Pille und Abtreibung Papst fordert Aufstand der Apotheker - Politiker empört

Neues vom Papst zum "Recht auf Leben": Apothekern müsse erlaubt sein, aus Gewissensgründen den Verkauf von Medikamenten zum Zwecke der Abtreibung oder Euthanasie zu verweigern, fordert Benedikt. Gesundheitsministerin und Öffentlichkeit sind erzürnt.


Rom - Benedikt hatte gestern vor katholischen Apothekern, die an einem Weltkongress in Rom teilnahmen, deutliche Worte gewählt. Es sei nicht möglich, "das Gewissen zu betäuben", wenn es etwa um Medikationen gehe, die die Einnistung eines Embryos verhinderten oder ein Menschenleben beendeten, sagte das katholische Kirchenoberhaupt und sorgte damit in Italien für heftige Diskussionen.

Papst Benedikt XVI.: Das Leben muss verteidigt werden
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Papst Benedikt XVI.: Das Leben muss verteidigt werden

Gesundheitsministerin Livia Turco betonte, dass per Rezept verschriebene Medikamente an die Patienten ohne Wenn und Aber verkauft werden müssten: "Sie dürfen nicht verweigert werden." Gleichzeitig wies Turco darauf hin, dass nur das Parlament für die Gesetze des Landes verantwortlich sei: "Wenn ein Kirchenoberhaupt Gesetze in Frage stellt, dann ist es meine Pflicht als Ministerin, an die unbestreitbare Souveränität des Parlamentes zu erinnern", erklärte sie. "Das Gesetz sieht keine Dienstverweigerung aus Gewissensgründen vor, und ich glaube, diese Norm ist sehr weise."

Auch der Präsident der italienischen Apothekervereinigung sagte: "Wir respektieren zwar die Worte des Papstes, aber seine Forderung ist weder in Italien noch in einem anderen Land durchführbar."

Benedikt hatte in seinen Ausführungen deutlich gemacht, dass es Apothekern aus Gewissensgründen möglich sein müsse, den Verkauf von Medikamenten zu verweigern, die eindeutig unmoralische Ziele hätten - "wie beispielsweise Abtreibung oder Euthanasie". In Italien soll demnächst die Abtreibungspille RU 486 erhältlich sein.

Das Leben müsse, so sagte Benedikt der Zeitung "Il Messagero" zufolge, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende verteidigt werden. Medikamente sollten dabei ausschließlich therapeutischen Zwecken dienen. Apothekern falle dabei die Rolle des aufklärenden Mittlers zu, der seine Kunden auf die "ethischen Folgen des Gebrauchs einiger Medikamente" aufmerksam mache, sagte Benedikt laut "Messagero".

Die Zeitung "La Repubblica" fragte daraufhin in ihrer heutigen Ausgabe hämisch: "Sollen wir uns jetzt, bevor wir in eine Apotheke gehen, über religiöse und moralische Orientierung des Inhabers informieren, um ungewünschte Diskussionen über den Sinn des Lebens zu vermeiden?" In einem Kommentar des Blattes hieß es außerdem: "Dies ist eine weitere Etappe in dem langen Marsch des Vatikans ins Innere des öffentlichen Lebens dieses Landes."

jdl/dpa/Reuters

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