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Portugal: Überfall beim Sonnenbad - Massenpanik am Strand

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Hunderte Jugendliche haben an einem Strand in der Nähe Lissabons Urlauber überfallen. Bei dem Großangriff auf die Sonnenbadenden wurden mehrere Menschen verletzt, die Polizei hatte die Situation erst nach mehreren Stunden im Griff.

Angreifer, Polizisten, Strandbesucher in der Nähe von Lissabon: Panik, Angst, Schrecken
DPA

Angreifer, Polizisten, Strandbesucher in der Nähe von Lissabon: Panik, Angst, Schrecken

"Arrastão" nennt man die Überfalltechnik in Brasilien, Schleppnetz. Eine Horde wildgewordener Jugendlicher stürmt an den Strand und verbreitet Angst und Schrecken. Mal sind die Halbwüchsigen mit Messern bewaffnet, mal zetteln sie scheinbar eine Prügelei an oder ballern in die Luft. Die Sonnenbadenden fliehen in Panik. Anschließend können die Angreifer dann die liegen gebliebenen Wertsachen einsammeln. An den Stränden Rio de Janeiros sind diese Überfälle nichts Neues, regelmäßig, besonders wenn nach einer längeren Regenzeit die Sonne wieder scheint und die Strände voll sind, wiederholt sich die bizarre Form des Güteraustauschs.

Nun hat das Phänomen auch Europa erreicht. Gestern überfielen etwa 500 Jugendliche Sonnenbadende an einem Strand in der Nähe von Lissabon. An dem Strand von Carcavelos, 15 Kilometer westlich der portugiesischen Hauptstadt, fielen die Jugendlichen wie Heuschrecken über die verängstigten Badegäste her.

Sicherheitskräfte am Strand von Carcavelos: Erst nach Stunden hatten die Polizisten die Situation im Griff
DPA

Sicherheitskräfte am Strand von Carcavelos: Erst nach Stunden hatten die Polizisten die Situation im Griff

Gegen 14.30 Uhr hätten sich die Jugendlichen zunächst in kleineren Gruppen von 50 bis 100 Menschen zusammengeschart, dann seien sie an den Strand gestürmt. Hélder Gabriel, ein Café-Besitzer und Augenzeuge, sagte, die Jugendlichen seien zwischen zwölf und 20 Jahre alt gewesen. Es habe in der Region schon früher Überfälle gegeben, wird Gabriel im "Jornal de Noticias" zitiert. "Aber so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte der Mann, der seit neun Jahren sein Café betreibt. In ihrer Panik hätten die Menschen versucht, vom Strand zu fliehen. Dabei seien sie über alles gerannt, was ihnen im Wege stand. Kinder, die im Wege gestanden hätten, seien einfach umgerannt worden.

Nach etwa 30 Minuten sei schließlich die Polizei angerückt. Die etwa 60 Beamten schossen nach Zeugenangaben in die Luft, um die aggressiven Diebe zu verjagen. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, insgesamt fünf Menschen, darunter zwei Polizisten, wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Erst nach Stunden sei der Spuk vorbei gewesen. Der Bürgermeister von Cascais erklärte, bei den Angreifern habe es sich um Jugendliche aus sozialschwachen Familien aus Vororten Lissabons gehandelt. Wegen eines Feiertags waren die Strände in Portugal gut besucht. Nun sollen die Sicherheitskräfte verstärkt werden - zunächst erstmal für das Wochenende.

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