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Paris: Mann mit Bombenattrappe vor Polizeirevier erschossen

Vor einer Polizeistation in Paris haben Beamte einen Mann erschossen. Ersten Angaben zufolge war er bewaffnet und wollte das Revier stürmen. Der Angreifer hatte die Attrappe eines Sprengstoffgürtels dabei - und ein Schreiben mit IS-Logo.

Vor einem Pariser Kommissariat haben Polizisten einen Mann niedergeschossen. Das teilte das Innenministerium mit. Der Angreifer sei mit einem Beil bewaffnet gewesen und habe die Attrappe eines Sprengstoffgürtels getragen. Zunächst war von einem Messer die Rede. Nach ersten Informationen versuchte er, in die Wache im Norden der französischen Hauptstadt einzudringen.

Medien berichteten übereinstimmend, dass der Mann getötet worden sei. Das Ministerium bestätigte das jedoch zunächst nicht. In den sozialen Netzwerken kursiert das Bild eines Mannes, der leblos mit ausgestreckten Armen auf dem Bürgersteig liegt - und von einem Roboter inspiziert wird. Die Identität des Angreifers ist noch nicht geklärt.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete, bestand die vermeintliche Bombe aus einer Tasche mit Klebeband, aus der ein Kabel herausragte. Diese Konstruktion trug der Mann unter seiner Jacke. Es sei aber kein Sprengstoff gefunden worden. Experten rückten an - und gaben bald Entwarnung.

Staatsanwaltschaft leitet Terror-Ermittlungen ein

Zudem hatte er laut Staatsanwaltschaft ein auf Arabisch verfasstes Schreiben mit einer Fahne der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bei sich. Die Anklagebehörde leitete Terror-Ermittlungen ein, denn bei dem Mann sei ein Blatt Papier gefunden worden, auf dem sich "die IS-Fahne und ein handschriftliches, eindeutiges Bekennerschreiben" befunden habe. Nähere Angaben zum Inhalt dieses Schreibens machte die Behörde nicht.

Nach Angaben des Polizeigewerkschafters Luc Poignant soll der Mann "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben. Ein Zeuge sagte AFP, er habe "zwei oder drei Schüsse" gehört. Das Polizeirevier befindet sich in der Rue de la Goutte d'Or im 18. Bezirk. Die Gegend ist als Problemviertel bekannt, liegt jedoch nicht weit vom bei Touristen beliebten Viertel Montmartre entfernt. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt, ebenso zwei Schulen, die sich dort befinden.

Der Vorfall ereignete sich am Jahrestag der Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo", eine Polizistin und einen koscheren Supermarkt. Damals hatten Islamisten insgesamt 17 Menschen getötet. Nach Angaben der Ermittler deutet im jetzigen Fall derzeit jedoch nichts auf einen weiteren Täter hin. Ein Sprecher des französischen Innenministeriums sagte: "Es ist viel zu früh, um von einem Terrorakt zu sprechen." Man müsse vorsichtig sein. "Es handelt sich um einen Angriff." Innenminister Bernard Cazeneuve begab sich direkt zum Tatort.

gam/kev/syd/apr/dpa/AFP/Reuters/AP

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Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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