Briefträger gegen Fasan: "Ich habe die Schnauze voll"
Der britische Briefträger Barry Hutchinson wird seit Wochen von einem penetranten Fasan angegriffen. "Aus lustig wurde lästig", sagt er im Interview. Letzte Hoffnung des Postboten: die Balz.
Die Geschichte von Postboten und Tieren ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Das Verhältnis von Hunden und Briefträgern ist so problembehaftet, dass es inzwischen Deeskalationsseminare zum Thema gibt. Barry Hutchinson, Briefträger aus England, könnte einen ähnlichen Kurs vermutlich gut gebrauchen.
Der 39-Jährige, seit neun Jahren Postbote, hat es mit einem Widersacher zu tun, der auch ihm neu ist: Ein Fasan lauert ihm im Örtchen Dunsley auf - und greift den Briefträger an. "Unpleasant Pheasant", kalauerte die "Sun", sehr frei übersetzt etwa: mieser Vogel.
SPIEGEL ONLINE: Wann hat Sie der Fasan zum ersten Mal angegriffen?
Hutchinson: Er ist immer wieder bei meiner Runde in Dunsley neben mir hergelaufen. Dann, vor etwa sechs Wochen, habe ich mich mit einem Anwohner über den Vogel unterhalten. Wir lachten, und da ist es passiert: Der Fasan sprang mich an.
SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie reagiert?
Hutchinson: Ich war überrascht und fand es witzig. Mit der Zeit ist es aber immer schlimmer geworden. Aus lustig wurde lästig.
SPIEGEL ONLINE: Was macht der Vogel jetzt?
Hutchinson: Er nähert sich dem Postauto und greift es an, schlägt gegen die Türen, pickt auf die Reifen ein.
SPIEGEL ONLINE: Und wenn Sie das Auto verlassen?
Hutchinson: Er wartet, bis ich ausgestiegen bin. Dann springt er an mir hoch, folgt mir zu den Türen und pickt auf mich ein.
SPIEGEL ONLINE: Warum tut er das?
Hutchinson: Ich vermute, dass er sein Revier verteidigen will und mich als Bedrohung, als Rivalen ansieht. Vielleicht wegen der Jacke, die ich bei der Arbeit trage. Sie ist orangefarben, ähnlich der Farbe seines Gefieders.
SPIEGEL ONLINE: Wie wehren Sie sich?
Hutchinson: Ich versuche, ihn mit der Post zu hauen, die ich austrage. Das funktioniert nicht besonders gut.
SPIEGEL ONLINE: Wie lange bleibt Ihnen der Fasan auf den Fersen?
Hutchinson: Er folgt mir auf dem Weg zu acht Häusern. Das dauert etwa eine halbe Stunde.
SPIEGEL ONLINE: Hatten sie vorher schon Schwierigkeiten mit Tieren? Der Klassiker ist ja der Konflikt zwischen Postbote und Hund.
Hutchinson: Mit Hunden habe ich immer wieder Probleme - das Übliche: Bellen und Versuche, mich zu beißen. Und manchmal habe ich auch Schwierigkeiten mit Möwen. Wenn die Nachwuchs bekommen, fliegen sie von den Häusern herunter und versuchen, ihre Babys zu beschützen. Aber der Fasan ist etwas Besonderes. Von einem ähnlichen Fall habe ich noch nie gehört.
SPIEGEL ONLINE: Finden die Leute ihr Problem mit dem Fasan lustig?
Hutchinson: Ja, die finden es witzig. Aber ich habe langsam echt die Schnauze voll. Ich hoffe, dass sich der Fasan beruhigt, wenn im Frühjahr die Balzzeit kommt. Dann wird er hoffentlich gelassener und geht in ein anderes Revier.
SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Dorfbewohner angeboten haben, den Fasan zu erschießen?
Hutchinson: Nein, nur Leute aus der Stadt - und auch nur im Scherz. Der Fasan ist ziemlich beliebt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand ihn töten will.
SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass die Dorfbewohner den Vogel "Mr. Attitude" nennen?
Hutchinson: Ja, das stimmt.
SPIEGEL ONLINE: Welche Namen haben sie für ihn?
Hutchinson: Ich habe mehrere, allesamt Kraftausdrücke. Keinen davon kann man veröffentlichen.
Das Interview führte Benjamin Schulz
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- Sonntag, 20.01.2013 – 13:49 Uhr
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