Papst-Rückzug ins Kloster: Allein mit sieben Frauen 

Nach seinem Rücktritt wird Benedikt XVI. umziehen: Erst geht es in die päpstliche Sommerresidenz nach Castel Gandolfo, dann in ein Kloster im Vatikan - sobald dort die Handwerker fertig sind.

Umzugspläne des Papstes: Erst Castel Gandolfo, dann Kloster Fotos
imago

Rom - Seeblick, klare Luft und sattgrüne Hügel - was Papst Benedikt XVI. bislang als Ferienresidenz kennt, wird nun sein Zuhause auf Zeit: Der Noch-Pontifex wird nach seinem Rücktritt am 28. Februar für eine Weile in den päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo ziehen, keine 30 Kilometer von Rom entfernt. Es ist eine Übergangslösung, bevor er seine nächste Station erreicht, in den Vatikan zurückkehrt - und sich dort in ein Kloster zurückzieht.

Wie er die Zeit dort verbringen wird? Benedikt habe "oft gesagt, er wolle seine Zeit dem Gebet, dem Nachdenken und eventuell dem Schreiben" widmen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Bevor er jedoch im Vatikanischen Kloster einziehen könne, müssten noch Umbauarbeiten abgeschlossen werden.

Laut den italienischen Zeitungen "Il Sole 24 Ore" und "Il Messagero" handelt es sich dabei um das Klausurkloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten. Es befindet sich auf einem Hügel an der Leoninischen Mauer, einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, die in der Zeit von 847 bis 855 errichtet wurde, um den Petersdom vor Angriffen der Sarazenen zu schützen.

Gegründet hat das Kloster Papst Johannes Paul II. Er eröffnete es am 13. Mai 1994, als sich das Attentat auf seine Person zum 13. Mal jährte. Die Idee war, innerhalb des Vatikans einen Ort zu schaffen, an dem sich wechselnde Bewohner "dem fortwährenden Gebet für Papst und Weltkirche widmen", wie Radio Vaticana auf seiner Webseite schreibt.

"Er wird in keiner Weise eingeschlossen sein"

Bei den Bewohnern handelt es sich um sieben Frauen, die jeweils aus einem katholischen Orden, aber aus unterschiedlichen Ländern kommen. Sie sollen symbolisch die Weltkirche abbilden. Fünf Jahre lang bleibt die internationale Nonnen-Wohngemeinschaft jeweils in der Mater Ecclesiae wohnen. Bisher haben Schwestern aus vier unterschiedlichen Orden ihre Dienste verrichtet: Zwischen 1994 und 1999 waren es die Klarissen, dann die Karmelitinnen, später die Benediktinerinnen und seit 2009 die Salesianerinnen. Sie verbringen einen Großteil des Tages im Gebet, halten geistliche Lesungen und widmen sich spirituellen Themen.

Doch die Dienerinnen Gottes sind nicht nur zum Beten in der Mater Ecclesiae. Sie kümmern sich auch um den weißen Talar des Papstes und um die Obst- und Gemüseanlagen der Vatikanischen Gärten. Anbauen, ernten, Unkraut jäten - das gehöre auch zu den Aufgaben der Klosterbewohnerinnen, wie eine scheidende Äbtissin einmal in einem Interview mit "Radio Vaticana" sagte. Zweimal in der Woche hätten sie die Früchte dem Papst geschickt und ihm auch selbstgemachte Orangenmarmeladen sowie typisches Gebäck aus den jeweiligen Heimatländern geschenkt. Die Gartenarbeit ist der einzige Moment, an dem die Nonnen unter freiem Himmel sind.

Wie Vatikan-Sprecher Lombardi in einer Pressekonferenz klarstellte, wird Joseph Ratzinger bei seinem Aufenthalt im Vatikan-Kloster nicht "in Klausur" sein, also nicht hinter verschlossenen Türen leben. "Er wird in keiner Weise eingeschlossen sein", sagte er, "sondern seine normalen Freiheiten haben". Konkretere Angaben zu dem, was Ratzinger ganz konkret tun wird, konnte Lombardi nicht machen. "Sicherlich ist es eine unbekannte Situation, wir werden sehen, wie er das erleben wird."

Das Kloster befindet sich nach Angaben der italienischen "Vanity Fair" in einem vierstöckigen Gebäude, das vor knapp 20 Jahren auf den Fundamenten der früheren Vatikanischen Gendarmerie errichtet wurde. Auf der zweiten und dritten Etage sind die zwölf Zimmer der Nonnen, im Erdgeschoss Gemeinschaftsräume wie der Speisesaal, die Küche und ein Büro.

Papst Benedikt XVI. hatte am Montagvormittag bekanntgegeben, sein Pontifikat am 28. Febrar niederzulegen (hier die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll). "Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten", hatte er gesagt (hier geht es zu seiner Erklärung im Wortlaut). In Zukunft wolle er der Heiligen Kirche Gottes durch ein Leben im Gebet dienen.

jus/dpa

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1. Klausur im Kloster
realpolitiker 11.02.2013
In einem Fernsehbeitrag wurde Benedikt als kirchlich reaktionär und sehr konservativ bewertet. Wenn das wirklich stimmt, ist sein freiwilliger Rücktritt - der zweite Rücktritt eines Papstes nach vielen hundert Jahren - besonders unverständlich. Hinzu kommt, dass sein Vorgänger Johannes Paul II - fast gleich alt und gesundheitlich noch infolge Parkinson bedeutend stärker angeschlagen - nicht zurückgetreten ist. Dieser äußerte dazu sinngemäß, dass er das Amt aufgibt, wenn Gott es will. Benedikt war engster Vertrauter von Johannes und daher möchte ich davon ausgehen, dass er sicherlich dessen Vorstellungen voll teilte. Für mich gibt es nur einen plausiblen Grund für den plötzlichen Rücktritt und das sind Machtkämpfe im Vatikan. Ob der jetzige Rücktritt wirklich freiwillig war oder damit der Widersacher einer bestimmten Vatikan-Fraktion bzw. Kirchenpolitik ausgeschaltet wurde, wird vielleicht einmal die Geschichte aufdecken. Was den Aufenthalt des Benedikt in einem Kloster auf dem Vatikangelände betrifft, so hoffe ich, dass diese "Klausur" keine Einsperrung bedeutet. Leider ist nur zu gut bekannt, wie z.B. auch hier im Lande alte Leute in Altenheimen aufgehoben bzw. fixiert werden. Andererseits kann diese enge Anbindung auch bedeuten, dass hier eine Person unter Kontrolle bzw. Quarantäne gehalten werden soll, denn sicherlich wird der Ex-Papst alle brisanten Vorgänge des Vatikan genauestens kennen, und das ist bestimmt für einige Kreise nicht besonders gut. Ich prophezeie jedenfalls, dass die Welt den Benedikt nie wieder zu Gesicht bekommen und irgendwann nur eine Kurzmeldung über sein Ableben erscheinen wird.
2. Warum sollte der Papst hier lügen?!
tobiaswerner 11.02.2013
Ich denke schon, dass er das durchaus aus dem Hauptgrund einer Überforderung tut. Niergendwo auf dieser Welt ist so ein alter Mensch noch für die Leitung eines solchen globalen Institution tätig! Insofern war es m.E. auch falsch, dass sein Vorgänger, Papst Wojtila, so lange noch im Amt dahinsiechte - so konnte er diese Institution dann bei Gott nicht mehr führen! Wenn hier vielleicht noch hinzukommt, dass er sich auch aufgrund der intenen Querelen etwas überfordert fühlt, so ist halt auch dies Ausdruck einer gewissen inneren Überforderung, ja auch interne Auseinandersetzungen und eben die Führung kosten Kraft. Papst sein heißt ja eben nicht nur die paar öffentlichen Audiencen und die wenigen großen Gottesdienste zu leisten. So einen klaren, nachvollziehbaren und guten Rücktritt, zur -gerade noch- rechten Zeit, hat man in der Tat lange nicht gesehen. Ich wünsche ihm für seinen letzten Lebensabschnitt alles Gute. Wenn die katholische Kirche sich in der heutigen Welt behaupten will, so sollte sie sich m.E. jetzt entlich mal wieder einen etwas jüngeren und kraftvolleren Mann als Nachfolger wählen (so man solche guten jüngeren Leute dort denn hat). Tobias Werner
3. Plausibel ist anders
widower+2 11.02.2013
Zitat von realpolitikerIn einem Fernsehbeitrag wurde Benedikt als kirchlich reaktionär und sehr konservativ bewertet. Wenn das wirklich stimmt, ist sein freiwilliger Rücktritt - der zweite Rücktritt eines Papstes nach vielen hundert Jahren - besonders unverständlich. Hinzu kommt, dass sein Vorgänger Johannes Paul II - fast gleich alt und gesundheitlich noch infolge Parkinson bedeutend stärker angeschlagen - nicht zurückgetreten ist. Dieser äußerte dazu sinngemäß, dass er das Amt aufgibt, wenn Gott es will. Benedikt war engster Vertrauter von Johannes und daher möchte ich davon ausgehen, dass er sicherlich dessen Vorstellungen voll teilte. Für mich gibt es nur einen plausiblen Grund für den plötzlichen Rücktritt und das sind Machtkämpfe im Vatikan. Ob der jetzige Rücktritt wirklich freiwillig war oder damit der Widersacher einer bestimmten Vatikan-Fraktion bzw. Kirchenpolitik ausgeschaltet wurde, wird vielleicht einmal die Geschichte aufdecken. Was den Aufenthalt des Benedikt in einem Kloster auf dem Vatikangelände betrifft, so hoffe ich, dass diese "Klausur" keine Einsperrung bedeutet. Leider ist nur zu gut bekannt, wie z.B. auch hier im Lande alte Leute in Altenheimen aufgehoben bzw. fixiert werden. Andererseits kann diese enge Anbindung auch bedeuten, dass hier eine Person unter Kontrolle bzw. Quarantäne gehalten werden soll, denn sicherlich wird der Ex-Papst alle brisanten Vorgänge des Vatikan genauestens kennen, und das ist bestimmt für einige Kreise nicht besonders gut. Ich prophezeie jedenfalls, dass die Welt den Benedikt nie wieder zu Gesicht bekommen und irgendwann nur eine Kurzmeldung über sein Ableben erscheinen wird.
Sie versuchen hier doch nur, wieder alle möglichen Verschwörungstheorien anzustoßen. Der Fall ist doch eigentlich klar. Er spürt, dass er langsam dement wird oder wurde von Vertrauten darauf hingewiesen, dass dies der Fall sein könnte. Trotzdem hat sich dieser Mensch damit erstmals meine Hochachtung verdient. Wirklich erstmals!
4. Richtig
otto_lustig 11.02.2013
Zitat von tobiaswernerIch denke schon, dass er das durchaus aus dem Hauptgrund einer Überforderung tut. Niergendwo auf dieser Welt ist so ein alter Mensch noch für die Leitung eines solchen globalen Institution tätig! Insofern war es m.E. auch falsch, dass sein Vorgänger, Papst Wojtila, so lange noch im Amt dahinsiechte - so konnte er diese Institution dann bei Gott nicht mehr führen! Wenn hier vielleicht noch hinzukommt, dass er sich auch aufgrund der intenen Querelen etwas überfordert fühlt, so ist halt auch dies Ausdruck einer gewissen inneren Überforderung, ja auch interne Auseinandersetzungen und eben die Führung kosten Kraft. Papst sein heißt ja eben nicht nur die paar öffentlichen Audiencen und die wenigen großen Gottesdienste zu leisten. So einen klaren, nachvollziehbaren und guten Rücktritt, zur -gerade noch- rechten Zeit, hat man in der Tat lange nicht gesehen. Ich wünsche ihm für seinen letzten Lebensabschnitt alles Gute. Wenn die katholische Kirche sich in der heutigen Welt behaupten will, so sollte sie sich m.E. jetzt entlich mal wieder einen etwas jüngeren und kraftvolleren Mann als Nachfolger wählen (so man solche guten jüngeren Leute dort denn hat). Tobias Werner
und genau auf den Punkt getroffen. Warum sollte ein Papst nicht zurücktreten, wenn er sich dem Amt nicht mehr gewachsen fühlt? Ratzinger ist da beispielhaft. Ich hoffe, dass er damit Akzente gesetzt hat. Der Papst darf zurücktreten. Dazu hat er das recht. Was mit Johannes Paul II.in seinen letzten Lebensjahren geschehen ist, hat das Amt schwer geschädigt. Was nützt ein Papst, wenn er sich nicht mehr richtig artikulieren kann?
5. Halleluja, kreuziget ihn.
cicero001 11.02.2013
Als evangelischer Christ bin ich erschüttert, wie nach seiner Rücktrittsankündigung mit dem Papst umgegangen wird und sein Lebenswerk von vielen "Christen" mit Füßen getreten wird. Ich kann nur zitieren "Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein".
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