Präparierter Knut: Comeback des Über-Bären

Eisbär Knut: Tier-Promi hinter Glas Fotos
Getty Images

Eisbär Knut ist wieder da: Als lebensgroßes Präparat steht das vor zwei Jahren verendete Tier im Foyer des Berliner Museums für Naturkunde. Ausgestopft hat man Knut aber keineswegs, wie das Museum betont.

Berlin - Knut hat die Vorderpfoten ganz bequem auf einem kleinen Felsen abgelegt. Der Eisbär sieht zufrieden aus, die Ohren stehen noch immer leicht ab. Diese Position sei typisch für ihn, sagt Zoo-Tierarzt André Schüle, der den 2011 überraschend verendeten Knut noch zu Lebzeiten kannte.

Jetzt ist Knut wieder da: Als Präparat steht er hinter Glas im Berliner Museum für Naturkunde. Bei der Enthüllung bekamen nur Journalisten und geladene Gäste den früheren Publikumsliebling des Berliner Zoos zu sehen. Von Samstag an können aber auch Besucher das Präparat anschauen. Da Knut zunächst im Foyer des Museums steht, ist er einen Monat lang kostenlos zu besichtigen.

Vor sechs Jahren hatte der Eisbär als Jungtier landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Weil ihn seine Mutter verstoßen hatte, zog ihn ein Pfleger im Zoo mit der Flasche auf. Der kleine Knut entwickelte sich zu einer Art Tier-Promi, der täglich viele hundert Besucher anlockte. Die Aufregung nahm allerdings spürbar ab, als das Bärchen zu einem mächtigen Raubtier heranwuchs.

Drohbriefe von Eisbär-Anhängern

Das Knut-Präparat sei "ein neues Meisterwerk", sagte Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde. Wiederholt betonten die Verantwortlichen, Knut sei keineswegs im klassischen Sinne - also mit Stroh - ausgestopft worden. "Um die Muskeln, die Feinheiten des Gesichts, um all dieses darzustellen, ist Stroh viel zu grob. Dafür nimmt man heute Schaum", sagte Vogel. Über den lebensgroßen Körper aus Kunststoff wurde Knuts echtes, weiß-gelbes Fell gezogen. Die Augen sind aus Glas.

Immer wieder hatten Knut-Fans und Tierschützer das Vorhaben kritisiert, den Bären auf diese Art zu verewigen. "Als Knut starb, gab es eine große emotionale Welle", sagt Vogel. Das Museum habe sich gemeinsam mit dem Zoo dazu entschieden, den Eisbären als wissenschaftliches Phänomen zu behandeln. Deswegen hätten einige Knut-Anhänger sogar Drohbriefe geschrieben. Andere hätten sich sehr auf ein Wiedersehen mit ihrem Liebling gefreut. "Dass wir jetzt unsere Dermoplastik hier zeigen, ist unser Beitrag, über dieses Phänomen Knut mit der Gesellschaft zu reden", sagt Vogel.

Heftige Kritik kommt von der Tierschutzorganisation Peta. Man sei "nicht überrascht von dem geschmacklosen Verhalten des Berliner Zoos, Knuts Fell für das Anfertigen einer Skulptur herzugeben", heißt es in einer Stellungnahme. Schon zu Lebzeiten habe der Zoo seinen Star gnadenlos vermarktet. Museumsdirektor Vogel bestreitet das: "Jeder, der hier hinkommt, kann Knut sehen, bewundern, bestaunen, beweinen, belachen - ohne Eintritt zahlen zu müssen."

rls/dpa/AP/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
SchiffSetzung 15.02.2013
Wird der Thomas Dörfer da gleich mit ausgestellt? Diese Präparation könnte doch was für den Herr von Hagens sein. Ziemlich geschmacklos das Ganze.
2. Suboptimale Idee
Kimoya 15.02.2013
Ich bin von der Idee mit dem Präparieren auch nicht begeistert gewesen. Es ist hierbei egal womit man Knuts Leichnam gefüllt hat, denn Leiche bleibt Leiche und ich würde mir niemals erlauben, verstorbene Tiere zu präparieren oder gar auszustellen. Dafür ist mein Respekt vor Lebewesen einfach zu gross, egal ob es sich um Mensch oder Tier handelt.
3. Patenonkel
archivdoktor 15.02.2013
Zitat von SchiffSetzungWird der Thomas Dörfer da gleich mit ausgestellt? Diese Präparation könnte doch was für den Herr von Hagens sein. Ziemlich geschmacklos das Ganze.
Finde ich auch. Kann mich aber erinnern, dass sich damals Siggi Gabriel als Knuts Patenonkel in den Vordergrund gedrängt hat - war er auch jetzt dabei? Ich meine, nicht ausgestopft, sondern wieder als Patenonkel!
4. Gespalten
lemmy01 15.02.2013
Zitat aus Rocky IV von Ivan Drago: "Wenn er tot ist, ist er tot." Das ist auch in diesem Fall leider so. Übrig ist ein Fell. Mit was das Innen gefüttert wird, ist ziemlich egal. Was das Museum für Naturkunde damit beabsichtigt, ist zweifelhaft. Vermutlich hofft man auf zusätzliche Knut-Fans als Besucher. Ich glaube nicht, dass diese Rechnung aufgehen wird. Ein totes Fell rührt niemanden. Auch Peta scheint mir hier nicht recht rational zu agieren. Den Bären wird es wohl wenig stören, ob sein präpariertes Fell ausgestellt wird oder nicht. Das eint ihn vermutlich mit Tutenchamun. Unterm Strich: Viel Lärm um nichts.
5.
tetrahydrofuran 15.02.2013
Zitat von KimoyaIch bin von der Idee mit dem Präparieren auch nicht begeistert gewesen. Es ist hierbei egal womit man Knuts Leichnam gefüllt hat, denn Leiche bleibt Leiche und ich würde mir niemals erlauben, verstorbene Tiere zu präparieren oder gar auszustellen. Dafür ist mein Respekt vor Lebewesen einfach zu gross, egal ob es sich um Mensch oder Tier handelt.
Ich gehe davon aus, dass Sie tagtäglich Ihre Füße in Gebilde aus gegerbter Tierleichenhaut hineinstecken. Viele seltene Tiere, die in Zoos versterben, werden präpariert. Dies dient der wissenschaftlichen Ausbildung, kann den Zoos gutes Geld einbringen und ist Präparaten aus zweifelhaftem Ursprung vorzuziehen. Ich kann daran nichts Schlechtes erkennen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Eisbär Knut
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 32 Kommentare
Twitter trauert um Knut


mehr über SPIEGEL ONLINE auf Twitter...