Kulissenstadt Hier brennt Paris

Das mittelalterliche Paris brennt - und das in Prag: Ein Großbrand hat die Kulissenstadt für eine US-Serie vernichtet. Eigentlich sollten an diesem Wochenende die Dreharbeiten beginnen.


Ein Großbrand hat einen Teil der Kulissenstadt für die US-Serie "Knightfall" in den Prager Filmstudios Barrandov vernichtet. Das Feuer verursachte mehrere Millionen Euro Schaden. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT24 war zu sehen, wie eine nachgebaute mittelalterliche Burg und größenteils aus Holz errichtete Nachbildungen des mittelalterlichen Paris völlig niederbrannten. Die Brandursache ist bislang unklar.

Drei Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten verletzt, der Einsatz dauerte bis zum Samstagmorgen. Dabei warfen auch Hubschrauber Wasser aus der Moldau auf das brennende Areal von rund zehntausend Quadratmetern. Zudem habe die Polizei eine nahegelegene Tankstelle präventiv mit Wasserwerfern bespritzt, um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Die Polizei musste außerdem zahlreiche Schaulustige fernhalten, die von den kilometerweit sichtbaren Rauchschwaden angelockt wurden.

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Feuer in Prager Kulissenstadt: Paris brennt!

Den Schaden habe die Feuerwehr auf rund hundert Millionen tschechische Kronen (3,7 Millionen Euro) geschätzt, berichtet die Nachrichtenagentur CTK. Das Internetportal "Novinky.cz" berichtete, vor dem Brand seien Vorbereitungen für Serienproduktion "Knightfall" des US-Senders History gelaufen. Die Serie über den mittelalterlichen Orden der Tempelritter wird von US-Schauspieler Jeremy Renner produziert und spielt im frühen 14. Jahrhundert.

Studio mit großer Tradition

Die Dreharbeiten für die Serie über den mittelalterlichen Orden der Tempelritter hätten demnach am Wochenende beginnen sollen. Das Management des Studios habe sich nach Rücksprache mit der Produktionsfirma entschieden, keine Stellungnahme abzugeben.

Die Filmstadt im Prager Stadtteil Barrandov gehört zu den größten und ältesten Studios der Welt. Seit den Dreißigerjahren wurden dort mehr als 2500 tschechische und internationale Filme gedreht, von denen mehrere einen Oscar oder andere internationale Auszeichnungen erhielten. Zu den bekanntesten zählen etwa Milos Formans "Amadeus", der ebenfalls mit einem Oscar und auch dem Golden Globe ausgezeichnete tschechische Film "Kolja" oder Barbra Streisands "Yentl". Auch deutsche Koproduktionen wie der Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" entstanden in den Barrandov-Studios.

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft zum Jahreswechsel 1989/90 bemühte sich der damalige Präsident Vaclav Havel, die Studios in seinen Besitz zu bekommen. Er berief sich darauf, dass seine Vorfahren die eigentlichen Gründer der Studios gewesen seien. Sie hätten ihre Ansprüche erst infolge der schrittweisen Enteignung durch die nationalsozialistischen deutschen Besatzer ab 1939 und die spätere Verstaatlichung nach dem Zweiten Weltkrieg verloren. Auch die heutige Homepage führt die Gebrüder Havel als "Gründerväter" an.

fdi/dpa

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