Proteste Dolce e Gabbana-Werbung soll Vergewaltigung suggerieren

Kunstwerk oder Anstiftung zur kollektiven Vergewaltigung? Ein Werbefoto der italienischen Modemacher Dolce e Gabbana hat einen Skandal entfacht: Es zeigt einen halbnackten Mann, der eine Frau mit Gewalt zu Boden drückt. Andere Männer stehen im Hintergrund und beobachten die Szene.


Rom – Die Werbung sorgt für heftige Kritik in Italien und Spanien. "Das ist eine Anstiftung zur Gruppen-Vergewaltigung", empörten sich die Frauenministerin Barbara Pollastrini sowie mehrere Politiker verschiedener Parteien Italiens. Pollastrini forderte in einem Brief, der von 13 Parlamentariern der Regierungs- und Oppositionsparteien unterzeichnet wurde, den Einsatz der Kommission zur Kontrolle der Werbung: Diese müsse zurückgezogen werden.

Ein Ausschnitt der umstrittenen D&G-Werbung: "Aufhetzung zur kollektiven Vergewaltigung von Frauen"
AFP

Ein Ausschnitt der umstrittenen D&G-Werbung: "Aufhetzung zur kollektiven Vergewaltigung von Frauen"

Die Ministerin appellierte an die Sensibilität der beiden Designer, freiwillig auf die umstrittene Werbekampagne zu verzichten. "Diese Werbung ist eine Aufhetzung zur kollektiven Vergewaltigung von Frauen und muss gestoppt werden", hieß es in dem Schreiben, berichtet die österreichische "Kleine Zeitung".

Das Plakat zeigt einen Mann mit nacktem Oberkörper, wie er eine Frau mit entblößten, gespreizten Beinen festhält. Diese wehrt sich heftig. Vier weitere Männer sehen regungslos zu.

Auch die CGIL, stärkste Gewerkschaftsorganisation in Italien, rief zum Protest gegen die Werbekampagne auf. "Wenn die beiden Designer sich bei den Frauen nicht entschuldigen, werden wir am 8. März, Tag der Frauen, zu einem Boykott der Produkte der Modegruppe aufrufen", sagte die Gewerkschaftssprecherin Valeria Fedeli und verwies auf Statistiken, das fast 32 Prozent der italienischen Frauen Opfer von physischer oder sexueller Gewalt sind. "Angesichts dieser Situation braucht man positive Modelle", sagte Fedeli.

Die Designer bezeichnen Spanien als "zurückgeblieben"

Auch in Spanien sorgt die Werbung für Wirbel: Frauenverbände forderten die italienische Modefirma auf, das Plakat zurückzunehmen. Das Designerduo Stefano Dolce und Domenico Gabbana wurde in den spanischen Medien daraufhin folgendermaßen zitiert: "Wir werden das Werbeplakat zurückziehen, aber nur in Spanien, wo man ziemlich zurückgeblieben ist. Was hat ein künstlerisches Foto mit Gewalt gegen Frauen zu tun? Ein Bild ist Kunst, wenn man sie in Frage stellt, müsste man den Louvre und einen Großteil der Museen der Welt schließen."

Das spanische Instituto de la Mujer habe zum Werbemotiv erklärt, dass es Gewalt gegen Frauen fördere. Das Bild könne so verstanden werden, dass es zulässig ist, Gewalt gegen die Frau anzuwenden. Damit würden Verhaltensweisen gefördert, die nach heutiger Gesetzeslage als Straftaten einzustufen seien, die die Rechte der Frauen angreifen und das Ansehen der Frau schwächen.

"Ein solches Motiv bewirbt Gewalt gegen Frauen. Es müsste eigentlich bei allen Entsetzen hervorrufen. Stellen wir uns vor, es wäre ein Kind oder auch ein Vertreter einer rassischen Minderheit, zum Beispiel ein Afrikaner, der da niedergedrückt würde: Der Aufschrei wäre groß. Weil es aber ‚nur’ eine Frau ist, bezeichnen die Modemacher das Entsetzen als ‚rückständig’", kritisiert Martha Stocker, Vorsitzende der SVP-Frauenbewegung und seit 1998 im Südtiroler Landtag, die Werbung.

jjc/dpa



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