Piraterie am Horn von Afrika Südkoreanischer Zerstörer stellt entführten Supertanker

Nervenkrieg im Indischen Ozean: Ein Zerstörer der südkoreanischen Marine hat den offenbar von Piraten entführten Supertanker "Samho Dream" aufgespürt. Das Schiff hat Öl im Wert von 120 Millionen Euro geladen.

Entführter Tanker "Samho Dream": Öl für 120 Millionen Euro an Bord
AFP

Entführter Tanker "Samho Dream": Öl für 120 Millionen Euro an Bord


Hamburg - Ein Kriegsschiff der südkoreanischen Marine soll die Entführung des Supertankers "Samho Dream" beenden. Der Zerstörer konnte das wahrscheinlich von somalischen Piraten geenterte 300.000-Tonnen-Schiff mittlerweile im Golf von Aden aufspüren.

Die 24-köpfige Besatzung hatte am Sonntag einen Notruf abgesetzt, in dem es nach Marine-Angaben hieß, der mit Öl im Wert von umgerechnet 120 Millionen Euro beladene Tanker sei von drei Piraten überfallen worden. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Schiff, auf seinem Weg vom Irak in die USA, etwa 1500 Kilometer südöstlich des Golfs von Aden.

Südkorea entsandte daraufhin einen Zerstörer eines Anti-Piraten-Verbandes, um den Supertanker zu verfolgen. Am späten Montagabend (MEZ) sei es den Soldaten gelungen, das entführte Schiff aufzuspüren. Der Zerstörer ist laut Verteidigungsministerium mit einem Helikopter, Raketen und Geschützen bewaffnet. Mehr als 300 Soldaten befinden sich demnach an Bord, darunter auch ein 30-köpfiges Spezialkommando.

Kurs auf Somalia

Ein Sprecher der multinationalen Flotte vor Somalia sagte, der Tanker habe Kurs auf die ostafrikanische Küste gesetzt, es könne jedoch noch einige Tage dauern, bis er diese erreiche. Sicherheitsexperten schließen jedoch eine militärische Kommandoaktion aus. Die Gefahr, dass die Crew zu Schaden komme oder das Öl in Brand geriete, sei zu groß, hieß es.

Die "Samho Dream" gehört einem Unternehmen aus Singapur, fährt jedoch unter südkoreanischer Flagge. Das Schiff verfügt nach offiziellen Angaben über keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. Offenbar gingen die Betreiber davon aus, dass viele hundert Kilometer von der Küste Somalias entfernt keine Gefahr durch Piraten droht. Nach Marine-Angaben sind die Seeräuber jedoch inzwischen bereit, auf ihren Beutefahrten auch große Strecken zurückzulegen.

Brücke beschossen

Bereits am Sonntag hatte eine Spezialeinheit der niederländischen Marine das deutsche Handelsschiff "MS Taipan" aus den Händen somalischer Piraten befreit. Zunächst beschoss ein Marinehubschrauber die Brücke des entführten Schiffs, wie das Verteidigungsministerium in Den Haag mitteilte. Danach habe sich eine Kommandoeinheit abgeseilt und die Lage unter Kontrolle gebracht.

Zehn Piraten seien festgenommen worden. Ein niederländischer Soldat wurde laut Verteidigungsministerium bei der Befreiungsaktion leicht verletzt. Die 15-köpfige Besatzung der "MS Taipan", darunter zwei Deutsche, blieb unverletzt.

jdl/AP



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