Tigerjagd in Paris Alles für die Katz

Die Jagd nach dem Phantom-Tiger hat ein Ende: Das in Paris mit 200 Einsatzkräften gesuchte vermeintliche Raubtier scheint nach Expertenmeinungen nur eine harmlose Katze zu sein. Und ganz Frankreich lacht.

AFP/ Julie Berdeaux

Paris - In Frankreichs Hauptstadt herrscht Verwirrung. Ist das seit Tagen umherstreunernde Tier etwa doch kein Tiger, sondern ein Schmusekätzchen? Experten sagen: Ja! Daher wurde die Jagd nach dem vermeintlich gefährlichen Raubtier bei Montévrain nun gestoppt - obwohl das Tier trotz Großaufgebot immer noch nicht gefunden wurde.

Etwa 200 Gendarmen und Feuerwehrleute hatten seit Donnerstagfrüh in einer großangelegten Aktion vierzig Kilometer östlich von Paris Jagd auf den Phantom-Tiger gemacht. Fachleute kamen nach eingehenden neuen Analysen der Spuren des Tieres nun zu dem Ergebnis: Das Tier ist nur eine große, aber ungefährliche Katze.

"Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung", versicherte eine Sprecherin des Départements Seine-et-Marne mit Blick auf die gemachten Analysen. Demnach sei auch ausgeschlossen, dass es sich bei dem Tier um einen Luchs handeln könnte.

Der angebliche Tiger war auf dem Parkplatz eines Supermarktes von Montévrain fotografiert worden. Die Bewohner wurden daraufhin zur besonderen Vorsicht aufgerufen, die Schulen des Ortes bewacht.

Französische Medien machten sich am Samstag lustig über die großangelegte Suchaktion nach einem Haustier. "Ceci n'est pas in tigre", "Das ist kein Tiger", schrieben sie. Und beziehen sich damit auf das bekannte Bild der belgischen Malers René Magritte, das eine Pfeife unter der Zeile "Ceci n'est pas une pipe" zeigt. Was übersetzt bedeutet: "Das ist keine Pfeife."

Auf Twitter witzeln auch viele Bürger über das "Tigerchen". Unter dem Hashtag #tigre posten die Franzosen ironische Kommentare und Bilder. Ein User ludt das Foto einer Babykatze hoch, die von einem Menschen mit einer Pistole bedroht wird.

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jkö/dpa



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insgesamt 4 Beiträge
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Paul Panda 15.11.2014
1. es gibt Interessanteres aus Frankreich
Die angeblichen "Drohnen", die seit Wochen permanent (und immer noch) über Frankreichs Atomkraftwerken gesichtet werden, sind trotz eines großen Polizei- und Militäraufgebotes (neuerdings mit Kampfhubschrauberstaffel [Depêche du Midi vom 08.11.14]) immer noch nicht identifiziert. Warum das ganze Aufgebot, wenn doch angeblich nie eine Gefahr für die Bevölkerung bestand? Jetzt sollen sogar "Drohnen" (gemeint sind wohl Quadrocopter) mit Suchscheinwerfern über Atomkraftwerken gesichtet worden. Der Akku eines handelsüblichen Quadrocopters wäre dazu gar nicht imstande. Die Geschichte beginnt lansam, interessant zu werden. Trotzdem rangieren, wenn es um Frankreich geht, Berichte über entlaufene Katzen in den oberen Schlagzeilenpositionen. Typisch deutsche Presse!
Thorkh@n 15.11.2014
2. Ich könnte es mir ...
... ja verkneifen, aber: Hatte ich es nicht gesagt? ;) Scherz beiseite: die Polizei hatte gar keine andere Wahl, als zum Zwecke der Gefahrenabwehr so vorzugehen, wie sie es tat. Die Qualität der Bilder ließ einfach zu viel Interpretationsspielraum. In dem Moment, in dem die Medien davon erfuhren, bekam das Ganze dann die übliche Eigendynamik und der Trubel nahm seinen Lauf. Schön, dass weder Tier noch Mensch zu Schaden gekommen sind. :)
mag-the-one 15.11.2014
3. Hmm, interessant...
ist nur, dass Katzen und Luchse in ihren Fußspuren keine Krallenabdrücke hinterlassen. Mal sehen, ob den Franzosen das Lachen nicht doch noch vergeht...
Rollvieh 15.11.2014
4. Typisch Gepard
Die einzige Großkatze, die ihre Krallen nicht, bzw. nicht vollständig einziehen kann, ist der Gepard. Das wäre allerdings eine hübsche Überraschung. Dann gibt es noch die etwa hauskatzengroße, fast ausgestorbene Flachkopfkatze und die Fischkatze, die etwa doppelt so groß wie eine Hauskatze ist, die das auch nicht können. Zwar stehen auch bei alten Hauskatzen häufiger die Krallen heraus, das liegt dann allerdings daran, dass sie die nicht mehr richtig wetzen. Bei freilaufenden Katzen ist das anders... und was auch immer das für ein Tier war, freilaufend war es offenbar.
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