Prozessauftakt Ehepaar quälte Teenager bei Vergewaltigung zu Tode

Erst lockten sie die beiden Mädchen in ihr Auto, dann betäubten sie sie mit Chloroform, schließlich misshandelten sie sie stundenlang. Am Ende starben die beiden 16-jährigen Schülerinnen an einer Überdosis Chloroform. Sieben Jahre später müssen sich jetzt ein 42-Jähriger und seine Frau wegen der Tat verantworten.




Limburg - Das Ehepaar steht im hessischen Limburg vor Gericht. Staatsanwältin Ingrid Richter warf Lutz K. vor, die beiden Mädchen im Oktober 1994 entführt und bei sadistischen Sexsspielen umgebracht zu haben. Seine ein Jahr ältere Ehefrau Monika habe ihm dabei geholfen. Zudem habe das Paar innerhalb von zehn Jahren zahlreiche weitere Sexualstraftaten begangen.

Die Staatsanwältin sagte, das Ehepaar habe die beiden Schülerinnen Jasmin und Yvonne am Morgen des 9. Oktober 1994 mit dem Angebot in ihr Auto gelockt, sie nach einem Diskobesuch in Elz bei Limburg nach Hause zu fahren: "Beide Frauen stiegen völlig ahnungslos in das Auto ein." Nach einer kurzen Strecke sei der 42-jährige Maurer zu den Schülerinnen in den Fond des Wagens gestiegen und habe sie mit Chloroform betäubt. Anschließend habe das Paar ihre Opfer in ihr Haus in Westerburg im Westerwald gefahren und die beiden Mädchen mit Stricken an ein Bett gefesselt.

Nach Darstellung Richters erlebten Jasmin und Yvonne in den nächsten Stunden ein unvorstellbares Martyrium. Lutz K. habe sie unter anderem mit Nadeln und einer Saugglocke an den Geschlechtsteilen malträtiert: "Während dieser Folter wurden sie immer wieder chloroformiert." An einer Überdosis Chloroform seien beide Mädchen zwischen 6 und 10 Uhr am 9. Oktober schließlich gestorben. Anschließend habe der 42-Jährige die Leichen in einem Waldstück im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis abgelegt.

Verbrechen blieb sieben Jahre unaufgeklärt

Das Verbrechen war rund sieben Jahre lang unaufgeklärt geblieben. Erst durch einen Massengentest war die Polizei dem Hauptangeklagten im September 2001 auf die Spur gekommen. Lutz K. und seine Ehefrau haben die Taten in ersten Vernehmungen gestanden. Bereits 1991 oder 1992 soll sich der 42-jährige Maurer bei einer Bekannten durch sadistische Sexspiele hervorgetan haben. Laut Anklage soll Lutz K. auch diese Frau an ein Bett gefesselt und mit Nadeln gequält haben.

Die Staatsanwältin warf ihm zudem vor, zum Teil gemeinsam mit seiner Ehefrau mehrere Kinder sexuell misshandelt zu haben. So habe der 42-Jährige eine minderjährige Freundin seiner Stieftochter vergewaltigt und die Stieftochter selbst gezwungen, seinen Penis mit Filzstiften anzumalen. Auch habe er die drei Kinder seiner Frau aus erster Ehe gezwungen, Pornofilme anzuschauen.

Ein Antrag des Verteidigers des Hauptangeklagten, Manfred Döring, den Prozess wegen Unzuständigkeit einzustellen, wurde vom Gericht zurückgewiesen. Daraufhin beantragte der Anwalt, die Öffentlichkeit für die Dauer des Prozesses auszuschließen. Das Verfahren wird voraussichtlich mindestens bis zum Jahresende 2002 dauern.



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