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Provinzposse um Bierkönigin: In der Oberpfalz sind Hopfen und Malz verloren

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In Bayern streiten zwei Brauereien: Wer darf die Oberpfälzer Bierkönigin küren? Eine Einigung scheint unmöglich, die Sache landet vor dem Oberlandesgericht Nürnberg. Das hat nun entschieden. Julia I. wird nicht entthront.

Umstrittene Auszeichnung: Bierkönigin Julia I. Fotos
hcwagner.com

Hamburg - Ihre Aufgaben? Marathonsieger in Empfang nehmen, Bierfässer anstechen, auf Volksfesten gute Laune verbreiten. Die Anforderungen? "Sie darf keine Scheu vor Menschen haben", sagt Hermann Goß, Direktor der Regensburger Brauerei Bischofshof, "sie muss sympathisch sein, sie muss eine gewisse Affinität zum Bier haben". Ihr Auftreten? Sie habe ein bezauberndes Lächeln, sei charmant und hübsch, schreibt die "Mittelbayerische Zeitung".

Die Rede ist von Julia Aschenbrenner, 19 Jahre alt, Mitte Mai wurde sie bei einer Veranstaltung der Brauerei Bischofshof zur Oberpfälzer Bierkönigin gewählt. "Der Wahnsinn, ich kann's überhaupt nicht glauben", sagte sie damals in die Kamera, "ich weiß gar nicht, wie mir geschieht".

Ein Jahr lang darf sie sich nun als Julia I. feiern lassen, sie bekommt von der Brauerei sogar ein Auto gestellt in dieser Zeit. Es hätte allerdings nicht viel gefehlt, und die Regentschaft der 16. Oberpfälzer Bierkönigin wäre deutlich schneller wieder beendet gewesen als die ihrer Vorgängerinnen - obwohl sie selbst am wenigsten dafür kann.

Ein Anruf bei ihrem Arbeitgeber in Regensburg: Ob denn die Julia Aschenbrenner zu sprechen sei? "Ach, unsere Bierkönigin", heißt es in der Presseabteilung, "das ist eine ganz Liebe". Sie sei heute aber leider nicht im Haus. Man werde versuchen, sie zu erreichen. "Vielleicht meldet sie sich dann bei Ihnen." Das tat Julia Aschenbrenner nicht. Sie saß am Dienstagvormittag in einem Auto vor dem Oberlandesgericht Nürnberg und wartete auf eine SMS.

Angefangen hatte alles im vergangenen Sommer, als noch Aschenbrenners Vorgängerin regierte, Sabrina I. Über den genauen Anfang des Streits gibt es unterschiedliche Versionen, fest steht: Die Brauerei Hofmark aus dem kleinen Ort Loifling wollte sich nicht länger damit abfinden, dass die Oberpfälzer Bierkönigin nur eine einzige Brauerei repräsentiert und nicht die gesamte Oberpfalz, eine Region mit insgesamt etwa 70 Brauereien. "Es kann nicht sein, dass eine einzelne Brauerei so tun kann, als sei sie die ganze Oberpfalz", sagt Hofmark-Geschäftsführer Burkhardt Cording. Und da alle Diplomatie scheiterte, landete der Fall schließlich vor dem Landgericht Regensburg.

Nie gab es Probleme

In erster Instanz bekam der Kläger im vergangenen November recht. "Richter entthront die Oberpfälzer Bierkönigin", schrieb die "Mittelbayerische Zeitung".

Am Telefon kann sich Hermann Goß noch heute darüber ärgern, dass es so weit kommen musste. "Seit 16 Jahren führen wir diese Wahl durch", sagt der Brauerei-Direktor, "nie gab es irgendwelche Probleme". Das Urteil des Landgerichts wollte er nicht akzeptieren, die Brauerei Bischofshof legte Revision ein, der Fall landete vor dem Oberlandesgericht Nürnberg. Dort wartete die neue Bierkönigin, erst seit ein paar Wochen im Amt, auf die Entscheidung.

Als das Urteil nun verkündet wurde, das Gericht die Klage der Hofmark-Brauerei zurückwies, da schickte ein Mitarbeiter von Goß eine SMS an die Bierkönigin: Sie möge doch bitte hochkommen zum Gerichtsaal. Er öffnete die Tür, Julia Aschenbrenner trat herein, sie bekam eine Schärpe umgehängt mit ihrem Titel darauf. Der Richter war davon überhaupt nicht begeistert, er rügte die Aktion, man möge so etwas doch bitte draußen machen.

Die beiden Bierbrauer mögen sich nicht sonderlich

Brauerei-Direktor Goß scheint sich darüber nicht sonderlich zu ärgern. "Ich bin nur froh, dass es vorbei ist", sagt er. Den ganzen Blödsinn habe man sich sparen können, in Bayern diskutiere man solche Dinge normalerweise am Biertisch aus. Er habe sich häufig gefragt: "Was soll der Schmarrn?"

In der Entscheidung heißt es, mit der Kür einer Bierkönigin stelle die Regensburger Brauerei zwar nicht hinreichend klar, dass diese Wahl bei einer eigenen Veranstaltung allein in ihrem eigenen Interesse und für eigene Werbezwecke erfolge. Allerdings sei dieses "fehlgeleitete Verbraucherverständnis" kein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Die "Hoheiten" würden vom Verbraucher nicht als Hinweis auf die Qualität der beworbenen Biere aus Regensburg verstanden. Der durchschnittliche Biertrinker durchschaue, dass die Regentschaft "einen recht profanen Kern" habe. Der Verbraucher wisse, dass es sich nur um einen Werbegag handele.

Noch ist das Urteil zwar nicht rechtskräftig. Aber auch Cording sagt, man müsse eigentlich Bier brauen und nicht Prozesse führen. Goß sagt, vorerst werde man so weitermachen wie bisher. Die beiden Bierbrauer mögen sich nicht sonderlich, das wird in den Telefonaten schnell klar.

Julia I. wird also weiterhin als Oberpfälzer Bierkönigin auftreten. In den kommenden Wochen werde man dann alles noch einmal in Ruhe überdenken, so Goß. Beim nächsten Job der Bierkönigin dürfte ihre exakte Bezeichnung ohnehin Nebensache sein. Am Mittwoch fliegt sie gemeinsam mit dem Brauerei-Direktor zu einem Termin nach China.

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insgesamt 16 Beiträge
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1.
loncaros 07.06.2011
---Zitat--- "Der Wahnsinn, ich kann's überhaupt nicht glauben", sagte sie damals in die Kamera, "ich weiß gar nicht, wie mir geschieht". ---Zitatende--- So redet kein echter Oberpfälzer...
2. Bierkönigin ist kein Titel
Bierkenner 07.06.2011
Ich find's toll, dass Bischofshof den Titel exklusiv nutzen und seine Bierkönigin ausschließlich für die eigene Marke werben lassen darf. So weiß man sofort, dass, wenn diese Dame auftaucht, auf der Festivität nur miese Plörre unterster Qualität serviert wird und man getrost daheim bleiben kann...
3. Ja mei loncaros, sogar in der Oberpflaz soll die Jugend schon deutsch sprechen!
Koltschak 07.06.2011
Zitat von loncarosSo redet kein echter Oberpfälzer...
Ältere Oberpfälzer reden wahrscheinlich anders, aber die Jugend von heute ist nicht mehr die Älteren von vorgestern. So nett sich auch oberpfälzisch, was sich wiederum in mehrere Unter-Dialekte aufteilt, anhört. Ja mei, so schwätzet halt heute die Jugend. Kannst Du nix machen, mußt Du gucken tzu! Ansonsten: Königlich Bayerisches Amtsgericht!
4. wüsste eine andere Königin
lookfor 07.06.2011
Damit die Sorgen um die richtige Königin nicht die Gerichte sprengen, hat meine Enkelin sich bereit erklärt sich zu opfern. Sophie träumt davon: "Königin Sophie". Kleid und Krone hat sie schon: einfach ein Traumkostüm.
5. ...
jackweil 07.06.2011
Zitat von sysopIn Bayern streiten zwei Brauereien: Wer darf die Oberpfälzer Bierkönigin küren? Eine Einigung scheint unmöglich, die Sache landet vor dem Oberlandesgericht Nürnberg. Das hat nun entschieden. Julia I. wird nicht entthront. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,767086,00.html
Bei aller Liebe die Spon zu lokalen Ereignissen haben mag, aber was soll dieses Nichtereignis auf Spon?
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