Papst in Köln Die Flusspredigt

Hunderttausende Pilger jubelten ihm bei seiner Tour durch Köln zu, schwenkten Fahnen, hörten gebannt seine Worte. Papst Benedikt nutzte die Gelegenheit, um von einem Schiff im Rhein aus seine Botschaft zu verkünden. "Reißt euer Herz auf für Gott!", rief er den Gläubigen am Ufer zu.


Papst Benedikt auf dem Rhein: Gruß vom Schiff aus an Zehntausende Pilger
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Papst Benedikt auf dem Rhein: Gruß vom Schiff aus an Zehntausende Pilger

Köln - Tausende Teilnehmer des Weltjugendtages und Schaulustige säumten die Straßenränder und das Rheinufer. Begeistert schwenkten sie Fahnen und hielten ihre Fotoapparate in die Höhe, um ein Bild von dem Kirchenoberhaupt zu machen. Immer wieder waren Jubel, rhythmisches Klatschen und "Benedetto"-Rufe zu hören. Es herrschte ausgelassene Stimmung, viele hatten schon seit Stunden darauf gewartet, einen Blick auf den Papst zu erhaschen.

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Jubel in Köln: Der Papst kütt

Zunächst hatte sich der Pontifex an Bord eines Rheinschiffes begeben, das am Stadtteil Poll stoppte. In seiner abwechselnd auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch gehaltenen Rede forderte Benedikt die Jugendlichen auf, sich auf christliche Werte zu besinnen. "Reißt euer Herz weit auf für Gott, lasst euch von Christus überraschen", rief das Oberhaupt den Pilgern zu.

Nach der Bootsfahrt ging der Papst in der Innenstadt wieder an Land, stieg ins Papamobil und fuhr zum Kölner Dom. Auch auf dem Roncalli-Platz südlich des Domportals warteten die Menschen bereits den ganzen Tag. Ein Fahnenmeer beherrschte das Areal. Wer es nicht mehr geschafft hatte, einen Platz zu ergattern, von dem er den Papst persönlich sehen konnte, musste sich mit einer der zahlreichen Leinwände begnügen, die an allen wichtigen Orten der Stadt aufgebaut waren. Als der Pontifex erneut das Wort an die Menge richtete, brandete tosender Applaus auf.

Auch auf dem Weg in sein Nachtquartier begleiteten begeisterte Massen den Heiligen Vater. Im Schritttempo fuhr der Papst durch die Innenstadt bis zur erzbischöflichen Residenz. Kardinal Joachim Meisner hat dem Pontifex für die Zeit seines Aufenthaltes in Köln seine Privatgemächer zur Verfügung gestellt.

"Schlimmer als Karneval"

Der Papsttrubel stürzte Köln heute in ein Verkehrschaos. Wer in die Stadt wollte, brauchte viel Geduld. Trotz zahlreich eingesetzter Sonderzüge und S-Bahnen bestimmten bereits in den frühen Morgenstunden überfüllte Wartehallen, Gleise und Haltestellen das Stadtbild. "Ist ja schlimmer als Karneval", gaben vor allem gebeutelte Berufspendler stöhnend von sich. Rund 400 zusätzliche Züge hatte die Bahn heute neben dem Regelverkehr eingesetzt, auch Fernzüge durften die Pilger nutzen. Mehr als tausend Mitarbeiter versuchten, in Köln und an den Verkehrsknotenpunkten in Leverkusen, Düsseldorf oder Duisburg die Pilgermassen zu lenken.

In Köln selbst war in Zentrumsnähe ein Vorankommen mit den Auto nahezu unmöglich. Bereits am Vormittag begann die Polizei die Innenstadt rund um den Kölner Dom und die Rheinbrücken für den Besuch des Papstes abzusperren. Während der Fahrt des Papstes vom Flughafen Köln/Bonn in die Innenstadt durften auch Teile der Autobahnen 3, 59 und 4 für eine halbe Stunde nicht befahren werden.

"Es ist einfach eine gelassene Partystimmung", beschrieb Malteser-Sprecherin Claudia Kaminski die Gemütsverfassung der Pilgermassen. Sorgen bereiteten ihr und den rund 430 Helfern des Sanitätsdienstes allerdings die sommerlich heißen Temperaturen.

"Viele essen und trinken zu wenig, stehen aber den ganzen Tag in der Sonne, um sich einen Platz auf der Domplatte oder am Rheinufer für den Papst-Besuch zu reservieren. Da sind Kreislaufzusammenbrüche programmiert." Um dieser Gefahr zumindest auf den überfüllten Bahnhöfen zu begegnen, wurden verstärkt Traubenzucker und Wasser an die Pilger verteilt. Der Menschenstau, der gestern dazu geführt hatte, dass Dutzende von Pilgern am Kölner Hauptbahnhof medizinisch behandelt werden mussten, "soll bestimmt nicht wieder vorkommen", erklärte ein Bahnsprecher.

Alexander Schwabe, Daniela Pegna (AP)

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