Papstwahl im Vatikan: Tür zu - das Konklave hat begonnen

Die Tür ist zu, die Sixtinische Kapelle verriegelt. Jetzt stehen die Kardinäle vor der schwierigen Aufgabe: einen neuen Papst zu wählen. In Kürze findet schon der erste Wahlgang statt und die Welt schaut auf den Schornstein - wie ist die Farbe des Rauchs?

Rom - Im Vatikan hat das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes begonnen. Am Nachmittag zogen die 115 Kardinäle in einer feierlichen Prozession in die Sixtinische Kapelle, verneigten sich vor dem Hauptaltar und nahmen ihre Plätze ein. Dann legten die Kardinäle einzeln den Eid zur Geheimhaltung und Verschwiegenheit ab. "Und ich gelobe, verpflichte mich und schwöre. So wahr mir Gott und das Evangelium helfen, das ich mit meiner Hand berühre", sprachen sie auf Latein, eine Hand auf der Bibel. Während der Papstwahl gilt für die Kardinäle ein absolutes Verbot der Kommunikation mit der Außenwelt. Ein Bruch dieser Regel wird im schlimmsten Fall mit Exkommunikation bestraft.

Nach dem Eid hieß es gegen 17.30 Uhr "extra omnes" - "alle raus": Alle außer den Wahlberechtigten mussten den Raum verlassen, das Tor der Sixtinischen Kapelle wurde versiegelt. Die Schweizer Garde postierte sich an sämtlichen Ausgängen. Ein erster Wahlgang ist für den frühen Abend angesetzt. Dass schon am Abend weißer Rauch als Zeichen für einen neugewählten Papst aufsteigen könnte, gilt als höchst unwahrscheinlich. Die erste Abstimmung wird als Testwahl angesehen.

Buchmacher rechnen mit einer Entscheidung für einen neuen Papst am Mittwoch oder Donnerstag, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Ab morgen sind jeweils vier mögliche Wahlgänge angesetzt. Falls sie bis Freitag noch keinen Papst gefunden haben, wird am Samstag pausiert. Die Kardinäle sollen in diesem Fall Zeit zur Besinnung bekommen.

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Konklave-Beginn: 115 Kardinäle wählen einen neuen Papst
In der Sixtinischen Kapelle führt nun ein guter Kenner des Vatikans Regie: Der 79-jährige Kurienkardinal Giovanni Battista Re leitet die Wahl des Nachfolgers von Benedikt XVI. Re stammt aus der Gegend von Brescia in der Lombardei und ist der älteste unter den Kardinalbischöfen. Weil der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, 85, aus Altersgründen bei der Wahl nicht dabei sein darf, fällt die Rolle Re zu.

Vier Kardinäle werden als Favoriten gehandelt

Re gilt als unermüdlich, konsequenter Mann und erfahrener Diplomat des Vatikans. Der gelernte Kirchenrechtler hat in der Bischofskongregation und im Staatssekretariat des Vatikans gearbeitet. Eine wesentliche Aufgabe Battista Res bestand darin, die Entscheidungen des Papstes umzusetzen und ihn zu informieren. 2000 wurde Re Präfekt der Bischofskongregation und Präsident der päpstlichen Lateinamerika-Kommission, 2001 Kardinal.

Italienische Vatikan-Kenner haben den Kreis der Favoriten auf vier Kardinäle eingegrenzt. Angeführt wird das Quartett vom Mailänder Erzbischof Angelo Scola und dem brasilianischen Erzbischof Odilo Pedro Scherer aus São Paulo. Außenseiterchancen werden dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan und dem Kanadier Marc Ouellet zugeschrieben. Je länger das Konklave dauert, desto größere Chancen könnte ein Außenseiter haben, heißt es. Der neue Papst muss mit Zweidrittelmehrheit - also mindestens 77 Stimmen - gewählt werden. Egal wie viele Wahlgänge notwendig sind.

Während des Konklaves sind die 115 Kardinäle im Gästehaus Santa Marta komplett von der Öffentlichkeit abgeschottet. Fernsehen, Zeitungen, Telefon und Internet sind verboten, weshalb auch in den Twitter-Accounts der Kardinäle seit dem Morgen Ruhe herrscht.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Ich vermute nur eine behutsame Änderung der Kirchenordnung
mundi 12.03.2013
Zitat von sysopDie Tür ist zu, die Sixtinische Kapelle verriegelt. Jetzt stehen die Kardinäle vor der schwierigen Aufgabe: einen neuen Papst zu wählen. ...
Da sehr viele Kardinäle von den 2 letzten Päpsten ernannt wurden, glaube ich nicht, dass ein "Exote" zum Papst gewählt wird. Deshalb kann es auch mit einem neuen Papst nur eine behutsame Änderung der Kirchenordnung geben. Dogmen, wie die Unauflöslichkeit der Ehe oder Schutz des ungeborenen und des alten Lebens kann, und wird es sicher nicht geben. Egal woher der neue Papst auch kommen wird.
2.
genlok 12.03.2013
Zitat von sysopDie Tür ist zu, die Sixtinische Kapelle verriegelt. Jetzt stehen die Kardinäle vor der schwierigen Aufgabe: einen neuen Papst zu wählen. In Kürze findet schon der erste Wahlgang statt und die Welt schaut auf den Schornstein - wie ist die Farbe des Rauches? Papstwahl im Vatikan: Das Konklave hat begonnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/papstwahl-im-vatikan-das-konklave-hat-begonnen-a-888454.html)
Wieso ist das so wichtig? Der gewählte Papst wird es wie immer schon machen, manchmal Zeremonien abhalten, aber nicht die Welt bewegen. Schön gemütlich eben.
3. Ja, aber
Atomkrafteimer 12.03.2013
Zitat von mundiDa sehr viele Kardinäle von den 2 letzten Päpsten ernannt wurden, glaube ich nicht, dass ein "Exote" zum Papst gewählt wird. Deshalb kann es auch mit einem neuen Papst nur eine behutsame Änderung der Kirchenordnung geben. Dogmen, wie die Unauflöslichkeit der Ehe oder Schutz des ungeborenen und des alten Lebens kann, und wird es sicher nicht geben. Egal woher der neue Papst auch kommen wird.
Mag sein, wobei Johannes XXIII. auch einer dieser Päpste war, den man vermutlich explizit wählte, weil man dachte von ihm sei nicht viel zu erwarten. Das 2. Vatikanische Konzil war die Folge. Im übrigen ist der Schutz von ungeborenem oder altem Leben kein allein katholisches oder christliches Steckenpferd. Ich kenne auch einige Atheisten, die das aus rein ethischen Gründen ähnlich sehen wie die Kirche. Man darf jedenfalls gespannt sein. Interessant ist es allemal.
4.
Crom 12.03.2013
Zitat von genlokWieso ist das so wichtig?
Es wird nicht jeden Tag ein Völkerrechtssubjekt gewählt.
5. Kirche im Umbruch
keller2.0 12.03.2013
ich persönlich finde,das es nicht in Ordnung ist,wie konservativ die römisch katholische Kirche im Moment agiert.Deshalb wäre es von Vorteil,dass nun ein Papst gewählt wird,welcher vor allem auf die Jugend zugeht,denn diese ist unsere Zukunft,und auch die der Kirche!!!
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