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19. September 2011, 14:32 Uhr

Protest nach Fukushima

Zehntausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

Der Protest wird immer lauter: In Japan haben rund 60.000 Menschen gegen die Atompolitik der Regierung demonstriert, so viele wie noch nie. Sechs Monate nach der Katastrophe in Fukushima fordert eine große Mehrheit das Ende der Kernkraft.

Tokio - Noch nie haben in Japan mehr Menschen gegen die Kernenergie protestiert. In Tokio gingen 60.000 Atomkraftgegner auf die Straße. Ein halbes Jahr nach dem Reaktorunfall in Fukushima forderten sie den Ausstieg aus der Kernenergie. Nach Umfragen japanischer Medien befürworten inzwischen rund 70 Prozent der Bürger des Landes einen Ausstieg aus der Kernenergie.

"Wir müssen alle Atomkraftwerke stoppen, um unser Überleben zu sichern. Diese Forderung ist ein Ärgernis für diejenigen, die ihre Profite sichern wollen. Aber wir sind anders", sagte Taro Yamamoto, einer der Redner.

Andere Teilnehmer kritisierten den neuen Regierungschef Yoshihiko Noda. Er wolle bei der UN-Konferenz in wenigen Tagen zur Atomsicherheit das Wiederanfahren von AKWs ankündigen und deren Sicherheit betonen. "Doch die Sicherheit und Glaubwürdigkeit sind bereits zunichte", sagte der Buchautor und Mitorganisator der Demonstration, Satoshi Kamata.

Ruiko Muto, Führungsmitglied einer Anti-Atom-Gruppierung in Fukushima, warf den Verantwortlichen in der Regierung und beim Kernkraftbetreiber Tepco vor, der Bevölkerung Fakten verheimlicht zu haben. "Die Regierung beschützt ihre Bürger nicht", sagte Muto. "Die Menschen in Fukushima werden zum Gegenstand für Atomexperimente."

Noch immer sind die Reaktoren in Fukushima nicht völlig unter Kontrolle. Die meisten der 54 anderen Meiler im Land sind aktuell zu Sicherheitsüberprüfungen heruntergefahren.

jbr/dpa

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