Peinlicher Jagdunfall Hollywood-Stars spotten über Cheney

Die Peinlichkeiten nehmen für Dick Cheney kein Ende. Nachdem er einen Bekannten bei der Wachteljagd angeschossen hat, stellt sich nun heraus: Cheney hatte keine Zulassungsmarke. Jetzt ergießt sich der Spott über den amerikanischen Vizepräsidenten.


Los Angeles - Cheneys Büro hat inzwischen den offiziellen Unfallbericht veröffentlicht. Darin sind Details des Vorfalls zu sehen, etwa die Kleidung der Beteiligten (orangefarbene Mütze und Weste, braune Hose), Zeugen und eine Zeichnung, wo das Opfer getroffen wurde.

US-Vize Cheney bei der Jagd (2002): Keine Zulassung für Wachteln
AP

US-Vize Cheney bei der Jagd (2002): Keine Zulassung für Wachteln

Während eines Jagdausflugs auf einer Ranch in Südtexas hatte Cheney am Wochenende mit einem Schrotgewehr versehentlich den 78-jährigen Anwalt Harry Whittington angeschossen. Das Weiße Haus bestätigte erst 24 Stunden später den Zwischenfall. Nach Angaben eines Sprechers wurde Präsident George W. Bush zunächst nur darüber informiert, dass es einen Unfall gegeben habe und jemand angeschossen worden sei. Dass sein Vize Cheney der Schütze war, habe Bush erst später am Sonntagabend erfahren.

Das Opfer wurde ins Krankenhaus eingeliefert und zunächst auf die Intensivstation gebracht. Inzwischen wurde Whittington von dort verlegt. Wann er entlassen werden kann, ist aber nach Angaben der Ärzte noch unklar. Cheneys Schuss hatte ihn im Gesicht, am Hals und an der Brust getroffen.

Klicken Sie auf das Bild, um zum Unfallbericht der texanischen Parkaufsichtsbehörde zu gelangen
AP/ Texas Parks and Wildlife

Klicken Sie auf das Bild, um zum Unfallbericht der texanischen Parkaufsichtsbehörde zu gelangen

Peinlich für Cheney ist außerdem, dass auf seinem Jagdschein die sieben Dollar teure Zulassungsmarke für die Jagd auf Wachteln und artverwandte Wildvögel fehlte, wie erst später bekannt wurde. Die zuständigen Behörden wollen den Vize-Präsidenten deswegen verwarnen. Ein Sprecher des US-Vizes sagte dazu, Cheney sei davon ausgegangen, dass seine Mitarbeiter sich um die entsprechenden Genehmigungen gekümmert hätten. Von der Zulassungsmarke habe er nichts gewusst.

Mit Cheney zur Oscar-Verleihung?

Bei ihrem traditionellen Lunch lästerten die Oscar-Kandidaten herzhaft über die missglückten Schüsse: Cheney habe ihn ebenfalls angerufen und zur Jagd eingeladen, witzelte Hollywood-Star George Clooney. Weil er das "so nett" gefunden habe, wolle er seinerseits den Vize-Präsidenten bitten, bei der diesjährigen Oscar-Verleihung sein Begleiter zu sein, scherzte Frauenschwarm Clooney.

Auch bei der Oscar-Show selbst muss sich Cheney auf Spott gefasst machen. Der Produzent der Show, Gil Gates, kündigte an, Moderator Jon Stewart wolle sich die Gelegenheit zu einigen Bemerkungen während der Verleihung nicht entgehen lassen: Der Komiker werde "darüber sprechen, dass Cheney zu seinen Schüssen steht, dass er es wieder tun würde und dass der andere Typ im Unrecht war, denn ganz offensichtlich hätte er dort nicht sein dürfen". Gates spielte dabei auf Cheneys Image als unerbittlicher Hardliner innerhalb der Bush-Regierung an: Cheney hatte noch lange an der Behauptung festgehalten, der irakische Machthaber Saddam Hussein sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen - auch dann noch, als andere Regierungsmitglieder schon längst zugegeben hatten, dass dies offensichtlich nicht stimmte.

ffr/AFP/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.