Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pinneberg Wolfgang Seibert tritt nach Betrugsvorwürfen zurück

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert, wird sein Amt aufgeben. Vergangene Woche veröffentlichte der SPIEGEL Betrügereien des viel gefragten Mannes.

Wolfgang Seibert
Maurice Weiss / Ostkreuz / DER SPIEGEL

Wolfgang Seibert


Wolfgang Seibert war Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Pinneberg, Vorstandsmitglied im Schleswig-Holsteinischen Landesverband der jüdischen Reformgemeinden und zu Fragen des Judentums und Fremdenfeindlichkeit viel in der Öffentlichkeit gefragt. Nun tritt er wegen Betrugsvorwürfen zurück.

Beide Seiten hätten sich nach Angaben des Verbandes einvernehmlich auf einen Rücktritt geeinigt, um Schaden von der jüdischen Gemeinde abzuwenden, hieß es beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Vergangene Woche veröffentlichte der SPIEGEL eine Recherche, wonach Seibert ein mehrfach vorbestrafter Betrüger und Hochstapler ist: Er log über seine angebliche jüdische Herkunft und betrog enge Freunde. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein gab nun bekannt, dass Seibert zurückgetreten ist. Diesen Schritt kündigte er bereits gegenüber dem SPIEGEL an.

Seibert selbst äußerte sich seither nicht mehr zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Alexander Hoffmann teilte mit, Seibert habe in einigen öffentlichen Darstellungen überzogen und wolle sich dafür entschuldigen. Laut NDR gab Hoffmann zudem an, dass Seibert zwar leibliche nicht-jüdische Eltern, aber jüdische Pflegeeltern gehabt habe.

Seibert gehörte 2002 zu den Gründern der jüdischen Gemeinde Pinneberg, seit 2003 war er ihr Vorsitzender. Mit etwa 250 Mitgliedern zählt sie zu den beiden größten der sechs Reformgemeinden in Schleswig-Holstein. Seibert war zudem Mitglied im Vorstand des Landesverbands der Reformgemeinden und vertrat den Verband auch bis vor Kurzem im Zentralrat der Juden in Deutschland.

mal/AP



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