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Protest nach Fukushima: Zehntausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

Der Protest wird immer lauter: In Japan haben rund 60.000 Menschen gegen die Atompolitik der Regierung demonstriert, so viele wie noch nie. Sechs Monate nach der Katastrophe in Fukushima fordert eine große Mehrheit das Ende der Kernkraft.

Demo in Tokio: Aufschrei gegen Atomkraft Fotos
AP

Tokio - Noch nie haben in Japan mehr Menschen gegen die Kernenergie protestiert. In Tokio gingen 60.000 Atomkraftgegner auf die Straße. Ein halbes Jahr nach dem Reaktorunfall in Fukushima forderten sie den Ausstieg aus der Kernenergie. Nach Umfragen japanischer Medien befürworten inzwischen rund 70 Prozent der Bürger des Landes einen Ausstieg aus der Kernenergie.

"Wir müssen alle Atomkraftwerke stoppen, um unser Überleben zu sichern. Diese Forderung ist ein Ärgernis für diejenigen, die ihre Profite sichern wollen. Aber wir sind anders", sagte Taro Yamamoto, einer der Redner.

Andere Teilnehmer kritisierten den neuen Regierungschef Yoshihiko Noda. Er wolle bei der UN-Konferenz in wenigen Tagen zur Atomsicherheit das Wiederanfahren von AKWs ankündigen und deren Sicherheit betonen. "Doch die Sicherheit und Glaubwürdigkeit sind bereits zunichte", sagte der Buchautor und Mitorganisator der Demonstration, Satoshi Kamata.

Ruiko Muto, Führungsmitglied einer Anti-Atom-Gruppierung in Fukushima, warf den Verantwortlichen in der Regierung und beim Kernkraftbetreiber Tepco vor, der Bevölkerung Fakten verheimlicht zu haben. "Die Regierung beschützt ihre Bürger nicht", sagte Muto. "Die Menschen in Fukushima werden zum Gegenstand für Atomexperimente."

Noch immer sind die Reaktoren in Fukushima nicht völlig unter Kontrolle. Die meisten der 54 anderen Meiler im Land sind aktuell zu Sicherheitsüberprüfungen heruntergefahren.

jbr/dpa

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1. Weiter träumen ...
gunman, 19.09.2011
Zitat von sysopDer Protest wird immer lauter: In Japan haben rund 60.000 Menschen gegen die Atompolitik der Regierung demonstriert, so viele wie noch nie.*Sechs Monate*nach der Katastrophe in Fukushima fordert eine große Mehrheit das Ende der Kernkraft. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,787108,00.html
Japan ist von der Atomkraft abhäniger, als Frankreich. Mehr muss man dazu nicht wissen. Außer vielleicht noch, dass Deutschland seit dem Beginn seines "Ausstieges" reichlich teuren Atomstrom aus Techchien und Frankrech importiert, bzw. dass Deutschland aus eigner Kapazität inzwischen unterversorgt ist. Proteste sind das eine, keine Alternativen was ganz anderes.
2. Rückzieher ...
kurtwied, 19.09.2011
Nachdem ja der Premier - (kurz bevor er aufgehört hat :) - noch von einer 0% Kernernergie-Erzeugung fantasierte, hört sich das beim neuen Premier schon etwas Realitätsnäher an ... "Prime Minister Yoshihiko Noda is set to emphasize the continuing need for nuclear power plants in Japan and will pledge to ensure the highest level of operational safety during an upcoming U.N. conference, according to a draft of his speech obtained by Kyodo News on Sunday. Noda will adopt a different position to that of his predecessor Naoto Kan, who sought to reduce the country's reliance on nuclear power in the wake of the crisis at the Fukushima Daiichi power plant. http://english.kyodonews.jp/news/2011/09/115609.html
3. Kraftwerkskapazitäten1
wolfgangl, 19.09.2011
Zitat von gunmanJapan ist von der Atomkraft abhäniger, als Frankreich. Mehr muss man dazu nicht wissen. Außer vielleicht noch, dass Deutschland seit dem Beginn seines "Ausstieges" reichlich teuren Atomstrom aus Techchien und Frankrech importiert, bzw. dass Deutschland aus eigner Kapazität inzwischen unterversorgt ist. Proteste sind das eine, keine Alternativen was ganz anderes.
Wir haben ohne AKW Kraftwerkskapazitäten von 130 GW und verbrauchen irgendwas um die 80 GW. Wo soll da die Unterversorgung her kommen? Wenn Strom importiert wird, dann hat das reine Profitgründe und das können die Stromkunden sehr leicht beeinflussen. Die Panikmache ist wirklich nicht mehr nachzuvollziehen!
4. Was mich immer wieder erstaunt
diefreiheitdermeinung 19.09.2011
ist wie in Deutschland der Einfluss von 60 000 Demonstranten bei einer Bevoelkerung von ca. 127 Millionen bewertet wird. So als haette die Mehrheit der Japaner das deutsche Emblem: "Atomkraft, nein danke" adoptiert. Mitnichten. Aber es passt wohl mit der Wunschvorstellung ueberein, dass auch in dieser Ecke die Welt am deutschen Wesen und seinen Einstellung zu genesen hat. "Deutsche Meinung - nein danke".
5. Ärger
wolfgangl, 19.09.2011
Zitat von kurtwiedNachdem ja der Premier - (kurz bevor er aufgehört hat :) - noch von einer 0% Kernernergie-Erzeugung fantasierte, hört sich das beim neuen Premier schon etwas Realitätsnäher an ... "Prime Minister Yoshihiko Noda is set to emphasize the continuing need for nuclear power plants in Japan and will pledge to ensure the highest level of operational safety during an upcoming U.N. conference, according to a draft of his speech obtained by Kyodo News on Sunday. Noda will adopt a different position to that of his predecessor Naoto Kan, who sought to reduce the country's reliance on nuclear power in the wake of the crisis at the Fukushima Daiichi power plant. http://english.kyodonews.jp/news/2011/09/115609.html
Genau damit hat er sich den Ärger der 60.000 Demonstranten zugezogen. Gerade für Japan eine unglaubliche Menge. Und immer mehr wird klar, dass sich die Menschen Weltweit nicht mehr von den Atomjunkies verarschen lassen wollen!
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Fotostrecke
Fukushima: So wird das Katastrophen-AKW gedeckelt

Das Tsunami-Beben von Japan

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

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