Pfoten-Erlass: Polizeihunde sollen beim Einsatz Schuhe tragen

Erstaunen löst ein politisch korrekter Vorstoß der britischen Polizei aus: Spürhunde, die in muslimischen Wohnräumen eingesetzt werden, sollen demnächst Schuhe an den Pfoten tragen - aus Rücksicht auf religiöse Reinlichkeitsvorstellungen.

Britischer Spürhund im Einsatz an der Londoner U-Bahn-Station King's Cross: "Kulturelles Problem"
REUTERS

Britischer Spürhund im Einsatz an der Londoner U-Bahn-Station King's Cross: "Kulturelles Problem"

London - Sie suchen nach Drogen, Sprengstoff, Falschgeld - demnächst sollen die Spürhunde der britischen Polizei diese Arbeit in Sonderfällen mit Schuhwerk an den Pfoten verrichten.

Wie die "Times" berichtet, bastelt die britische "Vereinigung polizeilicher Führungskräfte" (Acpo) derzeit an einem Maßnahmenkatalog, der die Befindlichkeiten einzelner Religionsgruppen stärker berücksichtigen soll.

Sollten demnach Muslime künftig Protest einlegen, wenn bei der Durchsuchung ihrer Wohnräume Hunde eingesetzt werden, die nach islamischer Doktrin als "unrein" gelten, müssen die Vierbeiner eigens angefertigte Schuhe mit Gummisohlen tragen. Die werden als Pfotenschutz schon jetzt bei Einsätzen angewendet, wenn beispielsweise die Gefahr besteht, dass sich die Hunde an Glasscherben schneiden könnten.

"Wir wollen sicher stellen, dass unsere Einsatzkräfte für religiöse oder kulturelle Besonderheiten sensibilisiert sind, zum Beispiel, wenn Menschen Anstoß daran nehmen könnten, dass sich Hunde in ihrem Wohnraum bewegen", heißt es laut "Times" in einer Stellungnahme der Apco.

Erst vergangene Woche hatte sich die Polizei im ost-schottischen Tayside dafür entschuldigen müssen, dass auf einem Polizei-Werbeplakat ein Schäferhundwelpe abgebildet war - ein muslimisches Stadtratsmitglied hatte sich darüber beschwert.

Doch ein von der "Times" befragter führender Imam Großbritanniens sieht die Dinge offenbar gelassener: "Nicht der Hund selbst gilt nach islamischem Gesetz als unrein, sondern nur sein Speichel", sagte Ibrahim Mogra dem Blatt. "Wenn es die Sicherheitsbestimmungen nun einmal vorsehen, dass ein Hund in ein Haus geschickt wird, dann muss es eben sein."

Die Polizei-Vereinigung solle ihren Vorstoß noch einmal überdenken: "Ich weiß, dass Muslime mitunter Probleme mit Hunden haben", führte Imam Mogra weiter aus, "doch das ist ein kulturelles, kein religiöses Problem. Da die Briten Hunde lieben, sollten wir Muslime unseren Teil dazu beitragen, unsere Ansichten zu ändern."

Wenn die Maßnahme der Pfotenstiefel vom Tisch käme, fände dies auch den Beifall von Tierschützern. Es löse bei den Hunden Stress aus, wenn sie bei Einsätzen Kleidung tragen müssten, sagte die Aktivistin Caroline Kisko der "Times".

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