Angebot an Papst Franziskus Das Eine-Million-Dollar-Fasten

Aktivisten wollen eine Million US-Dollar spenden - wenn Papst Franziskus sich in der Fastenzeit vegan ernährt. Das Gesicht der Kampagne ist eine zwölfjährige Tierschützerin. Was steckt dahinter?

Papst Franziskus
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Es klingt nach einem lukrativen Anreiz für eine Diät: Aktivisten haben eine Kampagne gestartet, in der sie Papst Franziskus eine Million US-Dollar für einen wohltätigen Zweck seiner Wahl bieten - sollte das Oberhaupt der katholischen Kirche sich während der bald anbrechenden Fastenzeit 40 Tage lang vegan ernähren.

Einer Pressemitteilung zufolge soll die Kampagne "auf die verheerenden Auswirkungen der industriellen Tierhaltung" aufmerksam machen - im Hinblick auf "Erderwärmung", "Abholzung", "Artensterben" und "das Leiden von Milliarden von Tieren".

Papst Franziskus, an den sich die Kampagne "Million Dollar Vegan" richtet, hat sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch zu ökologischen Themen geäußert; zum Beispiel in seiner Enzyklika aus dem Jahr 2015, in der er den Klimawandel "eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit" nannte, oder in einer Rede vor den Vereinten Nationen im selben Jahr, in der er sagte: "Jede Schädigung der Umwelt ist eine Schädigung der Menschheit."

Paul McCartney und Joaquin Phoenix, Emma Schweiger und Nena

Hinter "Million Dollar Vegan" stehen die britischen Eheleute Matthew Glover und Jane Land, die 2014 schon die Kampagne "Veganuary" gründeten, "deren selbsterklärtes Ziel es ist, Menschen zu motivieren, im Januar einen Monat lang vegan zu leben", wie es auf der Homepage heißt.

Die eine Million US-Dollar soll von der "Blue Horizon International Foundation" gestiftet werden, einem gemeinnützigen Teil der "Blue Horizon Corporation", die in Firmen investiert, die pflanzliche Lebensmittel produzieren. Ziel der Foundation sei es, "die Entfernung von Tieren aus der globalen Nahrungskette" zu beschleunigen, heißt es auf der Internetseite.

Unterstützt wird die Kampagne von einigen Prominenten, darunter der Ex-Beatle Paul McCartney und der Hollywoodschauspieler Joaquin Phoenix oder deutsche Stars wie die Sängerin Nena und die Schauspielerin Emma Schweiger.

Kämpferisch und doch Sinnbilder der Unschuld

Die Kampagne bedient sich dabei eines Phänomens, das die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg kürzlich mit ihrem lauten Engagement für den Klimaschutz ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat: dem der Kinder-Aktivisten, junger Menschen, die kämpferisch und doch wie Sinnbilder der Unschuld wirken. Das Gesicht von "Million Dollar Vegan" nun ist die zwölfjährige US-Amerikanerin Genesis Butler.

Eine gedruckte Anzeige zur Kampagne, heute etwa ganzseitig in der "Süddeutschen Zeitung" erschienen, ist als offener Brief aufgebaut, unter dem in einer leicht krakeligen Kinderschreibschrift, mit dickem Punkt über dem "i", Butlers Unterschrift steht. Im Brief heißt es: "Eure Heiligkeit, wir müssen handeln. Jeder Schritt in Richtung einer pflanzlichen Ernährung wirkt sich positiv auf die Umwelt aus, schützt die Böden, die Wälder, die Ozeane und die Luft und trägt dazu bei, von Hunger bedrohte Menschen zu versorgen." Butler wird neben dem Text mit einem Ganzkörperfoto gezeigt, sie blickt, irgendwo zwischen Skepsis und Hoffnung, in Richtung des Wortes "Franziskus".

"Million Dollar Vegan"-Anzeige
Million Dollar Vegan

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Wer ist dieses Mädchen?

Genesis Butler stammt aus Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien, sie soll Veganerin sein, seit sie sechs Jahre alt ist, und ihre Familie davon überzeugt haben mitzumachen. Ein paar Jahre zuvor habe sie ihre Mutter gefragt, "woher wir unsere Chicken Nuggets haben", wie sie dem "Guardian" sagte. "Ich war am Boden zerstört. Ich sagte ihr, dass ich nie wieder Fleisch essen möchte. Aber ich liebe immer noch Chicken Nuggets - die vegane Version."

Butler nahm an Protesten gegen Tierquälerei teil, vor Kurzem startete unter ihrem Namen die Organisation "Genesis for Animals", die, so steht es auf der Homepage mit Huhn- und Pferdesilhouetten im Hintergrund, "die Finanzierung von Schutzgebieten und Rettungskräften übernehmen" soll, "die Tieren ein dauerhaftes Zuhause bieten". Als Zehnjährige hielt Butler gestenreich, von einem Fuß auf den anderen wippend, einen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "TED Talks" darüber, wie Veganismus dabei helfen solle, "einen Großteil des Schadens, den wir der Erde zugefügt haben, zu stoppen".

Minderjährige als Sprachrohr?

Die "Million Dollar Vegan"-Kampagne ist ein Appell an die Moral, der zusätzlich moralische Fragen aufwerfen kann: Eine Zwölfjährige als Gesicht einer von Erwachsenen gegründeten Kampagne, eine minderjährige Person als verlängertes Sprachrohr politischer und wirtschaftlicher Interessen?

"Es ist wirklich ihr eigener Wille, Genesis Butler steht voll und ganz hinter der Kampagne", sagt Ria Rehberg, eine Pressesprecherin von "Million Dollar Vegan", auf Anfrage des SPIEGEL. "Und ich denke: Wieso sollten wir Kindern nicht die Möglichkeit geben, auch ein Sprachrohr zu sein? Es sind ja gerade sie, die betroffen sein werden."

In einem Interview mit der britischen "Vegan Society" aus dem Jahr 2016 wird Genesis Butler mit den Worten zitiert: "Ich will, dass die ganze Welt vegan wird - und ich weiß, dass ich es schaffe." Der Papst wäre doch schon mal nicht schlecht.

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