Putz-Faux-Pas in Melbourne Stadtreinigung übermalt Banksy-Graffito

Sie waren ausgezogen, um gegen Schmierereien anzugehen - und zerstörten ein Kunstwerk: In Melbourne haben Mitarbeiter der Stadtreinigung versehentlich ein Graffito des britischen Starkünstlers Banksy auf einer Mauer übermalt. Die Stadt bekannte sich schuldig.

REUTERS

Melbourne - Der britische Graffiti-Sprayer Banksy gilt als Meister der so genannten Street Art. Seine heimlich besprühten Hauswände erregen weltweit Aufmerksamkeit, die von ihm bearbeiteten Bretter und Leinwände gehören zu den begehrtesten Trophäen des Marktes, bringen bei Auktionen sechsstellige Summen.

Im australischen Melbourne haben aber offenbar noch nicht alle von diesem großen Hype der Kunstwelt gehört: Mitarbeiter der Stadtreinigung übermalten versehentlich auf einer Mauer in der Hosier Lane ein Banksy-Graffito.

Wo vor kurzem noch eine Fallschirm springende Ratte zu sehen war, ungefähr so groß wie ein DIN-A-4-Blatt, prangt nun saubere graue Farbe.

''Ich kam am Donnerstag dort vorbei und sah die Reinigungskräfte bei der Arbeit", sagte Anwohner Kerry Butcher der Tageszeitung "The Age". Er habe sie angesprochen und gefragt: "Ist euch eigentlich klar, dass ihr gerade einen Banksy übermalt?" Daraufhin hätten diese geantwortet: "Wir machen nur, was uns aufgetragen wurde."

Die Stadt Melbourne übernahm nun die Verantwortung. Die Mitarbeiter der Reinigunggeselltschaft hätten lediglich ihren Auftrag erfüllen wollen, Graffiti von unerlaubten Stellen zu entfernen, dabei aber auch das Bild von Banksy vernichtet, sagte die Stadtratsvorsitzende Kathy Alexander am Mittwoch. Der Vorfall sei "sehr unglücklich".

Die Hosier Lane ist als Open-Air-Galerie bekannt, die meisten Gebäude sind als Fläche für legale Straßenkunst ausgewiesen, dort dürfen Graffiti bleiben. Das Theater, an dessen Rückwand die Banksy-Ratte war, gehört jedoch nicht zu diesen Flächen.

"Wir hätten alle Banksy-Werke schützen sollen"

Bisher habe die Stadt eine Ausnahme gemacht und das Werk belassen, weil es von Banksy stamme, sagte Alexander. Bis zu dem verhängnisvollen Fehler. "Wir hätten früher handeln und alle Banksy-Werke schützen sollen", so die Stadtratsvorsitzende. Der Star-Künstler hatte sich bei einem Besuch in Melbourne 2003 gleich mehrfach verewigt.

Um Ähnliches künftig zu verhindern, werde die Stadt, die sich selbst als "australische Hauptstadt der Straßenkunst" bezeichnet, rückwirkend Ausweise für legale Straßenkunst ausstellen und andere berühmte oder bedeutende" Werke unter Schutz stellen, so Alexander.

Es ist nicht das erste Mal, dass Banksys Kunst vergeht: 2008 übermalten Unbekannte in Melbourne ein Bild mit einem altmodischen Taucher in einem Trenchcoat. Und vor drei Jahren widerfuhr einem seiner Bilder in London ein ähnliches Schicksal: Bauarbeiter überstrichen die Darstellung der "Pulp-Fiction"-Stars John Travolta und Samuel L. Jackson, die anstelle von Gewehren Bananen in den Händen hielten. Das Bild war auf 450.000 Dollar (rund 340.000 Euro) geschätzt worden.

Banksy gilt als Liebling der Hollywoodstars: Christina Aguilera und Dennis Hopper zählen zu seinen Fans, Brad Pitt und Angelina Jolie zahlten bei einer Auktion für ein Werk eine Million Pfund.

Das Geheimnis um seine Identität befeuert den Hype noch. Seit Jahren wird gerätselt, wer das Phantom ist. Einige glauben, dass er eigentlich Robert Cunningham heißt, andere, dass er aus Bristol stammt.

siu/AFP



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