Pirelli-Kalender 2018 Schluss mit Schmuddel

Die hübschesten Models, viel nackte Haut, ästhetisch fotografiert: So präsentierte sich der Pirelli-Kalender jahrzehntelang. Das Konzept hat sich gründlich geändert, wie die neuen Bilder zeigen.

Pirelli/ Alessandro Scotti

Er wurde einst erfunden, um die Reifen des italienischen Herstellers Pirelli zu bewerben. Das Ziel dürfte er längst erfüllt haben: Selbst wer kein Auto besitzt, kennt den berühmten Pirelli-Kalender.

Allerdings nicht aufgrund der schönen Reifen, das Beiwerk verschwand schon wenige Jahre nach der ersten Ausgabe. Bekannt wurde der Kalender vielmehr wegen ästhetischer Aufnahmen der hübschesten Frauen der Welt - möglichst wenig bekleidet. Das allerdings ändert sich gerade radikal.

Schon im vergangenen Jahr wich Pirelli von seinem Topmodel-Konzept ab und zeigte Frauen aus der Mitte der Gesellschaft: mollige, alte, auch angezogene. Dieses Jahr, in der 45. Ausgabe, sollen Aufnahmen des Fotografen Tim Walker in die Traumwelt von Alice im Wunderland entführen.

Dafür fotografierte Walker 17 Menschen aus den Bereichen Mode, Musik, Kino und Underground, wie es in seiner Pressemitteilung heißt. Alle sind farbig, manche Albinos. Von ihrer Haut allerdings sieht man in der Regel nicht mehr als den Kopf und die Hände.

Stattdessen stellen die Bilder die berühmten Erlebnisse der kleinen Alice nach, wie Aufnahmen des Making-of zeigen. Mal mit großem Hut, mal mit Hasenmaske, immer mit Kleidung. Die Botschaft ist klar: Pirelli ist Kunst, keine Schmuddelei mehr, nicht mal ein bisschen.

Das geht auch aus der Pressemitteilung hervor: "Inspiriert von dieser fantastischen Erzählung schuf Tim Walker Tableaux-Vivants (Darstellungen von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen) voller Anspielungen auf irreale Situationen und illusionäre Sprichwörter, doch stets mit Bezug zur englischen Kultur", heißt es dort.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Gisele Bündchen, Naomi Campbell oder Jennifer Lopez für den Kalender räkelten - wenn es sein musste auch ölverschmiert oder verschwitzt.

Eines aber bleibt: Die exklusiven Aufnahmen erhalten wie seit 50 Jahren nur einige wenige ausgewählte Werbekunden. Vielleicht trauen sich jetzt ja mehr von ihnen, den Kalender ganz offen in ihren Büros aufzuhängen.

irb



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
yvowald@freenet.de 22.07.2017
1. Fotos waren immer entzückend
Mein Mann brachte immer den neuesten Pirelli-Kalender von unserem Reifenhändler mit. Ich fand die Fotos entzückend und konnte daran nichts Negatives entdecken. Sicherlich, wer in Prüderie erzogen wurde, sieht dies vielleicht anders. Sei`s drum.
DorianH 22.07.2017
2.
Irgendwie kann ich nicht nachvollziehen, warum Nacktaufnahmen immer in die Schmuddelecke gestellt werden. Pirelli macht doch keine Pornographie oder billige Sexfotos für Seite 3, aber trotzdem wird hier von "Schmuddelei" fabuliert. Hat der Autor irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu ästhetischen Aufnahmen des menschlichen Körpers, oder was soll das?
C. V. Neuves 22.07.2017
3. Verortung
Dieser neue Kalender würde bei mir nicht einmal auf die Rückseite des Kühlschranks kommen, geschweige den in die Garage.
echoanswer 22.07.2017
4. Schmuddel?
Was bitte hatten die ästhetischen Bilder im Pirelli-Kalender in der Vergangenheit mit Schmuddelei zu tun? Was hat hat Nacktheit mit Schmuddelei zu tun? Sind wir mittlerweile bei der gleichem Doppelmoral wie die verklemmten Amis angekommen oder ist der Autor dem Islam beigetreten? Das ist Journalismus an der Unterkante des Niveaus.
noch_ein_forenposter 22.07.2017
5. Sehr schade
Passt leider in die heutige Prüderie. Mal ein echter Fall von: Früher war alles besser.
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