Flugzeugunglück in Indonesien: Pilotenfehler führte zu Superjet-Absturz

Experten haben den Absturz eines russischen Flugzeugs in Indonesien nach sieben Monaten aufgeklärt. Menschliches Versagen war der Grund für das Unglück mit 45 Toten. Der Pilot hatte ein Warnsignal ignoriert, das gebirgige Terrain nicht ausreichend berücksichtigt und war zudem abgelenkt.

Absturzstelle am Vulkan Salak: Wochenlange Suche nach Flugdatenschreiber Zur Großansicht
AFP

Absturzstelle am Vulkan Salak: Wochenlange Suche nach Flugdatenschreiber

Jakarta - Ein Pilotfehler ist für den Absturz des russischen Flugzeugs Suchoi Superjet 100 verantwortlich. Bei dem Unglück im Mai dieses Jahres waren 45 Menschen gestorben. Laut der indonesischen Flugsicherheitsbehörde hat der Flugkapitän ein Warnsignal im Cockpit ignoriert.

Demnach ertönte 38 Sekunden, bevor die Maschine am Vulkan Salak zerschellte, ein Signal, das vor einer Kollision warnte und zum Aufsteigen aufforderte. Weil er es für einen Computerfehler gehalten habe, schaltete der Pilot dieses Signal jedoch ab.

"Das System hat korrekt funktioniert, und die Kollision hätte nach dem ersten Warnsignal verhindert werden können", sagte der Chef der indonesischen Flugsicherheitsbehörde, Tatang Kurniadi. Der Pilot hatte zuvor trotz der Nähe des rund 2200 Meter hohen Vulkans von den Fluglotsen die Erlaubnis erhalten, die Flughöhe von 3000 auf 1800 Meter zu reduzieren.

Im Untersuchungsbericht wird zudem bemängelt, dass der Tower am Flughafen von Jakarta für das betreffende Gebiet nicht mit einem Sicherheitshöhen-Warnsystem ausgestattet ist.

Russlands stellvertretender Industrieminister Juri Sljussar sagte in Moskau, die Unglücksursache sei eine Verkettung mehrerer Umstände gewesen. So habe die Crew auch das gebirgige Terrain nicht ausreichend berücksichtigt. Außerdem soll ein Gespräch im Cockpit den Flugkapitän abgelenkt haben. "Die Aufmerksamkeit des Piloten war wegen einer langen Unterhaltung eingeschränkt, die nicht mit dem Flug in Verbindung stand", so Sljussar: "Das war der Grund, warum er nicht sofort die Flugrichtung änderte."

Der Suchoi Superjet 100 war am 9. Mai auf einem Demonstrationsflug für potentielle Kunden vom Radar verschwunden. Suchtrupps hatten die Wrackteile einen Tag später gefunden, den Flugschreiber sogar erst rund drei Wochen danach. Die Maschine war ein russisches Prestigeobjekt, der Superjet 100 ist das erste Passagierflugzeug, das seit dem Zerfall der Sowjetunion in Russland entwickelt wurde. Es sollte anderen Mittelstreckenanbietern wie Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien) Konkurrenz machen.

max/dpa

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