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21. Mai 2003, 14:46 Uhr

Prozess um 11.-September-Äußerungen

Freispruch für Horst Mahler

Der umstrittene frühere RAF- und heutige NPD-Anwalt Horst Mahler ist von dem Vorwurf freigesprochen worden, die Attentate vom 11. September 2001 gebilligt zu haben. Er hatte die Anschläge, bei denen knapp 3000 Menschen getötet wurden, "rechtens" genannt.

Horst Mahler: "Endlich sind sie mal im Herzen getroffen"
DPA

Horst Mahler: "Endlich sind sie mal im Herzen getroffen"



Hamburg - "Es war ein Erschrecken und gleichzeitig auch das Gefühl: Endlich mal! Endlich sind sie mal im Herzen getroffen. Und das wird sie wahrscheinlich auch zum Nachdenken bringen. Und deshalb sage ich, das war eine Aktion, die, so grausam sie ist, rechtens war", so hatte sich Horst Mahler nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in der ARD-Sendung "Panorama" geäußert.

Wegen des Verdachts auf den Straftatbestand der "Billigung von Straftaten" musste sich der Jurist daraufhin vor dem Hamburger Amtsgericht verantworten. Mahler berief sich während des Prozesses auf sein Recht zur freien Meinungsäußerung. Vor Gericht beschuldigte er die USA, selbst Urheber der Anschläge gewesen zu sein.

Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 6000 Euro beantragt, der Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert.

Ende der sechziger Jahre hatte Mahler unter anderem die späteren Mitbegründer der Roten Armee Fraktion, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, verteidigt. 1970 schloss er sich selbst den Terroristen an und flüchtete mit dem zuvor aus dem Gefängnis befreiten Baader sowie mit Ensslin und Ulrike Meinhof nach Jordanien. Nach seiner Verhaftung in Berlin saß Mahler zehn Jahre im Gefängnis.

Seine Wiederzulassung als Anwalt im Jahr 1988 verdankte er seinem damaligen Anwalt Gerhard Schröder, dem jetzigen Bundeskanzler. Später trat Mahler überraschend der rechtsextremen NPD bei. Im NPD-Verbotsverfahren wurde er von der Partei zu einem von drei Verteidigern berufen.

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