Piratenabwehr Deutsche Reeder holen öfter Söldner an Bord

Ein Drittel der deutschen Reedereien heuert inzwischen für den Schutz ihrer Schiffe vor der Küste Somalias Söldner an. Die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsdienste sind schwer bewaffnet und krisenerfahren. Ihr Einsatz kostet Tausende Dollar pro Tag - rechnet sich aber trotzdem.

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Übung der "MS Evertsen" vor Somalia (September 2009): Söldner immer öfter im Einsatz
AFP

Übung der "MS Evertsen" vor Somalia (September 2009): Söldner immer öfter im Einsatz


Berlin - Auf deutschen Handelsschiffen kommen immer häufiger private Sicherheitsdienste zum Einsatz, wenn diese vor der Küste Somalias mitten durch das derzeit gefährlichste Piratengebiet weltweit fahren. In einem Beitrag für das Fachmagazin "Behördenspiegel" berichtet Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft, dass mittlerweile rund ein Drittel aller deutschen Reedereien schwer bewaffnete Söldner, meist frühere Elitesoldaten, zur Abwehr der modernen Seeräuber und ihrer Skiffs einsetzen.

Der Trend zum Einsatz von Elitekämpfern zeigt laut Olschok klar nach oben. Derzeit, so der Experte, würden 33 von 100 Reedereien private bewaffnete Sicherheitsdienste einsetzen, während es im Jahr 2009 nur 12 waren. Es existiere ein "Markt für Piratenbekämpfung", der durch britische und US-Unternehmen befriedigt werde, schreibt Olschok weiter. Die Dienste der Söldner, die meist nur für die gefährliche Passage vor Somalia an Bord kommen, sind zwar teuer - aber bei den oft millionenschweren Ladungen wollen viele Reeder keine Risiken mehr eingehen.

Der boomende Söldner-Markt illustriert, wie sehr die marodierenden Piraten immer noch die Handelsschifffahrt beeinflussen. Zwar verzeichnet die internationale Schutztruppe gegen Piraterie, die seit 2008 vor Somalia patrouilliert, einen Rückgang bei den Attacken der Seeräuber. Immer noch aber sind rund zwei Dutzend Schiffe und mehr als 250 Geiseln in der Hand der Piraten. Nur mit Lösegeld in Millionenhöhe können die Reedereien ihre Schiffe nach Monaten wieder auslösen, die Geiseln erleben dabei ein Martyrium.

Ab 2013 werden wohl auch deutsche Sicherheitsunternehmen den Einsatz an Bord andienen. Anfang des kommenden Jahres will die Bundesregierung ein entsprechendes Verfahren starten. Für die Zulassung der Anbieter, von denen es in Deutschland laut Regierung nur sechs gibt, wird eine Antragsgebühr fällig. Mit der Zertifizierung will die Regierung den Einsatz von Bewaffneten auf den Handelsschiffen in kontrollierte Bahnen lenken und schießwütige Rambos an Bord verhindern. Ursprünglich hatten sich die Reeder vom Staat Schutz der Schiffe durch Soldaten gewünscht. Dies hatte Berlin aber abgelehnt.

Schutz durch Marine reicht nicht aus

Die internationale Schutztruppe, zum einen die EU-Mission "Atalanta" und eine von den USA geführte Task Force, bietet Handelsschiffen vor allem an, in Konvois durch die gefährlichen Zonen zu fahren. Für viele Reeder aber sind die Zeitfenster dafür zu unflexibel, im weltweiten Frachtgeschäft kostet jeder Tag des Wartens viel Geld.

"Die Marine kann nur ein überschaubares Gebiet überwachen, die Piraten können ihre Einsatzgebiete sehr flexibel anpassen", sagt zudem Max Johns vom Verband Deutscher Reeder (VDR). Man könne einfach nicht ausreichend Marineschiffe positionieren, um alles zu schützen.

Der teure Schutz durch Söldner ist für viele Reeder alternativlos: Viele Versicherungen fordern für die Durchquerung der Piratengebiete horrende Zuschläge auf die Prämien oder wollen die Schiffe überhaupt nicht versichern, falls keine bewaffneten Sicherheitskräfte an Bord sind. Es kann sich rechnen, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Im Durchschnitt muss ein Reeder laut Johns für den Einsatz von vier bis fünf Mann 10.000 bis 20.000 Dollar pro Tag kalkulieren. Meist seien die Männer drei bis sieben Tage im Einsatz.

Unklar ist bis heute, wie weit die Söldner beim Einsatz der Schusswaffe gehen dürfen.

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insgesamt 167 Beiträge
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Seite 1
PH-sauer 10.05.2012
1. Keine rechtlichen Probleme ?
Zitat von sysopAFPEin Drittel der deutschen Reedereien heuert inzwischen für den Schutz ihrer Schiffe vor der Küste Somalias Söldner an. Die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsdienste sind schwer bewaffnet und krisenerfahren. Ihr Einsatz kostet Tausende Dollar pro Tag - rechnet sich aber trotzdem. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,832337,00.html
Im Extremfall, wenn es Tote bei einem Einsatz gibt, stellen siche eine ganze Reihe gewichtige strafrechtliche Probleme. Die gänzlich unberücksichtigt zu lassen, halte ich für unzulässig, da wir uns dann im Bereich der Tötungsdelikte befinden (Bis hin zu § 211 StGB Mord). Die Regierung ist gefordert! Zudem bin ich der Ansicht, daß deutsches Territorium, das deutsche Schiffe darstellen, eben durch die Bundeswehr verteidigt werden müßte, nicht durch bezahlte Killer.
Stelzi 10.05.2012
2. Gut so!
Finde ich in Ordnung. Es reicht wenn die Marine dort rumschippert (und meist nichts unternehmen darf), deutsche Soldaten mit deutschen Steuergeldern hätten nämlich auf Handelsschiffen nichts zu suchen - das sollen die Eigner ruhig selbst finanzieren. Prinzipiell ist es aber zu begrüssen, dass man Blei mit Blei begegnet.
archivdoktor 10.05.2012
3.
Zitat von sysopAFPEin Drittel der deutschen Reedereien heuert inzwischen für den Schutz ihrer Schiffe vor der Küste Somalias Söldner an. Die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsdienste sind schwer bewaffnet und krisenerfahren. Ihr Einsatz kostet Tausende Dollar pro Tag - rechnet sich aber trotzdem. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,832337,00.html
Da kann man doch die Bundeswehr aus dieser Region abziehen, oder?
Centurio X 10.05.2012
4. Unklar ist...
...wie weit die Söldner bei ihrem Einsatz mit Schusswaffen gehen dürfen! Wenn keine AI-Leute oder Jünger von Claudia Roth und Voker Beck an Bord sind, wird es wohl auf das Frühableben der Seeräuber hinauslaufen.
Horrister 10.05.2012
5. Deutschlands Gehorsamsverordnung
So, jetzt will D endlich ein 'Verfahren starten', bewaffneten Begleitschutz zur Piratenabwehr auf See zu reglementieren. Das wird nie klappen. Zunächst stehen die permanenten innerparteilichen Raufereien im Wege, dann die Frage, welches Ministerium dafür zuständig sein soll - Verteidigungs- oder Außen-Ressort . . . und schließlich müsste eine Kommission gegründet werden, die die Waffenausstattung und jede einzelne Patrone in einem Antrags- und Genehmungsverfahren bearbeitet . . . und genau dafür wird mal wieder kein Geld da sein. Die werden die privaten Unternehmen, die für diese Einsätze in Frage kämen, so mit Reglementieren überziehen, dass denen die Lust vergeht. Und wenn überhaupt, dann bitte alles nach der nächsten BT-Wahl, damit immer der andere Schuld ist, wenn etwas daneben geht.
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