Plädoyer der Staatsanwaltschaft: Dutroux soll lebenslang hinter Gitter

Nach dem Schuldspruch der Jury gegen den Mädchenmörder Marc Dutroux hat die Staatsanwaltschaft heute eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten gefordert. Dessen Kumpan Nihoul soll ebenfalls eine hohe Haftstrafe erhalten.

Staatsanwalt Michel Bourlet (links) und Generalstaatsanwalt Jean-Baptiste Andries vor dem Schwurgericht von Arlon: Lebenslang gefordert
AFP

Staatsanwalt Michel Bourlet (links) und Generalstaatsanwalt Jean-Baptiste Andries vor dem Schwurgericht von Arlon: Lebenslang gefordert

Arlon - Für den Mitangeklagten Michel Nihoul beantragte Staatsanwalt Michel Bourlet mindestens zehn Jahre Gefängnisstrafe. Nihoul galt lange als möglicher Verbindungsmann zu Kinderschänder-Ringen. Das Schwurgericht in Arlon befand ihn vergangene Woche jedoch nur für schuldig, Chef einer Drogen- und Menschenhändlerbande zu sein.

Bourlet begründete den Strafantrag mit Nihouls Vorstrafenregister, der Schwere der Taten und einem Mangel an Reue. Zudem habe Nihoul während der Dutroux-Ermittlungen sechs Jahre lang seine eigene Rolle geleugnet.

Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin soll nach dem Willen der Anklage für bis zu 35 Jahre in Haft. Sie hatte sich damit verteidigt, dass sie lediglich auf Befehl ihres Mannes gehandelt habe. Dies sei jedoch nicht glaubhaft, so Bourlet: "Sie hat geduldig auf ihn gewartet, als er sechs Jahre im Gefängnis saß. Sie nahm teil an seinen Verbrechen und wusste genau, was sie tat."

Eine harte Bestrafung forderte die Staatsanwaltschaft auch für den Dutroux-Komplizen Michel Lelièvre, der bei den Entführungen geholfen hatte. Er soll für 30 Jahre ins Gefängnis.

Der Rechtsanwalt von Michelle Martin bat dagegen für seine Mandantin um eine "nützliche Strafe, aber nicht mehr". Martin werde unter den mittelalterlichen Haftbedingungen in den belgischen Gefängnissen leiden. Außerdem entzöge man Martins Kindern die Mutter. Bei einer Höchststrafe werde sie erst als 60-Jährige wieder frei kommen, gab der Verteidiger zu Bedenken.

Dutroux-Verteidiger Xavier Magnée wies in seinem Plädoyer auf noch ungeklärte Spuren hin, ohne sich zu einem konkreten Strafmaß zu äußern. Er erwarte, dass ein Folgeprozess Klarheit bringe. Dutroux ist laut Magnée kein perverser Einzeltäter, sondern in verschiedene Netzwerke verstrickt. Für Dutroux' Anwälte ist der 47-jährige Beschuldigte ein Psychopath, dem keine Therapie mehr helfe.

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