Provokanter Karnevalswagen Bewaffnete Mullahs empören Muslime

Aufregung in Düsseldorf: Ein Karnevalswagen empört Muslime. Die Darstellung zweier mit Sprengstoffgürteln und Säbeln bewaffneten Papp-Mullahs findet der Zentralrat gar nicht zum Lachen.


Düsseldorf - Der eine heißt "Klischee", der andere "Wirklichkeit" - und die beiden sehen so aus: Zwei identische Pappkamaraden, die Münder bedrohlich aufgerissen, mit fiesen Säbeln bewaffnet, um den Bauch tragen sie Sprengstoffgürtel. Der Düsseldorfer Rosenmontagszug macht auch in diesem Jahr seinem Ruf alle Ehre, die provozierendsten Wagen zu haben. Doch die Darstellung der Mullahs hat heftige Proteste des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) ausgelöst.

ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek sagte der "Westdeutschen Zeitung", der Islam werde als "Negativfolie benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen". Die Darstellung der islamischen Gelehrten sei eine "Provokation um der Provokation willen". Mazyek sagte, er frage sich, was der Wagen darstellen solle. "Ich lese die Botschaft so: Wir lieben unsere Vorurteile und verfestigen sie notfalls mit platten Lügen." Er zeigte sich aber sicher, dass "die Mehrheit der Jecken nicht dafür ist, dass ein islamverachtender Zynismus salonfähig gemacht wird." Mit Humor habe das nichts zu tun, er persönlich sehe "das als geborener Rheinländer aber gelassen".

Weitere kritische Wagen rollten durch Düsseldorf: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier trägt um den Hals eine Schlinge - den Bart des unter falschem Terrorverdacht im US-Gefangenenlager Guantánamo inhaftierten Murat Kurnaz. Auch die Außenpolitik kam nicht zu kurz: Auf einem Wagen roch US- Präsident George W. Bush beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an der "Achsel des Bösen".

Auch im Düsseldorfer Zug zu sehen: Adolf Hitler mit heruntergelassener Hose, der die NPD ausscheidet. Zugleiter Hermann Schmitz ließ die provokante Figur aus Angst vor Störungen durch Neonazis erst 20 Minuten vor dem Start des Zuges enthüllen.

Prügel für George W. Bush

In Mainz bekam Bush von der Freiheitsstatue den blanken Hintern versohlt. Ähnlich erging es dem scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU): Er griff nach seinem Hut an der Garderobe, während ihn von hinten ein roter Schuh trat - eine Anspielung auf die Fürther Landrätin Gabriele Pauli.

Die Kölner Wagen fielen dagegen zahm aus, obwohl Zugleiter Christoph Kuckelkorn vorher mehr politischen Biss versprochen hatte. Als Bademeisterin im schwarz-rot-goldenen Badeanzug musste Angela Merkel Mehrwertsteuerhai, Abgabekrokodil und Reformkrake bändigen. Zugleich feuerte sie den Deutschen Michel an, sich in die Fluten zu stürzen. Anschließend kassierte Franz Müntefering für das zweifelhafte Badevergnügen noch ab.

Auf einem der Kölner Wagen fuhren auch die beiden Handball- Weltmeister Florian Kehrmann und Carsten Lichtlein mit. Zwei andere prominente Zugteilnehmer waren die Schauspielerin Mariele Millowitsch und DJ Ötzi. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) brachte im barocken Brokat-Kostüm Kamelle unters Volk. Insgesamt hatte der Kölner Zug 150 Tonnen Wurfmaterial geladen.

han/afp/dpa



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