Eierwurf der Polizei Wer ist schuld am Wasserwerfer-Debakel?

Polizisten in Thüringen wollten einen Wasserwerfer testen, doch das ging schief: Sie warfen Eier, Tennisbälle, Plastikflaschen - und beschädigten eine Scheibe des 900.000 Euro teuren Fahrzeugs. Jetzt wird nach dem Schuldigen gesucht.

WaWe 10: "Kein Produktionsfehler von unserer Seite"
DPA

WaWe 10: "Kein Produktionsfehler von unserer Seite"


Erfurt - Bekommt ein Bub ein ferngesteuertes Auto geschenkt, will er es flitzen lassen, möglichst vor seinen staunenden Freunden. Das geht Erwachsenen nicht anders, haben sie etwas Neues bekommen. Auch nicht, wenn es Polizisten sind.

Die Thüringer Polizei also bekam ein neues Gefährt mit Wasserwerfer, Panzerverglasung, allem Schnickschnack und wollte es offenbar testen und ihren staunenden Chefs präsentieren. Wie aber probiert man einen 33-Tonnen-Koloss aus, der für Großeinsätze mit Gewaltbereiten eingekauft wurde?

Man simuliert einen solchen Einsatz. So kam es wohl zu dem Test, über den der MDR berichtete. Beamte übernahmen die Rolle von randalierenden Demonstranten, Polizeiführer sahen zu. Remmidemmi in Thüringen. Was die Polizei-Randalierer gebrüllt haben, ist nicht bekannt, sicher ist nur: Sie nahmen ihre Rolle wohl ernst. Eier, Tennisbälle, halb gefüllte PET-Flaschen sollen geflogen sein. Ergebnis: "Drei faustgroße Schäden an der Polycarbonat-Panzerverglasung des Einsatzfahrzeuges."

Das Ergebnis dürfte den Polizeioberen nicht gefallen haben, nach dem simulierten Chaos folgt nun eine streng behördliche Aufarbeitung des Vorfalls: Das Thüringer Innenministerium hat eine Schadensmeldung an das Bundesinnenministerium geschickt. Das BMI nimmt sich nun der Sache an. In Berlin weiß man immerhin schon: "Bisher sind derartige Schäden an den neuen WaWe 10 nicht aufgetreten."

Hergestellt wurde das Gefährt in Österreich, doch dort ist man sich keiner Schuld bewusst: "Es scheint kein Produktfehler von unserer Seite zu sein", sagte Gerda Königstorfer von der Firma Rosenbauer. Der Wasserwerfer-Bauer habe die Scheiben gar nicht selbst produziert: "Die Scheiben wurden uns von einem Hauptlieferanten der Bundespolizei bereitgestellt", sagte Königstorfer.

Alle Beteiligten scheinen nun erst einmal die Fakten ordnen zu müssen. Doch: "Die Bundespolizei hat sich noch nicht bei uns gemeldet", sagte Königstorfer. Sie kündigte an, sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen zu wollen. Auch das BMI ist um Aufklärung im Dialog bemüht: "Die Einzelheiten zum Hergang und Schaden werden derzeit mit allen Beteiligten geklärt", ließ das Ministerium mitteilen.

Ei, Tennisball oder Wasserflasche?

Der Bund ist verantwortlich für die Beschaffung der Wasserwerfer für die Bereitschaftspolizeien der Länder und die Bundespolizei, er bezahlt sie auch. Laut BMI wurden bislang 14 Einsatzwagen für die Länder und vier für die Bundespolizei ausgeliefert. Insgesamt sollen 61 Wasserwerfer angeschafft werden. Stückpreis: 900.000 Euro.

Eine der drängendsten Fragen ist wohl, welches Wurfgeschoss denn nun für den Schaden verantwortlich war? Tatsächlich die Eier? Oder doch die Tennisbälle? Die halb gefüllten PET-Flaschen? Der Ermittlungsstand ist bislang dürr: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht nachvollziehbar, welche geworfenen Gegenstände die Frontscheibe in der Durchsicht leicht beeinträchtigt haben", sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Thüringen.

Wie groß der Schaden tatsächlich ist, gehört ebenfalls noch zu den Mysterien des Falles, die aufgeklärt werden sollen. "Die Durchsicht der Frontscheibe ist nur marginal beeinträchtigt", sagt der Polizeisprecher. Auch Hersteller Rosenbauer schätzt den Schaden als nicht sehr gravierend ein: "Die Scheibe ist nicht kaputt, sie ist zerkratzt."

Gleichwohl will die Polizei Thüringen nun mit dem Bund - und vielleicht auch mit den beteiligten Firmen - klären, "ob und wie das Fahrzeug weiterhin eingesetzt wird". In den nächsten Tagen werde die Windschutzscheibe näher begutachtet. Rosenbauer-Sprecherin Königstorfer stellte klar: "Die Scheiben und der ordnungsgemäße Einbau wurden von der Bundespolizei geprüft und abgenommen und das Fahrzeug freigegeben."

Mittlerweile beschäftigt der Vorfall sogar die Erfurter Landespolitik. Wie der MDR am Dienstag berichtete, hat die Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König nach eigenen Angaben eine Anfrage zu dem Vorfall an das Thüringer Innenministerium gestellt.

Vielleicht klärt sich dann ja endlich, wer schuld an dem Schaden war: Ei, Tennisball oder Wasserflasche.

bim/bka

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