Erinnerungen an Franziskus: "Als Kind ein kleiner Teufel"

Franziskus: Die Jugendjahre des Papstes Fotos
AP/ Courtesy of Sergio Rubin

Mit zwölf Jahren soll er um die Hand seiner Freundin angehalten haben: Weggefährten plaudern über die Kindheit und Jugend des neuen Papstes. Demnach war Franziskus in jungen Jahren nicht immer einfach - hatte aber stets Humor. Den soll er auch im Konklave bewiesen haben.

Rom - In den ersten Stunden als Papst hat Franziskus bereits angedeutet, dass er sich im Stil erheblich von seinem Vorgänger unterscheiden dürfte. Das begann offenbar direkt nach seiner Wahl im Konklave. In dem wohl größten Moment seines Lebens habe Franziskus Sinn für Humor gezeigt, verriet ein spanischer Kardinal: "Möge Gott euch vergeben, was ihr getan habt", soll der neue Papst zu den Kardinälen gesagt haben. Dies berichtet der Spanier Carlos Amigo laut der Madrider Online-Zeitung elmundo.es.

Ähnliche Gedanken hegte offenbar auch Franziskus' Schwester María Elena Bergoglio. Sie habe sich vorgestellt, wie der bescheidene Jorge sich gefühlt habe, bevor er am Mittwochabend auf den Balkon des Petersdoms getreten sei. "Armer Kerl", habe sie gedacht.

Sie sei überwältigt gewesen, sagte die 65-Jährige Reportern vor ihrem Haus am Stadtrand von Buenos Aires. "Ich habe geweint, als ich das hörte, konnte kein Wort sagen. Jetzt möchte ich ihn nur umarmen." Der neue Papst ist das älteste von fünf Geschwisterkindern, drei Jungen und zwei Mädchen.

Die Schwester gab auch einen Einblick, wie der neue Papst als Kind war. Ihr elf Jahre älterer Bruder habe stets seine Pflicht erfüllt und immer Verantwortung übernommen. Aber dass er einmal Oberhaupt der katholischen Kirche werden sollte, habe sie "nie gedacht". Was er nun in diesem Amt tun werde, könne sie nicht sagen, doch ihr Bruder habe sich stets für die "Armen und Ausgegrenzten" eingesetzt.

"Dieses Haus werde ich kaufen, wenn wir heiraten"

Weniger Schmeichelhaftes hatten andere Kindheitsgefährten des neuen Papstes zu berichten. Nach den Worten einer Nonne an seiner damaligen Schule war er ein lebhaftes Kind - "ein Teufel, ein kleiner Teufel, wie jeder Junge", sagte Schwester Martha Rabino, die heutige Leiterin von Bergoglios katholischer Schule in Buenos Aires. "Wer hätte damals gedacht, dass er einmal Papst wird?"

Bergoglio habe seine erste Lehrerin bis zu deren Tod regelmäßig besucht, sagte Rabino. Schwester Rosa starb im vergangenen Jahr im Alter von 101 Jahren. Er habe sie stets gefragt, wie er als Kind war. Schwester Rosa habe gesagt: "Du warst ein Teufel. Hast du dich gebessert?", woraufhin Bergoglio gelacht habe.

Eine Argentinierin, die ebenso wie Papst Franziskus 76 Jahre alt ist, berichtete im argentinischen Fernsehen von ihrer Kindheitsfreundschaft zum heutigen Papst. Sie seien zehn bis zwölf Jahre alt gewesen, als Bergoglio um ihre Hand angehalten habe, berichtete die Frau namens Amalia.

Der junge Jorge habe ein weißes Haus mit einem roten Dach gezeichnet und dazugeschrieben: "Dieses kleine Haus werde ich kaufen, wenn wir heiraten." Ihre Eltern seien schockiert gewesen und hätten sie von dem Jungen ferngehalten, berichtete Amalia. Ihre Mutter habe den Brief zerrissen. Bergoglio habe damals gesagt: "Wenn ich nicht heirate, werde ich Priester." Zehn Jahre nach dem Vorfall mit dem Brief war er im Priesterseminar - und nun, einige Jahrzehnte später, ist er Papst.

Straffes Programm am Wochenende

Am Freitag - Tag zwei nach seiner Wahl - kommt Franziskus noch einmal mit allen Kardinälen in Rom zusammen. Das Treffen im Vatikan habe einen eher familiären Charakter, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.

In den kommenden Tagen erwartet den 76-Jährigen ein straffes Programm. Am Samstag will er sich mit Medienvertretern treffen. Am Sonntag spricht er sein erstes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Dazu werden Tausende Gläubige erwartet. Für kommenden Dienstag ist seine Amtseinführung geplant. Dann soll er die Insignien der päpstlichen Macht erhalten: das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring.

Zu dem Gottesdienst werden Staats- und Regierungschefs und andere Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet, darunter Kanzlerin Angela Merkel und die Präsidentin seines Heimatlandes, Cristina Fernández de Kirchner. Sie hatte zu Franziskus - bisher Erzbischof von Buenos Aires - ein eher gespanntes Verhältnis, weil er oft gegen die Regierungspolitik bei Homo-Ehe oder Abtreibungsrecht Front machte.

ulz/AFP/dpa

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