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Papst über Mafiosi: "Sie sind exkommuniziert"

Es sind die schärfsten Worte eines Papstes gegen die Mafia seit 20 Jahren: Bei einem Besuch in Kalabrien hat Franziskus die kriminellen Clans hart kritisiert. Vor allem das Leid von Kindern prangerte das Kirchenoberhaupt an.

Papst Franziskus: "Kein Kind darf durch die Mafia sterben" Zur Großansicht
AFP

Papst Franziskus: "Kein Kind darf durch die Mafia sterben"

Rom - Papst Franziskus hat die italienische Mafia scharf kritisiert. "Jene, die in ihrem Leben dem Pfad des Bösen in solch einer Form folgen wie es die Mafiosi tun, leben nicht in Verbundenheit mit Gott. Sie sind exkommuniziert", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche an diesem Samstag vor Zehntausenden Menschen im italienischen Sibari. "Dieses Übel muss bekämpft werden, es muss aus dem Weg geschafft werden. Wir müssen Nein dazu sagen." Die Kirche werde ihre ganze Kraft einsetzen, um Organisierte Kriminalität zu bekämpfen.

Das sind die schärfste Worte eines Papstes gegen die Mafia seit der Kritik von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1993. Schon im März hatte Franziskus Mafiosi zur Umkehr aufgefordert.

Viele Bereiche in Italien sind von der Mafia dominiert, Politiker werden bedroht. Die drei wichtigsten kriminellen Organisationen - die 'Ndrangheta aus Kalabrien, die Cosa Nostra aus Sizilien und die Camorra aus Neapel - haben nach Uno-Schätzungen zuletzt einen Umsatz von insgesamt 116 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Gewaltsamer Tod eines dreijährigen Kindes

Der Papst prangerte nun insbesondere das Leiden von Kindern unter der Mafia an. Bei seinem Besuch in einem Gefängnis bei Cassano allo Ionio in Kalabrien sagte Franziskus am Samstag, nie mehr dürfe ein Kind durch die Hände der Mafia sterben. Er bezog sich auf den gewaltsamen Tod des dreijährigen Nicola "Coco" Campolongo, dessen brutale Ermordung im Januar landesweit für Empörung gesorgt hatte.

"Niemals wieder darf ein Kind solche Qualen erleiden", sagte der Papst. Die Leiche des Kleinkindes war zusammen mit dem toten Großvater und dessen Lebensgefährtin in einem ausgebrannten Auto entdeckt worden. Hintergrund der Tat waren Streitigkeiten zwischen Mafia-Clans. Unter den Gefangenen in der Haftanstalt Castrovillari sind zahlreiche Mafia-Mitglieder. Auch der Vater "Cocos" ist wegen Drogendelikten in dem Gefängnis inhaftiert. Die Mutter saß während der Bluttat ebenfalls in Haft, steht inzwischen aber unter Hausarrest.

Es war der erste Besuch des Papstes in Kalabrien, einer der ärmsten italienischen Regionen. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein Gespräch mit rund 200 Häftlingen. Es sei sein Anliegen, die "Nähe des Papstes und der Kirche gegenüber allen Männern und Frauen, die im Gefängnis sind, in allen Teilen der Welt" zum Ausdruck zu bringen, sagte Franziskus. Auch er mache "Fehler" und müsse "Buße tun". Zugleich betonte er die Bedeutung der Aufgabe einer gesellschaftlichen Reintegration von ehemaligen Straftätern.

Seit seinem Amtsantritt besuchte Franziskus bereits mehrfach Gefängnisse. Eine Messe, zu der rund 100.000 Gläubige erwartet wurden, sollte den Besuch in Kalabrien abschließen.

cpa/afp/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 144 Beiträge
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1. Was gibts da zu diskutieren?
Petersbächel 21.06.2014
Wo der Herr recht hat, hat er recht. Die Mafia mitsamt ihren Gehilfen ist das Hinterletzte und Feigste, was man sich denken kann. Eklige Menschen, die Schwache ausnutzen und unterdrücken. Zu doof und zu faul, selbst was zu arbeiten. Sorry, mir schwillt der Kamm, wenn ich die Werbung für "Der Pate" sehe.
2. Der Papst ist wieder Mensch geworden!
amalthea62 21.06.2014
Ich mag diesen Papst! Ich glaube daran, dass er behutsam die Kirche aus dieser mittelalterlichen Erstarrung holt. Ich selbst glaube nicht an die Kirche, aber an einen Gott. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass die Kirchen über die Caritas und die Diakonie in vielen verschiedenen Bereichen den Menschen hilft! Zudem bin ich der Meinung, dass in einer wertarmen Gesellschaft gerade durch Vorbilder wieder Werte geschaffen werden müssen, denn wir leben nicht auf einer Insel, wo jeder sein kann wie er will, sondern müssen miteinander auskommen!
3.
shardan 21.06.2014
Meinen Respekt! Dieser Papst wird mir - so wenig ich die Amtskirchen ausstehen kann - immer sympathischer.
4. Ein richtige Wort
marnix 21.06.2014
Ein Papst der Stellung bezieht und die Verbrecher anprangert anstatt die Kurie auf Biegen und brechen zu schützen. Der Mann tut der Kirche und der Welt gut. Es kommt selten vor, aber von DIESEM Kirchenmann bin ich beeindruckt!
5. Mafia und kath. Kirche..
voalli 21.06.2014
Haben jahrzehntelang Hand in Hand gearbeitet. Die Vatikanbank wurde von der Mafia immer gern zur Geldwäsche genutzt. Franziskus ist sehr mutig. Hoffentlich stirbt er nicht plötzlich.
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