Neues Dezernat im Vatikan Papst Franziskus will Vertuschung von Kindesmissbrauch ahnden

Papst Franziskus hat eine neue Struktur im Vatikan geschaffen, um die Verschleierung von Missbrauchsfällen einzudämmen. In Zukunft sollen Bischöfe wegen Amtsmissbrauchs belangt werden können, die nicht adäquat gegen mutmaßliche Straftaten vorgehen.

Papst Franziskus: Die Reformen im Vatikan gehen weiter
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Papst Franziskus: Die Reformen im Vatikan gehen weiter


Papst Franziskus kämpft weiter beharrlich gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche - und gegen das systematische Verschweigen der Taten, die in der Vergangenheit so viel Leid bei den Opfern verursacht haben (Lesen Sie hier eine ausführliche Chronik des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche).

Am Mittwoch hat der Pontifex eine neue juristische Abteilung ins Leben gerufen, die gegen Bischöfe vorgehen darf, die sich nicht ausreichend um Aufklärung von Verdachtsfällen bemühen. Das Dezernat ist in der Glaubenskongregation angesiedelt, an seiner Spitze wird ein Erzbischof stehen.

Die Kommission soll aus 17 Klerikern aus der ganzen Welt bestehen. Sie sollen unter anderem einen Katalog von Präventivmaßnahmen für die Diözesen entwerfen und einen "Prozess der Heilung" anstoßen. Acht Mitglieder der neuen Abteilung sind Frauen.

Franziskus nahm fünf Vorschläge der Kinderschutzkommission im Vatikan an, unter anderem die Forderung, dass bischöflicher Amtsmissbrauch in Zukunft eine kirchenrechtlich strafbare Handlung sein soll. Das bedeutet in der Praxis, dass Bischöfe belangt werden können, wenn sie Vorwürfen von Kindesmissbrauch oder -misshandlung nicht adäquat nachgehen.

Opfervertreter hatten den Vatikan seit Jahren gedrängt, endlich etwas gegen die Vertuschung solcher Verbrechen zu unternehmen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bestätigte gegenüber Journalisten, dass Bischöfe in Zukunft auch belangt werden können, wenn sie keine Maßnahmen ergreifen, um sexuellen Missbrauch zu verhindern.

Beschwerden gegen untätige Bischöfe waren in der Vergangenheit je nach Zuständigkeit von insgesamt drei Vatikan-Behörden untersucht worden, bevor sie der Glaubenskongregation zur Entscheidung übergeben wurden.

ala/Reuters

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