Papst in der Synagoge: "Reiches gemeinsames Erbe"

Benedikt XVI. will in seinem Pontifikat die Beziehungen der katholischen Kirche zum Judentum verbessern. "Wir müssen uns noch viel mehr und viel besser gegenseitig kennenlernen", sagte der Papst bei seinem historischen Besuch der Kölner Synagoge.

Köln - "Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen." Nur so werde es möglich sein, zu einer "beiderseits akzeptierten Interpretation noch strittiger historischer Fragen zu gelangen", sagte der Pontifex.

Katholiken und Juden seien durch ihr "reiches gemeinsames Erbe" verpflichtet, auch praktisch zusammenzuarbeiten. Papst Benedikt XVI. nannte dabei die Verteidigung und Förderung der Menschenrechte, Arbeit für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt.

Der Besuch in der Synagoge an der Roonstraße ist der erste Synagogen-Besuch eines Papstes außerhalb Roms. Benedikt XVI. ging in seiner Ansprache auch auf die Judenvernichtung während des Zweiten Weltkriegs durch die Nazis ein. Dabei sprach er von der "dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte".

Benedikt XVI. sagte, die erneut aufkommenden Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit seien ein Grund zur Sorge und zur Wachsamkeit. Aus diesem Grunde wolle er betonen, dass die katholische Kirche für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden unter allen Völkern, Kulturen und Religionen eintrete.

Enttäuscht hatte der Papst zuvor mehrere Tausend Bonner Bürger. Sie hatten sich an der Adenauerallee vor der Einfahrt zur Villa Hammerschmidt eingefunden, wo Joseph Ratzinger mit Bundespräsident Horst Köhler zusammentraf. Vergeblich warteten sie hinter Absperrgittern darauf, dass der Papst vom Protokoll abweichen und seine gepanzerte Limousine verlassen würde. Der Papst rauschte mit seiner Wagenkolonne an der jubelnden Menge vorbei und winkte den Menschen zu. Auch Spruchbänder wie "Bonn will seinen Papst sehen" und "Sprich zu uns" hatten kein Erfolg.

"Ich bin sehr enttäuscht, dass der Papst nicht aus seinem Auto gekommen ist und sich uns kurz gezeigt hat", sagte die 56-jährige Bonnerin Gudrun Deblon. "Wir hatten auf einen kurzen Gruß oder einen Segen gehofft."

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