Raelianer Klon-Sekte will 20 Menschen züchten

Sie glauben an Ufos und haben bisher noch keinerlei Kompetenz beim Klonen von Lebewesen gezeigt. Und dennoch blickt die ganze Welt auf die Raelianer, die vergangene Woche den ersten Menschen geklont haben wollen. Jetzt darf "Eve" heim - und schon im Januar sollen die nächsten Klone implantiert werden.


Sieht sich als Mutter der Klone: Brigitte Boisselier
REUTERS

Sieht sich als Mutter der Klone: Brigitte Boisselier

Washington - Gesehen freilich hat "Eve", so der Arbeitstitel des Klons, noch niemand, der nicht zur Sekte gehört. Dem Mädchen gehe es gut, war alles, was Projektleiterin und Raelianer-Bischöfin Brigitte Boisselier die Welt wissen ließ.

Noch gibt es keine Bilder von dem Klon-Baby, sein Geburts- und Aufenthaltsort oder der der Mutter sind unbekannt. Auch Namen wurden nicht genannt. Boisselier lieferte keine weiteren Beweise, dass es sich bei dem Mädchen wirklich um eine exakte genetische Kopie ihrer Mutter, einer 31-jährigen Amerikanerin, handelt. Diese Beweise sollen nach ihren Angaben in den kommenden Tagen durch unabhängige Wissenschaftler erbracht werden.

Bereits in der kommenden Woche solle das nächste Klonbaby geboren werden - in Nordeuropa. Die künftigen Eltern seien ein lesbisches Paar, sagte Boisselier. Noch im Januar kämen zwei weitere Klonbabys zur Welt, behauptete sie: jeweils eins in Asien und Nordamerika.

Außerdem sollten schon im Januar 20 weitere Implantationen von Klonen vorgenommen werden. Diesmal dürfte der Prozess von Anfang von einem unabhängigen Experten mitverfolgt werden, versprach Boisselier. Die Leiterin des Clonaid-Labors wies zugleich Kritik zurück, ihr Team verfüge nicht über die nötige gentechnische Erfahrung. Ihre Wissenschaftler hätten vor "Eves" Geburt mit 3000 Kuhembryos experimentiert. Zudem hätten sie mit 300 menschlichen Embryos Erfahrungen gesammelt, bevor sie den ersten Embryo implantiert hätten, sagte Boisselier im US-Nachrichtensender Fox News.

Clonaid wurde 1997 auf den Bahamas von dem früheren französischen Journalisten Claude Vorilhon gegründet, dem Anführer der Sekte Raelistische Revolution. Vorilhon will in den siebziger Jahren von Außerirdischen besucht worden sein, die ihm erklärt hätten, dass das Leben auf der Erde von ihnen mit Hilfe der Gentechnik erschaffen worden sei.

"Bisher nicht einmal eine Ratte geklont"

Wo Clonaid arbeitet, ist unbekannt. Laut Boisselier ist die Firma inzwischen finanziell unabhängig, steht den Raelianern gedanklich aber nah: "Ich glaube daran, dass wir von Wissenschaftlern erschaffen wurden, und ich bin ihnen dankbar dafür." Weitere Klon-Babys sollen in den kommenden Wochen zur Welt kommen.

Am Wochenende hatten mehrere Wissenschaftler - darunter der Klonexperte Robert Lanza aus dem US-Bundesstaat Massachusetts - die Fähigkeiten des zur Raelianer-Sekte gehörenden Clonaid-Labors in Frage gestellt. "Sie haben bisher noch nicht einmal eine Ratte oder ein Kaninchen geklont", urteilte Lanza.

Unterdessen mehrte sich die Kritik an dem Klonprojekt. Der Erzbischof von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger, bezeichnete das Klonen eines Menschen als "Nazi-Praktik". Ein derartiges Unternehmen sei "in seiner Logik mit den eugenischen Praktiken der Nazis vergleichbar, die als wissenschaftlich und rational ausgegeben wurden", sagte Lustiger am Sonntag in Paris.



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