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15. Februar 2013, 19:38 Uhr

Präparierter Knut

Comeback des Über-Bären

Eisbär Knut ist wieder da: Als lebensgroßes Präparat steht das vor zwei Jahren verendete Tier im Foyer des Berliner Museums für Naturkunde. Ausgestopft hat man Knut aber keineswegs, wie das Museum betont.

Berlin - Knut hat die Vorderpfoten ganz bequem auf einem kleinen Felsen abgelegt. Der Eisbär sieht zufrieden aus, die Ohren stehen noch immer leicht ab. Diese Position sei typisch für ihn, sagt Zoo-Tierarzt André Schüle, der den 2011 überraschend verendeten Knut noch zu Lebzeiten kannte.

Jetzt ist Knut wieder da: Als Präparat steht er hinter Glas im Berliner Museum für Naturkunde. Bei der Enthüllung bekamen nur Journalisten und geladene Gäste den früheren Publikumsliebling des Berliner Zoos zu sehen. Von Samstag an können aber auch Besucher das Präparat anschauen. Da Knut zunächst im Foyer des Museums steht, ist er einen Monat lang kostenlos zu besichtigen.

Vor sechs Jahren hatte der Eisbär als Jungtier landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Weil ihn seine Mutter verstoßen hatte, zog ihn ein Pfleger im Zoo mit der Flasche auf. Der kleine Knut entwickelte sich zu einer Art Tier-Promi, der täglich viele hundert Besucher anlockte. Die Aufregung nahm allerdings spürbar ab, als das Bärchen zu einem mächtigen Raubtier heranwuchs.

Drohbriefe von Eisbär-Anhängern

Das Knut-Präparat sei "ein neues Meisterwerk", sagte Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde. Wiederholt betonten die Verantwortlichen, Knut sei keineswegs im klassischen Sinne - also mit Stroh - ausgestopft worden. "Um die Muskeln, die Feinheiten des Gesichts, um all dieses darzustellen, ist Stroh viel zu grob. Dafür nimmt man heute Schaum", sagte Vogel. Über den lebensgroßen Körper aus Kunststoff wurde Knuts echtes, weiß-gelbes Fell gezogen. Die Augen sind aus Glas.

Immer wieder hatten Knut-Fans und Tierschützer das Vorhaben kritisiert, den Bären auf diese Art zu verewigen. "Als Knut starb, gab es eine große emotionale Welle", sagt Vogel. Das Museum habe sich gemeinsam mit dem Zoo dazu entschieden, den Eisbären als wissenschaftliches Phänomen zu behandeln. Deswegen hätten einige Knut-Anhänger sogar Drohbriefe geschrieben. Andere hätten sich sehr auf ein Wiedersehen mit ihrem Liebling gefreut. "Dass wir jetzt unsere Dermoplastik hier zeigen, ist unser Beitrag, über dieses Phänomen Knut mit der Gesellschaft zu reden", sagt Vogel.

Heftige Kritik kommt von der Tierschutzorganisation Peta. Man sei "nicht überrascht von dem geschmacklosen Verhalten des Berliner Zoos, Knuts Fell für das Anfertigen einer Skulptur herzugeben", heißt es in einer Stellungnahme. Schon zu Lebzeiten habe der Zoo seinen Star gnadenlos vermarktet. Museumsdirektor Vogel bestreitet das: "Jeder, der hier hinkommt, kann Knut sehen, bewundern, bestaunen, beweinen, belachen - ohne Eintritt zahlen zu müssen."

rls/dpa/AP/Reuters

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