Papstbesuch in Deutschland: Kosten und Logis

Von Anne Alichmann, und

Tausende demonstrieren in Spanien gegen den Besuch des Papstes, unter anderem wegen der hohen Kosten. In wenigen Wochen reist Benedikt XVI. auch nach Deutschland. Ein Überblick über die Ausgaben, die auf den Steuerzahler zukommen.

Deutschland vor Papstbesuch: Pilgerwiesen und "Ratzefummel" Fotos
DPA

Hamburg - Es ist ein netter Kniff, den sich die Deutsche Bischofskonferenz überlegt hat: Der Deutschland-Besuch des Papstes Ende September koste jeden Katholiken hierzulande rund einen Euro, so die Rechnung. Könnte schlimmer kommen, mag man denken. Vier Tage Papst für den Preis eines Hamburgers. Nicht schlecht. Es ist der Versuch, die Summe von rund 25 Millionen Euro herunterzubrechen - und sie zugleich ein bisschen sympathischer zu machen.

Ein Euro, wer wird da schon meckern. Allein: So einfach ist die Rechnung nicht. Tatsächlich zahlt die katholische Kirche 25 bis 30 Millionen Euro für den Besuch vom 22. bis zum 25. September. Verteilt werden die Kosten auf die drei Bistümer, die der Papst besucht. Berlin zahlt 3,5 Millionen Euro, Erfurt und Freiburg je rund elf Millionen. Das sei "vertretbar", sagen Repräsentanten der katholischen Kirche. Der Eurovision Song Contest im Mai, ausgerichtet von der ARD, sei im Vergleich viel teurer gewesen. Die Gebührenzahler mussten damals 12,5 Millionen Euro berappen.

Der Papstbesuch gehe nicht zu Lasten anderer Ausgaben, bemüht sich die Kirche herauszustellen - es soll keinen Spielraum für falsche Kalkulationen geben. Man kennt die Vorbehalte: 25 Millionen Euro für den Papst - während in Afrika Tausende Menschen vom Hungertod bedroht sind. Es würden keine nationalen oder internationalen Programme gekürzt, heißt es von Seiten der Bischofskonferenz beschwichtigend.

Die Kosten für den Bund - kaum kalkulierbar

25 Millionen Euro für fünf Großgottesdienste, Großleinwände, Lautsprecher, das Auf- und Abbauen von Altaren, die Sitzplatzbeschilderung des Berliner Olympiastadions, sanitäre Anlagen. "Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass diese Kosten für eine viertägige Papstreise angemessen sind", sagt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn weitere Kosten werden vom Steuerzahler getragen. Unter anderem kommen Bund und Länder für die Sicherheitsvorkehrungen auf, die entlang der mehr als 30 Programmpunkte der Reise notwendig sind. Für Benedikt XVI. gilt die höchste Sicherheitsstufe, wie für US-Präsident Barack Obama.

Tausende Polizisten werden im Einsatz sein, um das Kirchenoberhaupt zu schützen - und die Abertausende Pilger, die erwartet werden. Für diese Planungen sind die Länder zuständig, die Kosten sind daher unüberschaubar. Fest steht, dass mehrere Millionen Euro anfallen werden, um Logistik und Sicherheit zu finanzieren.

Abgeordnete der Linken haben eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Ihr Betreff: "Kosten und Programm des Papstbesuchs im September 2011". Die Antwort steht noch aus, sie wird für die kommende Woche erwartet.

Möglich ist nur eine Annäherung an die genaue Summe: Im Haushalt des Landes Baden-Württemberg ist der Papstbesuch aufgeführt, die Sicherheitsmaßnahmen werden mit fünf Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen noch einmal 300.000 Euro allein in der Stadt Freiburg. In der Gemeinde Gottenheim bei Freiburg wird beispielsweise ein Bahnsteig verlängert, damit mehr Waggons die Pilger in die Breisgau-Metropole bringen können. Nach Schätzungen des Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei dürften etwa 4000 bis 5000 Beamte in Baden-Württemberg zum Einsatz kommen. Das alles kostet.

Welche Ausgaben Berlin und Thüringen für den Besuch veranschlagen, ist nicht bekannt. Man windet sich: Bei der Haushaltsplanung sei der Besuch noch nicht bekannt gewesen, die Kosten ließen sich erst nach Ende der Reise bestimmen.

Ein Ereignis "nie dagewesener Größe"

Dabei ist der Rechtfertigungsdruck hier weit größer als in Baden-Württemberg, wo gut ein Drittel der Bevölkerung Katholiken sind: Nur rund neun Prozent der Berliner sind katholisch und sieben Prozent der Thüringer.

Doch auch in den beiden östlichen Bundesländern richtet man sich her für den Papst. Die Straße rund um die Wallfahrtskapelle Eichsfeld in Thüringen wird ausgebaut. Kostenpunkt: mehr als 500.000 Euro. Und Erfurt rüstet sich für das Public Viewing der Papstmesse, auch hier werden Straßen ausgebaut. Kostenpunkt: mehr als 300.000 Euro. Es läppert sich.

Der Papstbesuch sei ein Ereignis von "nie dagewesener Größe und Bedeutung", heißt es bei der Stadtverwaltung. Die Städte versprechen sich einen immensen Profit - materiell, ideell und vor allem "langfristig", wie es in Freiburgs Marketingabteilung heißt. Auch Berlin hofft auf "weltweite Medienpräsenz", die Senatsverwaltung der Hauptstadt rechnet mit etwa 40.000 bis 50.000 Übernachtungen während des Besuchs. Ihrer Kalkulation zufolge könnte dies der Wirtschaft bis zu zehn Millionen Euro einbringen.

Mehr Hotelgäste, Extraeinnahmen für Geschäfte und Restaurants - darauf setzt auch Thüringens Landeshauptstadt Erfurt. Der Papstbesuch werde den Bekanntheitsgrad der Stadt steigern: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden viele Menschen erstmalig auf Erfurt aufmerksam", heißt es recht bescheiden bei der Stadtverwaltung.

Die Kirche selbst verdient gut am Merchandising, an Papst-Kissen, Papst-Tassen, Papst-Kerzen. Beim Weltjugendtag in Köln brachte der Schnickschnack allein 150.000 Euro Gewinn. Für den Besuch im September sollen nun außerdem Sponsoren gewonnen werden. Das Hotelportal HRS hat bereits zugesagt, auch Banken wurden gewonnen.

Der wohl größte Sponsor aber sind die Katholiken selbst: Im Mai wurde in den Kirchen eine Kollekte für den Papstbesuch gesammelt. 1,5 Millionen Euro berappten die Gläubigen.

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insgesamt 409 Beiträge
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    Seite 1    
1. Warum zahlt der Vatikan eigentlich nicht den Besuch?
Oldiemeister 18.08.2011
Ich meine, dass der Vatikan, der ja nicht gerade zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, diese Kosten übernehmen sollte. Ich kann als Geschäftsreisender ja schliesslich auch nicht meine Kunden im Ausland bitten, meine Reisespesen zu übernehmen.
2. Man macht sich warm ;)
Antaris 18.08.2011
Für so ein mickeriges Artikelchen zeichnen Anne Alichmann, Barbara Hans und Hendrik Ternieden verantwortlich? Geht es ab heute so richtig los mit den Artikel gegen Papst und Kirche, ja? Man muss sich ja warm arbeiten, das versteht man ja als Leser. Na, dann fange ich mal mit dem Rosenkranzbeten an :) Ich muss mich warmbeten, damit Waffengleichheit besteht. Es lebe der Papst! Vivat!
3. xxx
udo46 18.08.2011
Zitat von sysopTausende demonstrieren in Spanien gegen den Besuch des Papstes, unter anderem wegen der hohen Kosten. In wenigen Wochen reist Benedikt XVI. auch nach Deutschland. Ein Überblick über die Ausgaben, die auf*den Steuerzahler zukommen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,780948,00.html
Ich unterstütze den Papstbesuch mit dem Kauf eines Radiergummis namens "Ratzefummel". Der Gebrauch dieses nützlichen Geräts wird mich dann immer an die Vergänglichkeit von Religion im allgemeinen und das Schrumpfen der RKK im besonderen erinnern. ;-)
4. So ist es
diefreiheitdermeinung 18.08.2011
Zitat von OldiemeisterIch meine, dass der Vatikan, der ja nicht gerade zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, diese Kosten übernehmen sollte. Ich kann als Geschäftsreisender ja schliesslich auch nicht meine Kunden im Ausland bitten, meine Reisespesen zu übernehmen.
und ausserdem waere es christlicher die 25 Millionen Euro die man einsparen koennte - wenn man denn wollte - wirklich Beduerftigten zukommen zu lassen. Man kommt sich regelrecht verschaukelt vor, wenn hier regelrecht geprasst wird waehrend katholische und z.T. bitterarme Bildungsinstitutionen fuer die aermsten der Armen (nur exemplarisch - es gibt tausende andere, aehnliche Organisationen) in der 3. Welt (ich kann gerne Beispiele liefern!) um jeden Euro betteln gehen muessen. Eigentlich eine Suende wider den Geist. Jesus wuerde sich im Grab herumdrehen wenn er nicht auferstanden waere.
5. Viel Geld
catcargerry 18.08.2011
Aber was kosten den Steuerzahler die Fußballspiele und deren Sicherheitsvorkehrungen? Einmal davon abgesehen, dass er daran doppelt, nämlich auch in seiner Eigenschaft als abGEZockter über die Quasi-Veruntreuung seiner Rundfunkgebühren (Propagandasteuer) beteiligt ist.
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