Kuala Lumpur - Seit einigen Jahren ist Piraterie vor allem vor der Küste Somalias ein immenses Problem. Nun gibt es gute Nachrichten: Die Zahl der Angriffe von Seeräubern ist im ersten Halbjahr 2012 weltweit stark zurückgegangen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien 177 Attacken gemeldet worden, teilte das Internationale Maritime Büro (IMB) am Montag in Kuala Lumpur mit. Das sind etwa ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum, als es noch 266 waren.
Dennoch wurden laut IMB zwischen Januar und Juni 20 Schiffe gekapert und 334 Besatzungsmitglieder entführt. Mindestens vier Seeleute kamen ums Leben.
Positiv habe sich der Anti-Piraterie-Einsatz im Indischen Ozean ausgewirkt, heißt es. So sei die Zahl der Angriffe somalischer Piraten von 163 auf 69 gesunken. Die Einsätze im Kampf gegen Seeräuber müssten fortgesetzt werden, es gebe dazu keine Alternative, betonte IMB-Direktor Pottengal Mukundan. Dem Bericht zufolge befanden sich Ende Juni noch 11 Schiffe und 218 Besatzungsmitglieder in der Hand somalischer Piraten.
Seit Ende 2008 gibt es am Horn von Afrika die Anti-Piraten-Mission "Atalanta", deren Kommando die Europäische Union führt. Deutschland beteiligt sich derzeit mit 340 Soldaten. Im März weitete die EU das Mandat aus, so dass nun auch Einsätze an der somalischen Küste erlaubt sind. Mit zwei wichtigen Einschränkungen: Angegriffen werden nur Ziele in maximal 2000 Metern Entfernung von der Küste. Außerdem dürfen diese nur aus der Luft attackiert werden - Bodeneinsätze bleiben grundsätzlich verboten.
Als Reaktion auf die starke Militärpräsenz vor Somalia weichen die Piraten jedoch in andere Regionen aus. Besorgniserregend seien die zunehmenden Überfälle von Seeräubern im Golf von Guinea vor der Küste Westafrikas, so das IMB. Bei den äußerst brutalen und meist bewaffneten Attacken seien bereits zwei Crew-Mitglieder ums Leben gekommen. Insgesamt seien in dem Gebiet dieses Jahr 32 Angriffe gemeldet worden, sieben mehr als im Vorjahreszeitraum. Oftmals seien nigerianische Piraten am Werk.
Das IMB mit Sitz in Kuala Lumpur gehört zur Internationalen Handelskammer in London und dient als zentrale Meldestelle für Piratenattacken.
siu/dpa
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