Privatvideos von der "Costa Concordia" "Unsere Techniker arbeiten daran, das Problem zu lösen"

Anfangs wird noch gelacht: Privatvideos dokumentieren, wie Passagiere von dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" zu entkommen versuchten. Die Durchsagen der Besatzung wirken hilflos.

REUTERS

Hamburg - Am Anfang des Dramas um die "Costa Concordia" war eine Durchsage: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Wegen technischen Problemen haben wir gerade einen Black Out. Es besteht kein Grund zur Panik, bitte bleiben sie ruhig. Unsere Techniker arbeiten schon daran, das Problem zu lösen. Vielen Dank".

Amateurfilmer haben die Worte eines Besatzungsmitglieds und andere Szenen auf dem havarierten Kreuzfahrtschiff auf Video festgehalten. Die Passagiere lauschten der Durchsage bei Dunkelheit - das Licht an Bord des Kreuzfahrtschiffes war zunächst ausgefallen, wie der Film zeigt. Das Video (siehe oben) dokumentiert die Szenen auf dem Schiff, kurz nachdem es Leck geschlagen war.

Anfangs hört man Leute schmunzeln über das Chaos an Bord. Doch bald zeigt sich Anspannung in ihren Augen. Passagiere hatten in Interviews gesagt, an Bord wäre Panik ausgebrochen, die Rettung wäre viel zu spät eingeleitet worden und chaotisch gewesen. Manche Leute waren ins kalte Wasser gesprungen. Rettungsmannschaften berichteten, sie hätten bis zu 150 Menschen aus dem Meer geholt und an Land gebracht. Zudem klagten Passagieren, es habe so gewirkt, als sei die Besatzung für Rettungsaktionen nicht richtig ausgebildet.

Die Videos zeigen nun, wie sich Passagiere vor ihren Kabinen in Ruhe die Rettungswesten zubinden. An Deck drängeln sich dann Hunderte auf einem engen Gang, während Durchsagen in mehreren Sprachen ertönen: "Im Moment besteht noch immer keine Gefahr". Alle Passagiere sollten sich an "Deck 4 begeben": "Dort weisen ihnen die Besatzungsmitglieder den schnellsten Weg zu ihrem Rettungsboot", klingt es aus dem Lautsprecher. Doch die Menschen können sich offenbar keinen Schritt bewegen, so dicht stehen sie beeinander.

Die nächsten Szenen wurden vom Rettungsboot aus gefilmt, in dem sich Menschen sitzend aneinander drängen. Das Schiff ist teils untergangen, es kippt. "Wassereinbruch", sagt ein Passagier. Mehrere Rettungsboote sind zu sehen in der Dunkelheit der Nacht. Am Ende sammeln sich die Leute in einer Kirche. Die meisten tragen noch immer ihre Rettungswesten.

boj

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wolltsnursagen 15.01.2012
1.
"Anfangs hört man Leute schmunzeln" Spiegel online kann Leute schmunzeln hören? Wahnsinn!
herkurius 15.01.2012
2.
Ich kapier's einfach nicht. Die Passagiere sollen auf einem Schiff, das auf Grund aufgelaufen ist und heute, Tage später, immer noch über Wasser verharrt, trotz der laufenden Informationen über Lautsprecher in Panik in's winterliche Wasser gesprungen sein?!
hansh. 15.01.2012
3.
Zitat von herkuriusIch kapier's einfach nicht. Die Passagiere sollen auf einem Schiff, das auf Grund aufgelaufen ist und heute, Tage später, immer noch über Wasser verharrt, trotz der laufenden Informationen über Lautsprecher in Panik in's winterliche Wasser gesprungen sein?!
Wenn der sichere Boden nicht mehr unten ist sondern seine Lage verändert, dann gerät man sehr wohl in Panik. Und mittlerweile sind die Böden dort, wo früher die Wände waren.
lhr 15.01.2012
4.
Zitat von sysopAnfangs wird noch*gelacht:*Privatvideos dokumentieren,*wie*Passagiere von dem havarierten Kreuzfahrtschiff*"Costa Concordia" zu entkommen versuchten. Die Durchsagen der Besatzung wirken hilflos. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,809227,00.html
"Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Wegen technischen Problemen haben wir gerade einen Black Out. Es besteht kein Grund zur Panik, bitte bleiben sie ruhig. Unsere Techniker arbeiten schon daran, das Problem zu lösen. Vielen Dank". Ich weis nicht was Spiegel an den Aussagen der Besatzung zu meckern hat. Das Video zeigt, die Durchsage, dass der Strom ausgefallen, ist richtig und wird mit ruhiger freundlicher Stimme vorgetragen ... damit vermeidet man Panik. Klar ich war nicht dabei ... aber ich vermute weiter, dass während der Strom ausgefallen war noch nicht klar war wie gross der Wassereinbruch ist oder ob es überhaupt einen gibt. Was hätte die Dame den sagen sollen damit Spiegel zufrieden wäre 'Unser dummer Kaptiän hat gerade einen Fels getroffen, mit Strom brauchen sie heute nicht mehr rechnen und ach ja vermutlich saufen wir gerade ab ... alle man über Bord'?
alexbln 15.01.2012
5.
Zitat von herkuriusIch kapier's einfach nicht. Die Passagiere sollen auf einem Schiff, das auf Grund aufgelaufen ist und heute, Tage später, immer noch über Wasser verharrt, trotz der laufenden Informationen über Lautsprecher in Panik in's winterliche Wasser gesprungen sein?!
naja in der paniksituation und bei den eher älteren herrschaften kein wunder. wer einigermaßen ruhe bewahrt, konnte wissen,das schiff sinkt nicht, weil das meer logischerweise viel zu flach ist an der stelle, sondern es kippt im schlechtesten fall- aber sowas dauert bei schiffen dieser größenordnung auch ein paar stunden-genug zeit also-sich in sicherheit zu bringen und an die stellen zu gelangen die sich oberhalb des wassers befinden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.