Rom - Im Vatikan hat das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes begonnen. Am Nachmittag zogen die 115 Kardinäle in einer feierlichen Prozession in die Sixtinische Kapelle, verneigten sich vor dem Hauptaltar und nahmen ihre Plätze ein. Dann legten die Kardinäle einzeln den Eid zur Geheimhaltung und Verschwiegenheit ab. "Und ich gelobe, verpflichte mich und schwöre. So wahr mir Gott und das Evangelium helfen, das ich mit meiner Hand berühre", sprachen sie auf Latein, eine Hand auf der Bibel. Während der Papstwahl gilt für die Kardinäle ein absolutes Verbot der Kommunikation mit der Außenwelt. Ein Bruch dieser Regel wird im schlimmsten Fall mit Exkommunikation bestraft.
Nach dem Eid hieß es gegen 17.30 Uhr "extra omnes" - "alle raus": Alle außer den Wahlberechtigten mussten den Raum verlassen, das Tor der Sixtinischen Kapelle wurde versiegelt. Die Schweizer Garde postierte sich an sämtlichen Ausgängen. Ein erster Wahlgang ist für den frühen Abend angesetzt. Dass schon am Abend weißer Rauch als Zeichen für einen neugewählten Papst aufsteigen könnte, gilt als höchst unwahrscheinlich. Die erste Abstimmung wird als Testwahl angesehen.
Buchmacher rechnen mit einer Entscheidung für einen neuen Papst am Mittwoch oder Donnerstag, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Ab morgen sind jeweils vier mögliche Wahlgänge angesetzt. Falls sie bis Freitag noch keinen Papst gefunden haben, wird am Samstag pausiert. Die Kardinäle sollen in diesem Fall Zeit zur Besinnung bekommen.
Vier Kardinäle werden als Favoriten gehandelt
Re gilt als unermüdlich, konsequenter Mann und erfahrener Diplomat des Vatikans. Der gelernte Kirchenrechtler hat in der Bischofskongregation und im Staatssekretariat des Vatikans gearbeitet. Eine wesentliche Aufgabe Battista Res bestand darin, die Entscheidungen des Papstes umzusetzen und ihn zu informieren. 2000 wurde Re Präfekt der Bischofskongregation und Präsident der päpstlichen Lateinamerika-Kommission, 2001 Kardinal.
Italienische Vatikan-Kenner haben den Kreis der Favoriten auf vier Kardinäle eingegrenzt. Angeführt wird das Quartett vom Mailänder Erzbischof Angelo Scola und dem brasilianischen Erzbischof Odilo Pedro Scherer aus São Paulo. Außenseiterchancen werden dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan und dem Kanadier Marc Ouellet zugeschrieben. Je länger das Konklave dauert, desto größere Chancen könnte ein Außenseiter haben, heißt es. Der neue Papst muss mit Zweidrittelmehrheit - also mindestens 77 Stimmen - gewählt werden. Egal wie viele Wahlgänge notwendig sind.
Während des Konklaves sind die 115 Kardinäle im Gästehaus Santa Marta komplett von der Öffentlichkeit abgeschottet. Fernsehen, Zeitungen, Telefon und Internet sind verboten, weshalb auch in den Twitter-Accounts der Kardinäle seit dem Morgen Ruhe herrscht.
wit/dpa/AFP
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