzeichnet wurde die Enzyklika nur von Franziskus, Benedikt habe jedoch viel zu dem Werk beigetragen. "Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar", schreibt Franziskus. "In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge." Die neue Enzyklika sei eine Fortführung der vorherigen Enzykliken Benedikts zur Liebe und zur Hoffnung.

Franziskus und Benedikt XVI. bekräftigen darin das katholische Verständnis der Ehe als Bund von Mann und Frau. Zudem wird betont, dass der Glaube an Gott dem Allgemeinwohl dienen solle und Christen nicht "arrogant" sein dürften, sondern "demütig" sein sollten. Der Glaube werde "in der Form des Kontakts von Person zu Person weitergegeben, wie eine Flamme sich an einer anderen entzündet", heißt es in dem Text.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte es als "bemerkenswertes Zeichen, dass Papst Franziskus bei aller Verschiedenheit der beteiligten Personen und Charismen großzügig von seinem Vorgänger die Ausarbeitung in der Substanz übernommen hat". Dies sage für die Kontinuität der Lehre in der Kirche und über die enge Zusammengehörigkeit beider viel aus, heißt es in einer Erklärung. "So fügen sich beide Pontifikate gut zusammen."

Die bisher letzte Enzyklika wurde 2009 von Benedikt XVI. veröffentlicht. Darin befasste er sich kritisch mit der Globalisierung und den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise.

gam/dpa/Reuters/AP



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