Prügelvorwürfe gegen Bischof Kinderheim setzt Mixa-Sonderermittler ein

Es ist ein erster Schritt in Richtung Aufklärung: Das Heim, in dem der Augsburger Bischof Mixa vor Jahren mehrere Kinder geschlagen haben soll, hat nun einen Sonderermittler ernannt. Der Geistliche weist die Vorwürfe weiterhin zurück.


Oslo/Augsburg - Das katholische Kinderheim St. Josef im oberbayerischen Schrobenhausen wagt einen ersten Schritt in Richtung Aufklärung. Das Kuratorium der Waisenhausstiftung setzt einen Sonderermittler ein. Der nach Angaben der Stiftung unabhängige Rechtsanwalt soll unter anderem prüfen, ob der heutige Bischof von Augsburg, Walter Mixa, in seiner Zeit als Stadtpfarrer (1975 bis 1996) Zöglinge geprügelt hat. Sechs frühere Heimkinder haben eidesstattliche Erklärungen dazu abgegeben. Mixa bestreitet die Vorwürfe. Politiker und Kirchenvertreter treffen sich am 23. April in Berlin zu einem Runden Tisch zum Thema Missbrauch.

Vom Missbrauchsskandal unter dem Dach der Kirche ist inzwischen auch Norwegen betroffen. Ein aus Deutschland stammender früherer Bischof hat sich dort vor 20 Jahren an einem Jungen vergangen. Wie der Vatikan am Mittwoch bestätigte, hat der Kirchenmann die Tat gestanden und Norwegen im Juni 2009 verlassen.

In Nürnberg wird unterdessen der frühere Leiter eines evangelischen Jugendheims verdächtigt, in den siebziger Jahren mehrfach ein Mädchen geküsst, unsittlich berührt und verprügelt zu haben. Das Opfer, eine inzwischen 42 Jahre alte Frau, machte die Vorwürfe in den "Nürnberger Nachrichten" öffentlich. Die Stadtmission, die das Heim betreibt, zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. Der inzwischen pensionierte Pädagoge bestreitet die Vorwürfe.

Der heute 75-Jährige war Leiter des Martin-Luther-Hauses. Nachdem er 1996 bei einer Freizeit zusammen mit einer Jugendlichen in einem Zelt übernachtet hatte, wurde er von der direkten pädagogischen Arbeit entbunden, sagte der Sprecher der zur Diakonie gehörenden Stadtmission, Thomas Warnken, am Mittwoch.

50.000 Euro Entschädigung

Zu dem Missbrauchsfall in Norwegen erklärte der Vatikan, dass es seit Januar vergangenen Jahres Ermittlungen gegen den Bischof Georg M. gab und dieser im Juni 2009 die Diözese verlassen habe. Der Mann habe sich einer Therapie unterzogen und sei nicht mehr seelsorgerisch tätig. Strafrechtlich sei der Fall bereits verjährt gewesen. Zum Zeitpunkt der Tat war M. noch Priester im Bistum Trondheim, 1997 wurde er zum Bischof ernannt.

"Der Fall wurde nicht öffentlich gemacht, weil das Opfer das nicht wollte", sagte Bischof Bernt Eidsvig. Der Missbrauchte habe 50.000 Euro Entschädigung erhalten. Als "Schande" bezeichnete Eidsvig den Fall in einer Erklärung. Das Opfer ist inzwischen über 30 Jahre alt.

jdl/dpa

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Güllu, 01.04.2010
1.
Entschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Markus Heid, 01.04.2010
2.
Zitat von GülluEntschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Jupp, und die Anwälte des Vatikans haben sich schon eine Verteidigungsstrategie zurechtgelegt: Der Papst genießt als Staatsoberhaupt (eines diktatorischen Theokratie) natürlich Immunität. Und US-Bischöfe sind in Wahrheit keine Angestellte der katholischen Kirche. Was mich aber mehr verwundert, ist, dass der Papst überhaupt Anwälte notwendig hat. Der hat doch angeblich so einen guten Draht nach oben und Anwälte werden doch generell eher mit dem Ewigen Widersacher in Verbindung gebracht.
kyon 01.04.2010
3. Nanoeffekt
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Zu abgehoben, zu entrueckt! Sich fuer unfehlbar haltende Leute halten Vorwuerfe aus der normal-menschlichen Zeit wahrscheinlich fuer eine Zumutung,die an ihnen abperlen wie bei einem Nanoeffekt! Also keine Chance!
Fassungsloser 01.04.2010
4. Jaja
Der Papst sollte barfuß nach Hamburg reisen und sich dort in den Staub werfen... Nächste Frage: Sollten Journalisten lernen, zwischen Religion und Politik unterscheiden zu lernen?
Klo, 01.04.2010
5. Unahltbar
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Wenn er noch einen Funken Ehre besitzt, dann entschuldigt er sich für alle Taten im Namen der Kirche und tritt dann von seinem Amt zurück, um sich in eine Einsiedelei in den Abruzzen zurückzuziehen. Alles andere ist nicht zielführend. Als Papst ist er nicht mehr haltbar.
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